Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oranienburg Projekt 7000: Zum Berg gerufen
Lokales Oberhavel Oranienburg Projekt 7000: Zum Berg gerufen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 11.10.2018
Gewaltiges Panorama in Kirgistan. Torsten Weigel genießt den Ausblick auf den „Ala-Köl“, einem Bergsee auf 3532 Metern Höhe. Quelle: privat
Oranienburg

Das Wandern ist des Weigels Lust. Und weil das so ist, wollte Torsten Weigel (29) mit Freunden den 7134 Meter hohen Pik Lenin in Kirgistan besteigen. Und obwohl ihm der Berg einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, zählt die vier Wochen lange Tour mit zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die der Oranienburger Buchautor („Abenteuer Südhalbkugel“) je gemacht hat.

Thorsten Weigel und sein Team. Quelle: privat

Am 7. Juli war das Team – bestehend aus neun Männern und drei Frauen – über Moskau nach Kirgistan aufgebrochen. Alle kennen sich seit Jahren, haben schon diverse Berge gemeinsam erklommen. Mit dabei auch Anne Israel (28) aus Oranienburg und Frank Lüders (53) aus Germendorf, die dem Höhepunkt des „Projekt 7000“ entgegenfieberten. Georgien, Bolivien/Peru und nun Kirgistan – es war die dritte und letzte Tour im Rahmen des zweijährigen Projekts. Und es sollte ein ganz besonderes Abenteuer werden. Der Plan: Die insgesamt 2500-Kilometer-Tour startet in der kirgisischen Hauptstadt Bishkek und führt das Team auf einer großen Schleife quer durch das Land bis Osh. Auf der Route liegen etwa der Yssykköl – mit 6000 Quadratkilometer zweitgrößter Bergsee der Erde – und Bergregionen, die sich fernab der Touristenströme befinden und nur schwer zu erreichen sind. „Um dorthin zu kommen waren wir mit einem alten russischen Militärtransporter, einem GAZ-66, unterwegs“, sagt Torsten. Ein Höhepunkt sei für ihn der Ala-Köl, ein See auf über 3500 Metern Höhe gewesen. „Die Wanderung dorthin und der intensive Türkisschimmer des Sees waren beeindruckend“, erinnert sich auch Anne, die Torsten schon aus Schulzeiten am Louise-Henriette-Gymnasium kennt und mittlerweile als Psychologin promoviert.

Blick auf die Berge. Quelle: privat

Das Team legte lange Strecken zu Fuß und im GAZ zurück, drang dabei tief in die raue kirgisische Bergwelt ein. „Das Wetter war sehr wechselhaft. Es hat an vielen Tagen zeitweise geregnet und ich habe mir mehr als einmal überlegt, warum ich mir das antue“, erinnert sich Frank Lüders, der Gruppenälteste. Auch er zeigte sich angetan von den Landschaften – und den freundlichen Menschen.

Durch Peru. Quelle: Marten Zimmermann

Am idyllischen Sonköl-See traf das Team auf Nomaden und bekam einen Eindruck von der herzlichen Gastfreundschaft. „Eine Familie lud uns in die Jurte ein. Es gab vergorene Yakmilch, Fladenbrot und Süßigkeiten“, berichtet der kaufmännische Angestellte. „Wir waren alle angetan von der freundlichen und offenen Art.“

Es seien neben der rauen Landschaft vor allem diese ungestellten Momente, die Frank Lüders berührt haben – und die Sinnbild des Projekt7000 sind. Denn auf allen Touren suchten die zwölf Freunde die direkten Begegnungen mit Einheimischen. Auch viele Interviews wurden geführt und Fotos gemacht. „Die Nähe zu den Einheimischen und ihre Lebensgeschichten waren sehr interessant“, sagt Frank Lüders, der in Bolivien/Peru und Kirgistan dabei war. „Auch wenn die Tour zwischenzeitlich hart war, habe ich im Nachhinein keinen Tag bereut.“

Lagebesprechung. Quelle: privat

Um den Körper an das Klima und die dünne Luft zu gewöhnen, unternahm die Truppe diverse Touren, übernachtete dabei immer im Zelt. Manchmal sogar auf 4000 Metern Höhe. Bei Wind und Wetter schleppte Expeditionsleiter Torsten immer seinen fünf-Kilo-Drohnenkoffer mit, um auch Luftaufnahmen machen zu können. Die beeindruckenden Bilder sind etwa auf Instagram und Facebook zu sehen – unter @weigelontour.

Schließlich erreicht die Gruppe nach einem halben Monat die Marktstadt Osh. Planmäßig teilt sich dort das Team – für sieben Mitstreiter geht es zurück nach Hause, ein Quintett reist hingegen weiter zum 7143 Meter hohen Pik Lenin. „Einige Leute hatten nicht so viel Urlaub, andere, wie ich, hatten gar nicht vor, den Berg zu besteigen“, sagt Frank, der in seiner Freizeit fünfmal die Woche beim Joggen, Schwimmen und Radeln schwitzt.

Auf den Berg... Quelle: Marten Zimmermann

Und während die eine Hälfte der Truppe im Flieger nach Hause sitzt, machen sich Anne, Benjamin, Marten, Toni und Torsten auf, den Pik Lenin zu erklimmen. Ihr erster Halt: Das Basislager am Fuß des eisigen Riesen. Zwei Nächte bleiben sie dort, übernachten in bereitgestellten Jurten. Ein Kochteam aus Einheimischen versorgt auch die rund 20 anderen Bergsteiger aus dem In- und Ausland. „Dann haben wir uns aufgemacht, um ins erste höher liegende Camp 1 zu kommen“, sagt Anne. Von 3400 Meter wandert die Gruppe mit schwerem Gepäck in sieben Stunden auf 4500 Meter. Dort ist vom Komfort des Basislagers nicht mehr viel übrig. Zwar gibt es auch in Camp 1 noch Jurten, doch allein schon die Lage auf einer Gletschermoräne in Nähe zu einer gewaltigen Wand aus Eis und Schnee machte deutlich, dass die große Herausforderung Pik Lenin nun in greifbarer Nähe liegt.

Um 3 Uhr nachts klingelte der Wecker, denn um Lawinen zu entgehen und den spaltenreichen Gletscher möglichst sicher zu queren, wählen die Bergsteiger einen frühen Start. Dann die erste Hiobsbotschaft: Anne und Toni können nicht aufsteigen, liegen mit einem Magen-Darm-Infekt flach. „Eine große Enttäuschung“, sagt Anne, die ahnt, dass sich der Gipfeltraum in diesem Moment für sie in Luft auflöst.

Schneereiche Tour. Quelle: Marten Zimmermann

Schweren Herzens trennt sich die Gruppe, Benjamin, Marten und Torsten stapfen mit Steigeisen von dannen, um Stunden später Camp 2 zu erreichen – auf 5400 Metern Höhe. „Dieser Ort ist sehr speziell. Das Lager liegt am Rand eines Kessels und in der Ferne haben wir einige Lawinen beobachtet“, meint Torsten, der den Rest des Tages mit Schneeschmelzen und Schlafen verbringt. Am Folgetag steigt er zusammen mit Benjamin noch auf 6000 Meter empor, um den Körper an die enorme Höhe zu gewöhnen.

Dann schlägt das Wetter zu. In einer sprichwörtlichen Nebelaktion steigt das Trio zusammen mit einem Bergführer bei Schneetreiben erstmal wieder zurück ins Camp 1. Dort liegen sich die drei Männer mit Anne und Toni in den Armen. Doch in die Wiedersehensfreude mischt sich der bange Blick auf die Wetterkarten, denn diese versprechen weiterhin nichts Gutes: Neuschnee, Wind und eine unbeständige Wetterlage kündigen sich an.

Die drei Oranienburger: Torsten Weigel, Anne Israel und Frank Lüders (v.l.) kennen sich seit vielen Jahren – weitere Touren sollen folgen Quelle: Marten Zimmermann

Alles Hoffen nützt nichts, die Tage verstreichen ohne Besserung und das Team muss eine Entscheidung treffen – den Gipfelsturm unter erhöhtem Risiko wagen oder die Tour trotz langer Vorbereitung und guter physischer Fitness abbrechen. „Ich bin nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen abzubrechen“, sagt Torsten, der damit dem von ihm ausgegeben Motto des Projekts treu blieb: „Kein Gipfel ist so schön wie das Leben.“ Später erfuhr er, dass vier Menschen in den Tagen ihr Leben am Berg verloren, in denen die Gruppe hätte aufsteigen sollen. Also hat die Truppe um Torsten Weigel alles richtig gemacht.

Wird es einen zweiten Versuch am Lenin geben? „Nächstes Jahr nicht, dann sehen wir weiter“, sagt Weigel. Für ihn ist das Projekt auch ohne Krönung eine spannende Zeit gewesen. Nun macht er sich daran, das Erlebte aufzuarbeiten. Ein Bildband ist ebenso im Gespräch wie ein Live-Vortrag, der im Oktober 2019 in Oranienburg Premiere feiern soll.

Vorträge in Sommerfeld

Wer den Abenteurer schon vorher auf der Bühne erleben will, kann etwa am Donnerstag, 11. Oktober, oder am Donnerstag, 29. November, in die Rehaklinik nach Sommerfeld kommen. Dort berichtet der 29-Jährige ab 19.30 Uhr von seinen Touren.

Von Jeannette Hix

Am Sonntag war der Welttag für menschenwürdige Arbeit. Im Weltladen in Oranienburg sind Unterschriften gesammelt worden, die bekam die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg überreicht.

08.10.2018

Ein rund drei Kilometer langer Ölfilm trieb am Sonnabend gegen 14 Uhr auf der Oder-Havel-Wasserstraße in Oranienburg. Feuerwehrleute gingen mit einem Bindemittel gegen die Umweltverschmutzung vor und errichteten eine Ölsperre.

08.10.2018

Ein Pkw-Fahrer hat am Sonnabend gegen 11 Uhr in Oranienburg einem Motorradfahrer die Vorfahrt genommen. Es kam zum Zusammenstoß, wobei der 53-jährige Zweiradfahrer schwer verletzt wurde.

06.10.2018