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Oranienburg Über Geschichte(n) stolpern
Lokales Oberhavel Oranienburg Über Geschichte(n) stolpern
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10:21 10.11.2016
OSZ-Schüler befreiten die Stolpersteine von Schmutz. Quelle: : Marco Winkler
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Oranienburg

Mit mehreren Veranstaltungen gedachten Menschen am Mittwoch in Oranienburg der Opfer der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Vormittags putzten Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums Stolpersteine. 59 solcher Steine halten in Oranienburg, Lehnitz und Freienhagen die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes wach.

„Es ist wichtig, dass wir diese Menschen im Alltag wahrnehmen“, sagte die 16-jährige Emily-Rose Plate. „Wir dürfen die Zeit nicht vergessen“, so ihr Mitschüler Long Nguyen (17). Vier Schülerteams putzten 35 Steine. „Wir haben im Vorfeld darüber gesprochen, ob das eine gute Art des Gedenkens ist“, erzählte Geschichtslehrer Axel Knust. Zweimal im Jahr gibt es so eine Putzaktion. „Wir sprechen über die Schicksale, die hinter den Steinen stecken.“

Stolpersteine auf der Schlossbrücke. Quelle: Winkler

Wie über Richard und Herbert Ludwig in der Fischerstraße Nummer 17. Dort, wo heute Rossmann Drogerieartikel verkauft, verbrachten sie einen Teil ihres Leben. Richard Ludwig starb im KZ Theresienstadt, Herbert Ludwig wurde in Auschwitz ermordet. „Es ist wichtig, dass wir an sie erinnern“, so Jan Zander (16).

Doch wird auf den Steinen nicht rumgetrampelt, tritt man nicht auf die Opfer? „Das ist eine Empfindungssache“, erklärte Minette von Krosigk. „Man muss sich zum Lesen auch runterbeugen, sich quasi vor den Opfern verbeugen.“ Minette von Krosigk begleitet die Aktion seit Jahren. 2006 wurden die ersten Stolpersteine vom Kölner Künstler Gunter Demnig in Oranienburg verlegt. Und es kommen weitere hinzu.

Am Mahnmal in der Havelstraße wurden Kränze niedergelegt. Quelle: Winkler

Im Juni 2017 wird in der Markgrafenstraße 2 der Familie Baermann gedacht. „Max Baermann war der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde“, so Minette von Krosigk. Und sie erinnert: „Die Blumen, die wir heute neben die Stolpersteine legen, sind dort zur Erinnerung, nicht zur freien Mitnahme.“ In den letzten Jahren wären sie immer wieder geklaut worden.

Nachmittags hielt der Bundestagsabgeordnete Harald Petzold (Linke) eine Ansprache am Gedenkstein des ehemaligen jüdischen Bethauses in der Havelstraße. „Für Menschen meiner Generation ist es schwer vorstellbar, was Menschen anderen Menschen angetan haben.“ Bürgermeister Laesicke und Vertreter der Jüdischen Gemeinde legten Kränze nieder. Harald Petzold empfinde eine „tiefe Scham“, wenn er sieht, dass es „in meinem Land jetzt wieder Ansätze von Antisemitismus“ gibt.

Gedenken in der Havelstraße mit Harald Petzold. Quelle: Winkler

Abends wurde dann die erste Oranienburger Gedenkdemo veranstaltet, initiiert von der Linksjugend. Die Gedenkdemo führte an historischen Orten und Stolpersteinen vorbei, blank poliert und wieder gut sichtbar.

Von Marco Winkler

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