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Oranienburg Und ab und zu Subbotnik
Lokales Oberhavel Oranienburg Und ab und zu Subbotnik
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08:57 24.07.2013
Dennis Bütow hat zwei rechte Hände. Der Oranienburger hat die Stelle als Haustechniker und Allrounder über Facebook gefunden. Wie neu ist das Parkett im großen Saal. Hier kann voraussichtlich ab Oktober gefeiert werden. 255 Stühle passen bei einem Theaterstück hinein. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

Sonne und Sommerhitze quellen zu den Fabrikfenstern herein. Veiko Minge leistet geradzu „chirurgische“ Arbeit am Werkstoff. Unter seinen Händen entsteht die Nachbildung eines Simses für einen historischen Schwedenofen. Drei Monate braucht es, bis das filigrane Modell des Kronenaufsatz, den ein Ofenbauer bestellt hat, fertig ist. Seit zwei Jahren arbeitet Minge freiberuflich als Töpfer, Modellbauer und Künstler. Im Oranienwerk hat er sein Atelier gefunden: „Hier trifft man viele kreative Köpfe und hat gute Werkstatträume.“

Das schätzt auch Thomas Drescher, der zusammen mit Maren Geers sich für den Standort Oranienburg entschieden hat. Die Bühnenbildner haben eine Forschungsfirma gegründet, beraten Unternehmen in Sachen Kreativität und Kommunikaton. Erfahren hatte er vom Oranienwerk durch Zufall, kam her und wusste: „Das könnte es sein. Das Atelierhaus in Berlin wird dicht gemacht. Vieles ist dort vom Kahlschlag bedroht.“ Klarheit brachte die Einladung von Christoph Miethke. „Wir haben die Partnerschaft zunächst per Hanschlag besiegelt. Das Vertrauen hat mich überzeugt. Er ist kein Miethai, hier steht der Erfolgsdruck nicht so im Vordergrund wie in Berlin.“ Hier finde er auch Ruhe zum Arbeiten, so der Berliner. Vor seiner gemieteten Halle hat Thomas Drescher einen „mobilen Garten“ angelegt. Kürbis wächst aus Containern. Oleander blüht im Mittelmeerklima von Oranienburg.

Festgemacht als Mieter haben am neuen Standort der Kreativwirtschaft unter anderem auch „Kaffeetante“ Petra Michael, die im August eröffnet. Ebenso Germendorfs Maler Alessandro Marogna, Eva Waldherr und ihr Modelabel „erna & gustav“ für handgemachte Boxershorts. Anfragen gibt es von der Band „Projekt Mützen“ für Probenräume, Volkshochschulkurse, die G-Haus-Party soll nach der gelungenen Premiere bleiben.

Überall wird gewerkelt und gehämmert. Zwei entscheidende Gründe gibt es dafür: Marco Bartschs Arbeit, der seit September 2012 als Projektmanager täglich vor Ort ist. Die Netzwerkarbeit des Stadt- und Regionalplaners mit Draht zur Kreativzene und Faible für die Archtektur trägt jetzt Früchte. Grund zwei: „Seit dem 26. Juni liegt die Baugenehmigung des Landekreises vor, auf die wir Monate gewartet haben.“ Elektriker, Fensterbauer und Sanitärfachleute stehen in den Startlöchern. „Bauliche Details besprechen wir mit den Mietern.“ Manches Start-Up-Unternehmen wolle sich erst ausprobieren, andere suchten nur mal einen Raum für das Schreiben einer Masterarbeit. „Die Miete ist für alle gleich und knapp kalkuliert. Es soll sich tragen, das ist die Prämisse, nicht der Gewinn.“ Das sei die Philosophie von Christoph Miethke, der derartige Industriestandorte erhalten möchte, die eine Symbiose mit kreativen Unternehmen und der Kultur eingehen. Jeder Raum atmet Geschichte und die neue Zeit.

Der große Kultursaal ist fertig. Irgendwann sollen die halbrunden Fenster unterm Dach noch hervorgeholt werden, so Bartsch. Und die Oranienwerker haben den Subbotnik wiederbelebt: Zweimal im Jahr wird gemeinsam gestrichen, gepflanzt, geputzt. „Das ist einfach identitätsstiftend.“

Von Heike Bergt

An historischer Stelle

2011 hatte der Potsdamer Medizintechnikfabrikant Christoph Miethke das ehemalige Gelände des Kaltwalzwerkes an der Kremmener Straße erworben.
Zurzeit: sieben feste Mieter, zwei Reservierungen.
Im Angebot sind unter anderen noch: die ehemalige Galvanikhalle mit 200 Quadratmetern und drei kleinere Hallen.
Die „Coworking-Spaces“ mit bis zu 30 Quadratmetern sind flexibel mietbar, auch mal für eine Semester- oder Bastelarbeit.
Miete: sechs Euro warm pro Quadratmeter.
Täglich vor Ort: Marco Bartsch, Tel. 0176/10 59 90 55, marco.bartsch@miethke-immobilien.de.

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