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Verpufft der Protest gegen die „Eierfabriken“?

Oranienburg Verpufft der Protest gegen die „Eierfabriken“?

Es geht um neue Legehennenanlagen in Wensickendorf und Zehlendorf: Zum zweiten „runden Tisch“ hat Landwirt und Investor Josef Vortallen geladen – erstmals waren auch die Bürgerinitiative (BI) und der Bürgermeister dabei. Vortallen will mit Bio-Produkten überzeugen – und verkauft das glaubwürdig. Doch Anwohner bleiben skeptisch.

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Massentierhaltung? Investor Josef Vortallen wehrt sich gegen den Begriff. Er setze auf Bio-Haltung, sagt er.

Quelle: Bert Wittke

Zehlendorf. Die Legehennenanlangen in Zehlendorf und Wensickendorf bleiben hitziges Gesprächsthema - die Stadtverordneten waren sich aber einig. Investor und Landwirt Josef Vortallen lud Dienstag erneut zum Gespräch, erstmals mit Bürgermeister und der Bürgerinitiative „Contra Eierfabrik Oranienburg“.

Vor der Gesprächsrunde: Protest. Anwohner machten ihrem Unmut Luft, hielten Plakate in den Händen, die sich gegen Massentierhaltung aussprechen. Vortallen kann das nicht nachvollziehen. „Das machen wir hier nicht“, sagte er. „Die Vorstellung von drei Hühnern auf dem Misthaufen, die die Eier legen, gibt es nicht mehr“, so Vortallen. „Der Markt ist knallharter Wettbewerb.“

Vor zwei Jahren hat er die 27 Hektar in Zehlendorf gekauft. Für mehr Transparenz will er bald Bürgersammlungen ausrichten – zusammen mit Jan Henrik Roest, der plant, in Wensickendorf identische Anlagen zu errichten.

Alles nach Bio-Vorschriften

Vortallen sagt: Der Markt schreit nach Bio-Eier. Deshalb werden alle Anforderungen vom Umwelt- und Naturschutz eingehalten. Die Anlagen wird in Weiden unterteilt sein. Pro Weide 3000 Tiere. Das sei Bio-Vorschrift.

Hinzu kommen: Schauräume, Beschäftigungsoptionen, Wintergarten und Auslaufwiese. Vier Quadratmeter pro Huhn. Einblicke in den Wintergarten und über die gesamte Anlage werden jederzeit gewährt. „Jeder kann sich ein Bild machen, wie Landwirtschaft heute aussieht“, sagte er in bester Verkaufsmanier. Schulklassen sollen hier praxisnah lernen.

Doch was ist mit dem Geruch? Laut Christiane Zimmermann vom Ingenieurbüro Eco-Cert werde das nicht zu vermeiden sein. Aber es gebe Grenzwerte, die nicht überschritten werden. Von über 8700 Stunden im Jahr würde es laut berechneter Prognose bei maximal zwei Prozent davon zu einer relevanten Geruchsbelastung kommen. „Zehn Prozent sind in einem Wohngebiet zulässig“, so Zimmermann. „Aus Gutachtersicht gehen wir davon aus, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht erforderlich sein wird.“

Bürgermeister gibt zu bedenken

Und der Kot der Tiere? Kotbandtrocknung. Lkw transportieren den Bio-Dünger ab. „Hier muss sich an die Verschärfung der Düngeverordnung gehalten werden“, so Heidemarie Scholze, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Oberhavel/Barnim. Antibiotika sollen die Tiere nicht bekommen. Dann dürften die Produkte nicht mehr als „Bio“ verkauft werden.

Was können Protest und „Nein“- Stimmen der Stadtverordnegen bewirken? Laesicke erschienen die Ausführungen Vortallens plausibel. Zu einem gemeindlichen Einvernehmen sagte er: „Das ist eine rechtliche Beurteilung, keine Meinungsabfrage.“

Selbst wenn alle dagegen stimmen: Sollte das Vorhaben juristisch makellos sein, wird es umgesetzt – wie die kontrovers diskutierte Asphaltmischanlage in Oranienburg.

38 000 Eier pro Tag

17 Wochen alt sind die Hühner, die aus Betrieben im Radius von 200 Kilometer nach Zehlendorf geliefert werden.

Drei Wochen lang werden die Tiere im Anschluss mittels eines Lichtprogramms trainiert. Sie müssen lernen, wo sie ihre Eier legen sollen.

80 bis 90 Wochen lang wird die Hennen Eier legen. Prognostiziert werden etwa 19 000 Eier pro Tag und pro Stall. Das macht jeden Tag insgesamt 38 000 Eier.

Lkw, die die Anlage anfahren : Futterlieferung, Kot- und Eiertransport. Die Eier sollen regional vermarktet werden.

Ist das Massentierhaltung? Eine Richtlinie dafür gibt es nicht. Aber die Haltung entspricht den Bio-Standards.

Von Marco Winkler

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