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Oranienburg Viersprachiges Experiment
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00:17 01.02.2016
Tilman Santarius (rechts) moderierte den Abend am Donnerstag, der zum Wettbewerb „Zukunftsstadt Gransee“ gehörte. Quelle: FOTO: UWE HALLING
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Gransee

„Es ist ein Experiment!“ Tilman Santarius sagte das am Donnerstagabend. Bei einer Sitzung viersprachig arbeiten, fand er „interessant“. War es auch. Ein paar Sätze auf Deutsch. Stopp! Gemurmel in drei Ecken. Von Dolmetschern wurden diese Worte auf Urdu, Persisch und Arabisch übersetzt. Weiter, die nächsten Sätze!

Unschwer zu erraten, dass ausländische Gäste in der Runde saßen. Flüchtlinge. Das Thema: Migration/Integration. Der Ort: Gransee. Es war eine weitere Runde der Reihe „Fachgespräche“. Die neunte seit November 2015. Die Teilnehmer: etwa 15 Flüchtlinge aus Gransee und etwa genau so viele „Ur-Granseer“.

Moderator Tilman Santarius kitzelte insbesondere aus den Flüchtlingen die Dinge heraus, die sie gut und weniger gut an ihrem neuen Wohnort finden. Die Antworten waren den Granseer Insidern durchweg nicht neu, viele hegen ähnliche Wünsche. „Wenn der Sportplatz attraktiver wäre, ein Café oder Restaurant hätte, wäre es eine gute Möglichkeit, sich dort zu treffen“, war einer der ersten Vorschläge. Ebenfalls einen anderen Treff – mal abgesehen von Gemeinschaftsunterkunft oder das Begegnungshaus – schlug jemand anderes vor und meinte, „dass sich die Bücherei nicht gerade zum Verweilen eignet“.

Rose Berger von der Willkommensinitiative Gransee, die die Sprachkurse koordiniert, sieht Mängel im öffentlichen Nahverkehr. So gebe es Sprachschulungen in Altlüdersdorf. „Wenn aber einer der Flüchtlinge beispielsweise morgens einen Arzttermin hat, schaffte er es nicht mehr zum Unterricht, weil kein Bus fährt.“ Zum Unterricht zu kommen sei auch für diejenigen schwierig, die zum Beispiel in Schönermark oder Baumgarten wohnten.

Medizinische Engpässe beziehungsweise Schwierigkeiten machten die Flüchtlinge auch aus: die Versorgung von Kindern sei an anderen Orten stabiler. Und die muslimischen Frauen hätten ein Problem damit, zu männlichen Gynäkologen zu gehen. Einer der ersten Flüchtlinge in Gransee ist der Syrer Soufi. Er weiß mittlerweile aus Erfahrung: „Die Deutschen sind sehr nett. Was wir jedoch brauchen, ist mehr Unterstützung bei der Arbeitssuche, um noch besser integriert zu werden.“ Ein anderer Vorschlag war, den Ort attraktiver für Firmen zu machen, damit sie sich hier ansiedeln und Arbeitsangebote für die Flüchtlinge hätten. Bei den in der Stadt erhältlichen Lebensmitteln fehlten laut Aussagen der Flüchtlinge bestimmte ländertypische Angebote, Halal-Fleisch zum Beispiel. Derzeit sei es so, dass sie einmal im Monat nach Berlin führen und sich dort selbst Fleisch holten. In den Märkten vor Ort gebe es das Fleisch nicht.

Auch ganz praktische Dinge fielen den Neu-Einwohnern auf: fehlende Bänke in der Innenstadt, zu wenige Papierkörbe, kein Schwimmbad, kein Park mit Möglichkeiten zur Beschäftigung sowie der unansehnliche Bahnhof als Gesicht der Stadt. „Das ist faszinierend“, warf Manfred Richter vom Amt Gransee und Gemeinden ein. „Unsere neuen Mitbürger äußern genau die Ideen, über die wir schon lange reden.“

Aber es war in der Donnerstagabend-Runde keineswegs so, dass die Flüchtlinge einen Forderungskatalog aufstellten. So gab es das Angebot, an Tagen wie Neujahr – für sie kein Feiertag – die Straßen gesäubert werden können. Das solle zugleich das Zeichen dafür sein, dass man sich integrieren wolle. Der Iraner Ahmadreza Amir-Azodi bedauert, dass seine geflüchteten Landsleute als Islamisten angesehen werden. „Das ist schade. Wir sind Kulturflüchtlinge. Wir würden die iranische Kultur gern mit der deutschen zusammenbringen. Das wird leider nicht erkannt.“

Die „deutsche Arbeitsgruppe“ hatte gleich eine ganze Reihe von Vorschlägen, die zur Integration beitragen könnten. „Wir können sicherlich mit den Supermärkten oder dem Fleischer sprechen, was die Fleischangebote betrifft. Aber noch besser wäre es doch, wenn einer der Flüchtlinge in Gransee einen Multikulti-Laden eröffnen würde“, sagte Bürgermeister Mario Gruschinske. Auch ausländische Gastronomie, Kulturkarneval, geteilte Patenschaften (gegenseitige Hilfe), regelmäßige Gesprächsrunden, gemeinsamer Frühjahrsputz, Geschäfte zu Wohnungen umbauen – all das könne der Integration dienlich sein.

Nach zwei Stunden waren alle Ideen ausgetauscht. In vier Sprachen. Experiment geglückt!

Von Stefan Blumberg

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