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Von einem der auszog, um den Schlamm zu besiegen

Oranienburg Von einem der auszog, um den Schlamm zu besiegen

Ein Schlammkämpfer erzählt. Der „Tough-Mudder“-Wettbewerb gilt als einer der härtesten Hindernisläufe überhaupt. Denn die Parcours haben es in sich. Kevin Blüthgen aus Oranienburg (Oberhavel) ist leidenschaftlicher Schlammkämpfer und hat der MAZ erzählt, was ihn an den schmutzigen Kämpfen fasziniert.

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Geschafft: Kevin Blüthgen aus Oranienburg mit seinem Team der Frostis Fun Crew.

Quelle: privat

Oranienburg. Das erste Hindernis ist vergleichsweise harmlos: Riesige Strohballen sind zu überwinden. Noch sind die Klamotten trocken, ist die Farbe des T-Shirts erkennbar. Doch schon Station zwei hat es in sich: „Kiss of Mud 2.0“ heißt sie. Und auch Kevin Blüthgen küsst den Schlamm. Ähnlich eines militärischen Trainings robben die Männer durch ein Schlammfeld. Darüber ist Draht gespannt, es bleiben 40 Zentimenter Platz. Da heißt es, den Körper flach halten! Nach drei Kilometern dann geh es ab ins „Drecksloch“! Tiefer Modder. Keiner weiß vorher, wie tief. Es muffelt. Hauptsache, man hat seine Schuhe fest geschnürt, damit sie nicht stecken bleiben.

Tough Mudder gilt als einer der härtesten Hindernisläufe

Kevin Blüthgen war dabei, beim „Tough Mudder“ 2016 im Juli in Hermannsburg bei Celle. Der „Tough Mudder“ gilt als einer der härtesten Hindernisläufe. Überall auf der Welt gibt es sie inzwischen, herübergeschwappt aus Old England. Der Parcours führte über etwa 17 Kilometer. Gespickt mit bösen Hindernissen. Jedes eine Herausforderung. Es wird unter dem Jubel der Zuschauer gerannt, gekraucht, getaucht, geschwommen, geklettert, gehangelt, gerobbt. Wie lange man für die Strecke braucht, ist nebensächlich – durchkommen ist alles. Und Teamwork.

Eine Riesenschweinerei, bei der man an die Grenzen geht

2014 war Kevin Blüthgen das erste Mal dabei, am Lausitzring. Seit 2015 findet die Schlammschlacht in Hermannsburg statt. Um die 10.000 Frauen und Männer gingen diesmal an den Start. Eine Riesenschweinerei, bei der man an die Grenzen geht. Meterhohe Mauern sind bei den „Berlin Walls“ zu überwinden, im „Arctic Enema 2.0“ ist das Schlammloch mit Eiswürfeln gefüllt – per Rutsche geht es hinein. „Nachdenken darf man nicht viel, das prickelt bis in den Kopf“, findet der Oranienburger. Der ist gerade an dieser Staton im Vorteil: Der 35-jährige Elektriker und seine drei Mitstreiter sind Mitglieder der „Frostis Fun Crew“. Den Oranienburger Winterschwimmern, die nach Neujahr und den ganzen Winter über in die Havel oder den Lehnitzsee steigen. Mit und ohne Neopren. Baden bei Temperaturen um die null Grad – sie lieben es.

Auf der Tough-Mudder-Strecke sei wirklich für jede Phobie etwas dabei: Angst machende hohe Wände, von den gesprungen werden muss, enger werdende Röhren vom Wasser umwabert, tiefe Matschlöcher und glitschige Wände, die keine Halt bieten. Hat er vor gar nichts Angst? Die „Elektrotherapie“, diese feuchten, herabhängende Kabel, durch die leichte Stromstöße gehen, verlangen Kevin Blüthgen dann doch Respekt ab. Die letzte Station vorm Ziel.

„Es ist hinterm Ziel einfach ein geiles Gefühl“

Warum er sich das trotzdem antut? „Es ist hinterm Ziel einfach ein geiles Gefühl. So richtig kann ich das gar nicht beschreiben. Und je besser man drauf ist, um so mehr kann man anderen helfen.“

Endlich angekommen, bekommt jeder „Legionär“ ein oranges Stirnband. Für die Anfänger. Wer sich öfter mitquält, bekommt rote oder blaue dazu. Trophäen, die auch Kevin Blüthgen im Schrank zu Hause hütet. Natürlich habe auch er Lehrgeld bezahlt: Nach dem ersten Lauf habe er tagelang Muskelkater im ganzen Körper gehabt. „Das brauche ich nicht noch einmal“, erinnert er sich. Jetzt beugt er mit regelmäßigen Liegestützen und Klimmzügen vor. Beim zweiten Lauf spielten seine Knie nicht richtig mit. Diesmal hat er alles gepackt. Nach reichliche drei Stunden war das ganze Team im Ziel. Ausgepumpt, dreckig, glücklich. Im Ziel gib es neben dem Stirnband ein Bier, „das schmeckt auch denen, die sonst keins trinken“. Dann kann jeder duschen – kalt selbstverständlich. „Tough Mudder“ ist nichts für Warmduscher. Eines steht schon jetzt fest: 2017 wollen dann schon acht „Frostis“ beim „Tough Mudder“ dabei sein.

Von Heike Bergt

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