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Wenn das Auto für Tiere zum Backofen wird

Todesfalle Auto Wenn das Auto für Tiere zum Backofen wird

Sommer, Sonne, Sauna. Zu letzterem kann das Auto für Tiere werden, wenn sie dort eingesperrt sind. PETA und Ellen Schütze vom Tierschutzverein Oberhavel verurteilen solch verantwortungslose Halter. Polizeisprecher Toralf Reinhardt klärt auf, wie sich Passanten verhalten, wenn sie einen hechelnden Hund in Notlage sehen.

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Nicht frei: Bei Sommersonne Hunde nie alleine im Auto lassen, ihnen droht sonst der Tod.

Quelle: Peter Geisler

Oberhavel. Es wird wärmer, Sommer, die Sonne knallt – unter anderem aufs Auto. Innen erhitzt es sich schnell, wird zur lebensgefährlichen Sauna für Tiere, die von ihren Besitzern dort zurück gelassen werden, weil sie kurz einkaufen sind. Tierquälerei? Reicht ein offener Fensterspalt, um die aufgeheizte Situation abzukühlen?

Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei der Tierschutzorganisation PETA, spricht in dem Fall von „unverantwortlichen Haltern“. Jedes Jahr würden unzählige Hunde eines qualvollen Hitzetodes im Auto sterben, da sich ein geparktes Auto unter Sonneneinstrahlung innerhalb von Minuten auf bis zu 70 Grad Celsius erhitzen könne.

„Weil Hunde nur wenige Schweißdrüsen haben und sich hauptsächlich übers Hecheln abkühlen, erleiden sie im heißen Wageninneren schnell irreparable Organschäden oder sogar einen Herzstillstand“, so Dörte Röhl. Sie appelliert an Herrchen und Frauchen, ihre Tiere im Sommer „unter keinen Umständen“ unbeaufsichtigt im Auto zu lassen. Nicht einmal kurz oder bei leicht geöffnetem Fenster. Das sei kein ausreichender Schutz. „Nicht nur der Hund, sondern auch andere Tiere wie Kaninchen und Meerschweinchen, die sehr hitzeanfällig sind, kommen sehr schnell in eine lebensgefährliche Situation“, fügen die Oranienburger Tierfreunde an.

„Hunde gehören bei solch einem Wetter nicht ins Auto.“

Ellen Schütze vom Tierschutzverein Oberhavel kann da nur zustimmen. „Es gibt keine Rechtfertigung dafür. Hunde gehören bei solch einem Wetter nicht ins Auto. Die Gefahr wird leider immer wieder unterschätzt. Das Auto ist dann wie ein Brutkasten, es ist die Hölle da drin für ein Tier.“

Doch was machen Passanten, wenn sie einen Hund in Not sehen? Sofort die Polizei alarmieren? „Unsere Empfehlung ist es, erst einmal zu versuchen, den Besitzer ausfindig zu machen“, rät Polizeisprecher Toralf Reinhardt von der Polizeidirektion Nord. Das ist auch der erste Schritt der Polizei, wenn sie gerufen wird: Fahrzeughalter in einem Geschäft ausrufen lassen.

Wenn das keinen Erfolg bringt: Abwägen, ob es dem Tier wirklich schlecht geht. Auch das würden die Beamten vor Ort machen. Verhältnismäßigkeitsprüfung nennt sich das Verfahren offiziell. Erst als letzte Maßnahme beziehungsweise bei akuter Gefahr werde beispielsweise ein Fenster eingeschlagen, so Toralf Reinhardt.

Nur im äußersten Notfall: Scheibe einschlagen, Tier retten

Und wenn der Hund ernsthaft in Gefahr ist und selbst die Polizei zu spät eintreffen könnte, weil die Kollegen in andere Einsätze gebunden sind (die Einsatzstelle setzt die Prioritäten)? „Schwebt der Hund in Todesgefahr, sollten Tierfreunde in Betracht ziehen, die Scheibe einzuschlagen, um sein Leben zu retten“, so Dörte Röhl von PETA. „Dies gilt immer dann, wenn es sich rechtlich um einen Notstand handelt, wenn andere Hilfe nicht rechtzeitig zu erreichen ist.“Das sieht auch Ellen Schütze so. „Die extreme Maßnahme ist gerechtfertigt, wenn der Hund im Sterben liegt“, sagt sie.

Die Oranienburger Tierfreunde raten bei solch einer lebensrettenden Aktion zudem: „Es wird auf jeden Fall ein Schaden am Fahrzeug entstehen und der Eigentümer kann Strafanzeige wegen Sachbeschädigung stellen. Um zu beweisen, dass es sich um eine Notlage für das Tier gehandelt hat, sollten deshalb Zeugen vorhanden sein.“ Hilfreich seien auch Fotos vom Tier in seiner Notlage. Und dann? „Wenn der Hund befreit ist, sollte man ihm feuchte lauwarme Umschläge an Beinen und Pfoten machen und ihm auch temperiertes Wasser zum trinken anbieten“, so die Oranienburger Tierfreunde. Ellen Schütze will deutlich auf das Problem aufmerksam machen und rät Zweiflern: „Probieren Sie es aus und setzen sich ins Auto, wenn die Sonne drauf scheint und lassen das Fenster nur ein wenig auf. Es gibt keine Luftzirkulation.“

Von Marco Winkler

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