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Oberhavel: Leben und Wohnen im Alter Wer anderen hilft, hilft sich auch selbst

„Also ich finde es gut, dass wir alle immer älter werden.“ Landrat Ludger Weskamp war es besonders wichtig, diesen positiven Aspekt des demografischen Wandels zu betonen. „Der kommt oft viel zu kurz.“ Spontaner Applaus der zumeist älteren Besucher, die zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Leben und Wohnen im Alter in Oberhavel“ gekommen waren.

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Bei den Jahresringen aktiv (v.l.): Leni Korth, Georgina Schwettke und Helga Petig. Ihnen gefällt die Idee der Seniorengenossenschaft

Quelle: . FOTOS (2) Gawande

Oranienburg. „Also ich finde es gut, dass wir alle immer älter werden.“ Landrat Ludger Weskamp war es besonders wichtig diesen überaus positiven Aspekt des demografischen Wandels zu betonen. „Der kommt oft viel zu kurz.“ Spontaner Applaus der rund 40, zumeist älteren, Besucher, die zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Leben und Wohnen im Alter in Oberhavel“, zu der die Seniorengenossenschaft Oberhavel (SG OHV) eingeladen hatte, am Sonnabendmorgen in die Räumlichkeiten der Oranienburger Wohnungsbaugesellschaft (Woba) gekommen waren.

Da die Veranstaltung im Rahmen des Programms „Anlaufstellen für ältere Menschen“ des Bundesfamilienministeriums stattfand, konnten neben dem Landrat weitere namhafte Redner gewonnen werden. SG-OHV-Vorsitzende Marion Kinzinger präsentierte zudem Oranienburgs Vizebürgermeisterin Kerstin Kausche als neue ehrenamtliche Geschäftsführerin der Genossenschaft, der mittlerweile 15 Mitglieder angehören.

Aber was sind eigentlich die dringendsten Wünsche der Senioren? „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, in dem wir möglichst lange selbstständig wohnen bleiben können“, erklärten die Besucherinnen Leni Korth und Helga Petig einstimmig. Eine bessere Bezahlung von Pflegekräften – „Damit sie ihren Job gerne machen und die Patienten nicht nur abfertigen!“ – sowie eine weniger bürokratische, schnellere Unterstützung bei eintretendem Pflegebedarf, wünscht sich Karin Becker. Sie verglich ihre Vorstellungen mit der Fürsorge, wie sie einst in der DDR üblich war. „Ich glaube die Seniorengenossenschaft ist deshalb eine gute Idee, um bestehende Lücken im System zu schließen“, so die Oranienburgerin.

Wünsche, die nicht weit von den Vorstellungen der Redner abwichen. Bernd Jarczweski, Geschäftsführer der Woba, bestätigte, dass es derzeit im Trend liege, „in der eigenen Wohnung alt werden zu können“. Er favorisiere sogar ein Mehrgenerationenwohnen, wie es beispielsweise in Wien praktiziert werde. „Sowohl an Kinderwagen, als auch an Rollatoren soll gedacht werden.“ Leider müssten diese Wünsche derzeit noch hinter notwendigen Sanierungsmaßnahmen, die wenn möglich barrierefrei erfolgen würden, zurückstehen.

Landrat Ludger Weskamp gab zu bedenken, „dass sich, laut einer Bertelsmann-Studie, bis 2030 der Anteil der Pflegebedürftigen in Oberhavel verdoppeln werde“. Grund sei die hohe Attraktivität des Landkreises. „Es ist Teil unseres Erfolges.“ Umso wichtiger sei es nun, die richtigen Strukturen und Rahmenbedingungen, wie ausreichend Pflegepersonal und bezahlbaren Wohnraum – nicht nur für ältere Menschen, sondern für alle – zu schaffen. Das sei die zentrale Herausforderung, aber: „Wir schaffen das!“ Mit der Einrichtung einer Altenpflegeschule haben man einen ersten Schritt getan, jedoch sei es schwer gut ausgebildete Pflegekräfte im Land zu halten, wenn die Bezahlung in Berlin besser sei. Oberhavel hätte zwar einen hohen Anteil junger Menschen, jedoch blieben diese oft nur zum Wohnen im Kreis.

„Wir müssen das Thema in das Bewusstsein der Menschen, in die Bevölkerung tragen.“ Dazu gehöre auch die Motivation zum Ehrenamt und dessen Akzeptanz. „Wir müssen Danke sagen.“ Den Menschen müsse bewusst werden, dass es sich lohne, aktiv zu sein, so der Landrat.

„Wer anderen hilft, hilft auch sich selbst“, brachte es Georgina Schwettge von den Oranienburger Jahresringen auf den Punkt. Es mache Spaß, sich zu engagieren. Ehrenamt halte fit. Fünf Jahre lang habe man mit dem Projekt „Kochen mit Oma“ an Schulen zudem eine Brücke zwischen jung und alt geschlagen, dafür sei aber eine verlässliche Politik notwendig. „Man möchte nicht isoliert werden, wenn man alt ist.“ Eine Idee, auch der SG-OHV, die mit ihrem Angebot eine Verbindung zwischen alt und jung schaffen und dort Hilfe leisten will, wo staatliche Versorgung eine Lücke lässt.

Von Ulrike Gawande

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