Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Wertvolle Stücke aus der Haftzeit übergeben

Oranienburg Wertvolle Stücke aus der Haftzeit übergeben

Stoffherz, Schachbrett, Kassiber. Jahrzehnte hat die 91-jährige Leonore Bellotti wertvolle Stücke, die sie und andere Gefangene während ihrer Haftzeit im sowjetischen Speziallager anfertigten, aufbewahrt. Jetzt hat sie sie der Gedenkstätte Sachsenhausen übergeben – und von einem schicksalhaften Leben erzählt.

Oranienburg 52.7537284 13.236681
Google Map of 52.7537284,13.236681
Oranienburg Mehr Infos
Nächster Artikel
239 Kinder reisen um die Welt

Aus der Lagerzeit: Leonore Bellotti mit einem Stoffherzen.

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. „Das war eben so damals.“ Der lakonische Satz fällt, als Leonore Bellotti über ihre Haft im sowjetischen Speziallager Nr. 7 in Sachsenhausen redet. „Wir konnte nicht nur rumsitzen und weinen“, sagt die 91-Jährige heute. Das Leben ging weiter. Zum Glück.

Ein Kassiber, ein Schachspiel, ein Stoffherz. Gegenstände, die während des Freiheitsentzugs gefertigt wurden. „Es ist erstaunlich, was die Frauen mit wenigen Mitteln gemacht haben“, so Bellotti, 1925 in Königsberg geboren als Leonore Fink.

1948 floh sie nach Schwerin. An ihrem 21. Geburtstag wurde sie verhaftet. Wegen „antisowjetischer Propaganda und Agitation“ sowie „Verleumdung der Roten Armee“ wurde sie zu fünf Jahren Haft im sowjetischen Speziallager verurteilt – wie ihre Mutter Frieda. Dreieinhalb Jahre durfte sie zu keinem Angehörigen Kontakt haben.

Schicksalhafte Begegnung

Als Schicksal beschreibt sie die Begegnung mit ihrem späteren Ehemann. Eigentlich war der Kontakt zu Männern untersagt, doch Zettel verließen Hände und trafen manchmal in Herzen. Der sowjetische Geheimdienst hatte Giovanni Bellotti verhaftet. Der erste Kuss: im Lager. „Ich fühlte mich gleich verlobt“, sagt Leonore Bellotti. 1951 heiratete das Paar in West-Berlin.

Später musste sie vor Gericht ihre Haftentschädigung erkämpfen. Keine leichte Zeit. Geredet hat sie über ihre Zeit im Lager, aber nicht ständig. „Man hat es ertragen, wir mussten da durch.“ Morgens Graupensuppe, mittags Brot mit Suppe, abends Tee. Jahrelang das gleiche Essen. Keine Privatsphäre.

Wertvolle Stücke für museale Arbeit

Die Stücke, die sie und Mitgefangene im Lager anfertigten, überreichte sie jetzt der Gedenkstätte Sachsenhausen. „Sie sind gerade mit dem Schwinden der Zeitzeugen bedeutend für die museale Arbeit und geben Auskunft über den Alltag in den Lagern“, erklärt Dr. Enrico Heitzer, wissenschaftlichter Mitarbeiter der Gedenkstätte.

„Ich hab’s überlebt“, sagt Leonore Bellotti, „andere haben viel Schlimmeres erlebt.“ 60 000 Menschen wurden in den Baracken des sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen eingesperrt. 12 000 starben an Hunger und Krankheit.

Von Marco Winkler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oranienburg


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg