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Wissenswertes über den Widerstand

Oranienburg Wissenswertes über den Widerstand

Familienmitglieder von Anette von Schlabrendorff und Dr. Axel Smend waren am Attentat vom 20. Juli 1944. Von den Widerstandskämpfern in ihrer Familie berichteten die Nachfahren am Mittwoch im Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum – und riefen auf, für seine Meinung einzustehen.

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Anette von Schlabrendorff, Dr. Axel Smend und Stephan Raabe.

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. „Im Sinne der Gerechtigkeit gibt es nur eins: Nieder mit dem Hitlerregime!“ Diese Worte stammen von Elise Hampel. Mit ihrem Mann Otto kämpfte sie gegen den Nationalsozialismus. In 200 von ihnen verteilten Handzetteln riefen sie zum Widerstand auf. Eine 64-jährige Witwe denunzierte das Ehepaar. Im Oktober 1942 wurde es verhaftet und wegen Hochverrats am 8. April 1943 in Plötzensee mit dem Fallbeil hingerichtet.

Das ist eine von vielen Geschichten, die momentan in der Wanderausstellung „Was konnten sie tun? – Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1938 – 45“ im Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum in Oranienburg nachzulesen ist. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung. So wie ein Gesprächskreis am Mittwochmorgen. Stephan Raabe, Leiter des Politischen Bildungsforums der Stiftung, interviewte Nachfahren von Widerstandskämpfern. „Es geht schnell um Leben und Tod, wenn man sich in einem diktatorischen System gegen den Wind stellt“, griff Raabe das Lied „Gegen den Wind“ auf, das Mendheim-Schüler zuvor sangen.

Die Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung porträtiert Widerstandskämpfer

Die Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung porträtiert Widerstandskämpfer.

Quelle: Winkler

Dr. Axel Smend machte ähnliche Erfahrungen beim Stöbern in der Familienchronik. Sein Vater Günther Smend war beteiligt am bedeutendsten Umsturzversuch des Hitlerregimes – dem Attentat vom 20. Juli 1944. „Er begab sich aus finanziellen Gründen zur Reichswehr, hatte ein Talent zum Offizier“, so Axel Smend. „Vom Gedankengut her war er kein Nazi, mit Hitler selbst hatte er sich wahrscheinlich kaum auseinandergesetzt. Er ist ihm wie viele Deutsche einfach gefolgt.“ Ein Kind seiner Zeit. Der Umbruch kam im Juli 1943, als er im Generalstab des Führerhauptquartiers als Adjutant des Generalstabschefs des Heeres, Kurt Zeitzler, arbeitete. „Da hat er das Unrecht gesehen.“

Viele Projekte im OSZ sind erst durch Spenden möglich

Viele Projekte im OSZ sind erst durch Spenden möglich. Eine weitere (3750 Euro) überreichte Stefan Böhnke (Mitte), Filialleiter der Berliner Volksbank in Oranienburg, an Fred Villbrandt, Vorsitzender des Fördervereins der Schule. Ulrike Neumann, Schulleiterin des beruflichen Gymnasiums, freute sich.

Quelle: Winkler

Stauffenberg, die zentrale Persönlichkeit des militärischen Widerstands, überredete Smend, doch Zeitzler für einen Staatsstreich zu gewinnen. Es misslang. Später wurde Smend Opfer seiner offenen Worte. Mit einer Drahtschlinge wurde er am 30. August 1944 gehängt. „Erst am 1. Oktober erfuhr meine Mutter davon. Der Postbote brachte die Rechnung von 55 Reichsmark für die Vollstreckung.“ Für seine vier Jahre ältere Schwester sei dieser Moment die erste Lebenserinnerung. Deshalb mahnt Axel Smend in seiner These: „Widerstand in einer Diktatur ist in der Regel zu spät.“ Frühzeitig solle jeder für seine Meinung eintreten und den Mund aufmachen. Ob gegen die AfD, Pegida oder Unstimmigkeiten in Schulen und Vereinen.

„Wir müssen immer wieder fragen, um zu verstehen“

Seine Überzeugung verteidigt hat auch Fabian von Schlabrendorff, geboren 1907. Er war wie Günther Smend ein Widerstandskämpfer des 20.  Juli 1944. Unter anderem schmuggelte er eine Sprengstoffbombe (als Cointreau-Box getarnt) in Hitlers Flieger. Doch der Zünder versagte. Später wurde er verhaftet, gefoltert, unter anderem ins KZ Sachsenhausen deportiert. „Durch viele Zufälle hat er überlebt“, so seine Enkelin Anette am Mittwoch im OSZ. 1980 starb ihr Opa, fünf Jahre später kam sie auf die Welt. Seine Geschichte lässt sie bis heute nicht los. „Wir müssen immer wieder fragen, um zu verstehen“, sagt sie.

Von Marco Winkler

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