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Oranienburg Wo die wilden Vögel wohnen
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14:39 16.09.2016
Der Seeadler ist flugfähig, nur das Federkleid ist weist noch Mängel auf. Quelle: Marco Winkler
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Himmelpfort

Er hat sie alle kommen und gehen sehen; Besucher und Tiere gleichermaßen beäugt, ohne Angst und Scheu. Zu befürchten hat er nichts. Denn das Uhu-Männchen sitzt im Käfig, in freier Wildbahn könnte es nicht mehr überleben. „Es ist auf Menschen geprägt“, erzählt Paul Sömmer. Er ist Leiter der Naturschutzstation Woblitz in Himmelpfort. Der Uhu ist seit über 20 Jahren dort. „Er wurde 1985 geboren und illegal gehalten.“ Mit der Hand aufgezogen, komplett fehlgeprägt. Er ist nicht der einzige Bewohner in Woblitz.

Seit 1990 arbeitet der in Menz wohnhafte Paul Sömmer in der Naturschutzstation, die sich vornehmlich um verletzte Greifvögel kümmert. Die Immobilie mitten im Wald an der Woblitz gehört dem Land, wird aber von der Forst verwaltet und vom Verein Aquila genutzt. Dieser hat sich vor 20 Jahren gegründet und dem Greifvogel- und Eulenschutz verpflichtet. „Er springt für das Landesumweltamt ein, wo dieses nicht mehr in der Pflicht ist“, erklärt Paul Sömmer.

Idyllisch ist die Naturschutzstation an der Woblitz gelegen. Quelle: Winkler

Er ist für alle und alles zuständig. Ehrenamtlich im Verein und fest angestellt beim Landesumweltamt. Sein Aufgabenbereich: Greifvögel. Damit steht er in Woblitz alleine da. „Wir waren einmal vier fest angestellte Mitarbeiter hier.“ Plus Zivildienstleistende und Teilnehmer am Freiwilligen Ökologischen Jahr. Jetzt ist Paul Sömmer „der letzte Mohikaner“, wie er sagt. Woran liegt das? „Es fehlt an Geld, überall wird gestrichen.“ Auch im Tierschutz, da hat er sich noch nie Illusionen gemacht.

Der jüngste „Patient“ von Paul Sömmer ist ein Wanderfalke. Er wurde in Groß Dölln gefunden – mit gebrochenem Flügel. „Eine alte Verletzung, die noch nicht ganz verheilt ist.“ Ebenfalls noch nicht bereit, ausgewildert zu werden, ist ein Sperberweibchen mit kaputter Schulter. „Es ist wohl gegen eine Fensterscheibe geflogen.“ Daneben im Käfig: Zwei Habichte. Im großen Gehege: ein imposanter Seeadler, dessen Federkleid noch nicht ganz wiederhergestellt ist. Fliegen kann er, aber noch ist die Auswilderung zu riskant.

Das Sperberweibchen hat eine kaputte Schulter. Quelle: Winkler

Eine „Krankenstation“ weiter: Ein Storch. Er humpelt. Das Storchenjahr war kein gutes, vor allem in Neulögow nicht. „Es gab dort zwei Junge, eines ist ausgeflogen und zwei Tage später auf einem Plattenweg in der Nähe gefunden worden.“ Diagnose: Brustbein gebrochen, rechter Oberschenkelkopf abgerissen. Er fliegt, hat aber große Mühe, zu laufen. „So kann er nicht gen Süden fliegen.“

Wenn alles gut geht, rappelt er sich in den nächsten Tagen noch auf. Wenn nicht, gibt es eine Alternative;„In Falkenthal werden gerade zwei Störche verarztet, die einfach nicht wegfliegen wollen“, erzählt der 59-jährige Sömmer. „Wenn sich unser verletzter Storch nicht rechtzeitig erholt, kommt er dahin und wird den Winter über durchgefüttert.“

Rund um die Station gibt es noch andere Tiere. Quelle: Winkler

Doch Paul Sömmer ist nicht nur Tierpfleger, er hat weitreichendere Aufgaben. Er hält engen Kontakt mit Forst, Land und Energieversorgern, um das Leben für Greifvögel zu sichern und vor allem sicherer zu gestalten. „Von Mecklenburg-Vorpommern bis Velten soll bald ein Internetkabel verlegt werden“, berichtet er. „Da es mitten durch den Wald geht und Fischadler betroffen sind, schaue ich, dass die Bauarbeiten nicht in die Brutzeit fallen.“ Er war auch für den Tierschutz zuständig, als auf einem Schornstein des Hennigsdorfer Stahlwerks ein Wanderfalke brütete – bei laufendem Betrieb musste ein benachbarter Schornstein saniert werden.

„Die drei Jungen sind zum Glück ausgeflogen.“ Gerade mit den Energieversorgern pflegt er einen guten Umgang. Vor 20 Jahren starben die meisten Vögel noch durch Stromschläge, wenn sie gegen freistehende Telefonleitungen flogen. „Wir haben gute Lösungen gefunden, gerade die Energieversorger in Gransee und Prenzlau sind allen anderen weit voraus, was den Greifvogelschutz angeht.“ Eine Möglichkeit: Stellen, an denen Vögel Starkstrom auslösen könnten, abdecken – mit roten Kappen. Das funktioniert gut.

Ein Schild weist von der Flussseite aus auf die Station hin. Quelle: Winkler

Andere Vögel werden durch Windräder, die immer häufiger werden in Brandenburgs Landschaft, verletzt, oft lebensbedrohlich. Oder von Autos angefahren,´ Sie fliegen gegen Fensterscheiben, werden durch bleihaltige Munition in Aas vergiftet, stoßen mit Zügen zusammen.

Paul Sömmer erfasst sämtliche Todesarten, darunter auch illegale Nachstellung: „Es gibt Menschen, die schießen geschützte Greifvögel.“ Vielleicht zum Spaß. Machtgeilheit. Teils aber auch für Präparatoren. „Das ist wirklich nicht selten, dass in Tierpräparaten Schrotkugeln gefunden werden.“ In etwas 30 Prozent aller „ausgestopften Tiere“ sei das nachzuweisen.

Tierschutzverein Aquila

Aquila ist ein gemeinnütziger Verein, der den Tierschutz, vor allem von Greifvögeln und Eulen, fördern will. 1996 wurde er als Förderverein extra für die Station Woblitz gegründet.

76 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Vorstandsvorsitzender ist der gelernte Zootierpfleger Karsten Matschei. Die Naturschutzstation in Woblitz wird vom Land Brandeburg und durch Spenden finanziert.

Regelmäßig kommen auch Besucher vorbei. Paul Sömmer empfängt sie. Hat aber auch seinen Tagesrhythmus. Er bittet deshalb um eine vorherige Absprache und Anmeldung unter der Tel. 033089/412 04.

Für Unterstützer des Vereins wurde ein Spendenkonto eingerichtet: Verein Aquila, IBAN: DE28 100 100 10 0227 9061 07, BIC: PBNKDEFF. Mehr Informationen unter www.aquila-ev.de.

Von Marco Winkler

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