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Oberhavel Oranienburger liebt es auf die harte Tour
Lokales Oberhavel Oranienburger liebt es auf die harte Tour
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20:49 19.04.2015
Sieht ziemlich entspannt aus, war es aber nicht immer: Radtour über den Vergara-Pass in Argentinien. Quelle: Torsten Weigel
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Oranienburg

Heimweh? Torsten Weigel schüttelt den Kopf. „Gab’s eigentlich nicht“, sagt der 26-jährige Oranienburger. Fünfeinhalb Monate war er unterhalb des südlichen Wendekreises unterwegs: Namibia. Südafrika. Lesotho. Australien. Chile. Argentinien.

Gut ein Jahr lang plante er intensiv seine Tour, im Internet konnte ihn jeder dabei begleiten. Er schrieb, fotografierte, filmte und stellte alles ins Netz. „Ich war sehr neugierig, ob und wie das funktioniert“, erzählt er. „Ich habe gutes Feedback bekommen, und es war eine schöne Gewissheit zu wissen: Die Leute sind dabei.“

In 88 Blogeinträgen kann die Reise auf WeigelonTour.com nachverfolgt werden. „Meine Leitlinien waren körperliche Extreme und der Kontakt mit den Menschen vor Ort.“ Beides habe sehr gut funktioniert. Ein Extrem: die Hitze. In Westaustralien herrschten schon mal 47 Grad. „Eine scharfe Luft, kaum beschreibbar. Über 40 Grad tut jeder Grad mehr richtig weh.“

Er hat viel erlebt: die endlose Weite der namibischen Wüsten, eine Kletteraktion auf der Spitzkoppe. In Südafrika musste er mit dem Geländewagen rückwärts den Sanipass rauffahren. „Vorwärts kamen wir nicht hoch.“ Das Video davon brachte die meisten Klicks im Internet.

Torsten Weigel bei den Teleskopen des Atacama Large Millimeter Array (Alma) auf der Hochebene des Llano de Chajnantor in Chile. Quelle: Torsten Weigel

In Westaustralien, auf den langen, sehr langen Autofahrten, war dann Zeit, nachzudenken. „Viel fahren, viel schwitzen, viel denken über Gott und die Welt.“ Schneller als Tempo 80 konnte er nicht fahren, sein Auto verbrauchte viel Benzin und Tankstellen gab es nur wenige. „Zwischendurch kommt sieben Stunden lang einfach mal nichts.“

Weihnachten verbrachte er in Sydney. „Es war anders, aber auch schön.“ Das Fest feierte er am Strand mit einer Gruppe Kanadier, die er dort kennengelernt hatte. „Erstaunlicherweise hatte ich auch da kaum Heimweh.“

In Tasmanien hat er sich regelrecht verliebt. „Das ist ein Fleck, der mich sehr fasziniert hat“, sagt er. Herzliche Menschen, eine atemberaubende Natur. Er nahm an einer Seekajak-Expedition in den unerschlossenen Südwestenteil. Auch Patagonien hat es ihm angetan. Die Landschaft in Chile habe ihn gefangen genommen.

Die Abschlussradtour führte ihn 1500 Kilometer lang vom Pazifik zum Atlantik. „Das ist nicht sehr viel, aber die Straßenverhältnisse sind oft schlecht.“Wenn plötzlich die Nationalstraße zum Schotterweg wird, kann das für Radler ganz schön anstrengend sein. Auch viele Städte hat er gesehen. Viel Zeit hatte er für sie aber nicht. „Das ist wirklich schade, aber die Städte waren meine Volltankpunkte.“ Zeit zum Schreiben, Fotos sortieren und zum Organisieren. „Das ist der Preis dafür, dass es kein Urlaub war, sondern ein Projekt.“ So schrieb er auch mehrere Artikel für „National Geographic“ über seine Tour.

Toll seien die vielen Begegnungen mit den Menschen gewesen: „Auf der Radtour sind wir oft angesprochen worden.“ Die Leute auf dem Land seien meist herzlicher gewesen als die in den Städten. „Wenn wir über einen Pass fuhren, dann hupten die Autos schon mal, und ich wurde angefeuert.“

Zwei Wochen ist er nun schon wieder zu Hause. Bald will er Vorträge über seine Tour halten, vielleicht wird es auch ein Buch dazu geben – und ganz sicher bald eine neue Tour. „Es könnte ein Bergprojekt irgendwo im östlichen Raum werden“, sagt Torsten Weigel. Er kann sich vorstellen, einen 7000er-Berg zu besteigen, vielleicht im Tian-Shan-Gebirge. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Nun wird er erst mal versuchen, als Reise- und Wissenschaftsjournalist Fuß zu fassen.

Mehr Infos gibt es auf www.weigelontour.com

Von Robert Tiesler

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