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Oranienburgs Bürgermeister zieht schon Bilanz

Interview mit Hans-Joachim Laesicke (SPD) Oranienburgs Bürgermeister zieht schon Bilanz

Hans-Joachim Laesicke (SPD) ist noch bis Anfang 2018 der Bürgermeister von Oranienburg (Oberhavel). Dann – nach 24 Jahren – verabschiedet er sich aus dem Amt und wird nicht noch einmal dafür kandidieren. Im Interview spricht er über interessante Begegnungen, wichtige Entscheidungen und auch über Enttäuschungen.

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Ein Urlaubsfoto von Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, der im September nicht mehr kandidieren wird.

Quelle: privat

Oranienburg. Bis Anfang 2018 ist Hans-Joachim Laesicke in Amt und Würden. Auf den Wahlkampf seiner potenziellen acht Nachfolger kann er mit einer Portion Gelassenheit schauen. Und hat schon Zeit für einen kleinen Rückblick.

Welches waren die für Sie bedeutendsten Menschen, die Sie in Ihrer Amtszeit kennengelernt haben?

Professor Blumenthal ist dabei unangefochten die Nr. 1. Dieser blitzgescheite und empathische Weltbürger, der nach dem 2. Weltkrieg aus der Emigration als Flüchtling mit leeren Taschen, aber voller Zuversicht in die USA kam und es bis zum amerikanischen Finanzminister brachte, ist für mich die beeindruckendste Persönlichkeit, die ich je getroffen habe. Sich mit ihm und anderen Geistesgrößen unterhalten zu dürfen, empfinde ich als das einzig wirkliche Bürgermeisterprivileg.

Sind daraus auch private Freundschaften erwachsen?

Trotz herzlicher Kontakte, die ich auch über das Bürgermeisteramt hin­aus pflege, stammen meine engen Freunde aus anderen Lebensphasen: der Schulzeit, dem Studium oder haben sich aus Oranienburger Bekanntschaften entwickelt.

An welches Schriftstück, das Sie als Bürgermeister unterzeichnet haben, erinnern Sie sich noch besonders?

Als sich die Einwohner von sieben Umlandgemeinden mit großer Mehrheit in Bürgerentscheiden 2003 für Eingemeindungen ausgesprochen hatten, war der Abschluss entsprechender Eingemeindungsverträge notwendig. Diese Verträge besaßen sicher die größte Tragweite sowohl für Oranienburg und Sachsenhausen als auch für die neuen Ortsteile. Inzwischen konnten dort viele der damaligen Defizite, von der Abwassererschließung über die Ausstattung der Feuerwehr bis hin zu Verbesserungen bei Kindereinrichtungen, beseitigt werden.

An welcher Enttäuschung haben Sie vielleicht bis heute zu knabbern?

Die beste und erfolgreichste Zeit war nach meiner Überzeugung zwischen den Jahren 2000 und 2009. In diesen Jahren konnten wichtige Weichen in der Stadtentwicklung gestellt werden, weil ich mit meinen beiden Stellvertretern eine unschlagbare Troika bildete. Mit Engagement und harmonischer Geschlossenheit haben wir das gemeinsame Ziel verfolgt, Oranienburg nach vorne zu bringen. Als in den folgenden Jahren durch das Verfolgen eigener Interessen die Einheitlichkeit der Verwaltung hintertrieben wurde, war das ebenso ärgerlich wie enttäuschend.

Welches waren die politisch wichtigsten Entscheidungen für Sie?

Mit meinem kurz entschlossenen Beschlussvorschlag, dass sich die Stadt zur Neugestaltung des Schlossumfeldes um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2009 bewerben sollte, habe ich die Stadtverordnetenversammlung in einen Entscheidungszwang gebracht, der manchen damals nicht gefallen hat. Das Ergebnis hat sich aber längst als segensreich erwiesen, weil dadurch Oranienburg zu einem Entwicklungsschub verholfen wurde, von dem die Stadt bis heute profitiert.

Geht man nach einem Disput gemeinsam ein Bier trinken?  Wie trennt man Politik und Privates am besten?

Für die beste Lösung eines Problems zu streiten, hat bei mir nie zu Verstimmungen geführt. Ärgerlich ist es nur, wenn eine Übereinstimmung der Ansichten und Ziele vorgetäuscht wird, tatsächlich aber heimlich dagegen gearbeitet wird. So etwas gibt es aber nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern überall. Deshalb trinke ich gerne auch mal gemeinsam ein Bier mit Leuten, die es ehrlich mit mir meinen und mit denen es ein Vergnügen ist, auch mal zu streiten.

Wie viele Geschenke gab es von anderen Amtsinhabern oder Städtepartnern. Würden Sie gern etwas zur Erinnerung behalten?

Fotos, Grafiken, Bildbände, Wappenteller, Vasen, Tassen oder Erinnerungsplaketten sind häufig Geschenke von Gästen der Stadt. Das meiste, das sich an die Wand hängen lässt, schmückt Flure und Büros. Ein paar Fotos und das, was ich im Kopf und im Herzen trage, reichen mir als Erinnerung völlig aus.

Schreiben Sie Ihre Reden alle selbst?

Keiner kennt meine Botschaften und meinen Stil besser als ich. Deshalb war es für mich keine Option, Reden, die andere geschrieben haben, vorzutragen.

Wie viele Anzüge verschleißt man in 24 Jahren?

Darauf, dass ich Anzüge und Kombinationen nicht bis zum Verschleiß trage, achtet meine Frau, weil sie meint, das würde sonst nicht auf mich, sondern auf sie zurückfallen. In den 27 Jahren vom stellvertretenden Bürgermeister und Kämmerer bis heute hat sich nicht nur die Mode geändert, sondern aus dem schlaksigen 36-Jährigen ist ein etwas beleibter älterer Herr geworden. Dem muss man sich auch mit seiner Kleidung stellen.

Wen würden Sie als ihre „rechte Hand“ bezeichnen?

Mit meiner geschätzten Sekretärin Silvia Schneider verbindet mich ein ganz enges Vertrauensverhältnis. Sie weiß, wie ich ticke, teilt mein Selbstverständnis als Bürgermeister und ärgert sich über dieselben Sachen wie ich. Sie ist seit fast 20 Jahren meine wichtigste Partnerin in der Verwaltung.

Von Heike Bergt

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