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Ordnungsamt lässt auf Wildschweine schießen

Hennigsdorf Ordnungsamt lässt auf Wildschweine schießen

Mitte Mai wurde in der Nacht eine Bache nahe des Konradsberges erschossen. Zunächst ermittelte die Polizei wegen Jagdwilderei. Doch nun räumt die Stadtverwaltung ein, dass die Jäger in ihrem Auftrag gehandelt haben. Diese wiederum hatten das Ordnungsamt über den Abschuss nicht informiert.

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Eine Bache, die gegenüber vom Waldfriedhof gestanden hatte, wurde von einem Jäger erschossen.

Quelle: Foto: prochym - Fotolia

Hennigsdorf. An einem Mittwochabend Mitte Mai schepperten Schüsse durch das Wohngebiet nahe des Konradsbergs. Ein Jäger hatte im Auftrag der Stadt auf eine Bache geschossen, das Tier war sofort tot. Es soll etwas abseits einer Rotte von 30 bis 40 Wildschweinen gestanden haben. „Ärgerlich war natürlich, dass nicht daran gedacht wurde, dann auch die Verwaltung zu informieren“, sagt Volker Riemann, der Leiter des Hennigsdorfer Ordnungsamtes.

Dadurch wurde die Geschichte erst richtig kurios. Die MAZ zitierte in einem Beitrag über den Vorfall Zeugen, die die Schüsse gehört und beobachtet hatten, wie das tote Tier in ein Auto geladen wurde. Und weil sowohl das Hennigsdorfer Ordnungsamt, die Kreisverwaltung, die Pressestelle der Polizeidirektion Nord und auch Bernd Erdmann, der zuständige Revierleiter vom Forstamt, nichts von der nächtlichen Jagd wussten, ermittelte sogar die Polizei wochenlang wegen Jagdwilderei. Es wurde angenommen, dass jemand illegal im Hennigsdorfer Stadtgebiet auf Wildschweinjagd gegangen war.

Diesen Verdacht räumt Volker Riemann im Gespräch mit der MAZ reumütig aus. Warum das erst jetzt der Fall ist, ließ er aber offen. „Es sind zwei Mitglieder der Jadgenossenschaft für uns im Stadtgebiet unterwegs, die bei Gefahrensituationen so handeln müssen“, erklärt Riemann. Dabei sei es aber eine große Ausnahme, dass im Stadtgebiet geschossen werde. Schon wegen der Gefahr, dass getroffene Tiere vor Schmerzen durchdrehen und wie wild durch die Gegend laufen können – nicht zuletzt eine Gefahr für Passanten.

An diesem besagten Abend am Konradsberg habe es aber mit Sicherheit eine Situation gegeben, die die Schüsse gerechtfertigt hätten, erklärt Riemann, ohne ins Detail gehen zu wollen. „Wo beginnt die Gefahr, wo hört sie auf? Eine Masse von 40 Wildschweinen an der Straße vor dem Friedhof kann man schon als Gefahr definieren.“ Eine Gefahr für Menschen habe bei der nächtlichen Jagd aber auf keinen Fall bestanden, weil das Gebiet gegenüber vom Waldfriedhof nicht bebaut sei. „Gerade unsere Stadtjäger sind auch sehr verantwortungsbewusst. Die machen keinen Mist.“ Und Riemann stellt auch klar, dass solche Aktionen die absolute Ausnahme bleiben sollen. „Wir sind ja hier nicht im Wilden Westen“, so der Ordnungsamtschef.

Dabei hat Hennigsdorf weiterhin ein Problem mit den Wildschweinen. Die Rotte von 30 bis 40 Tieren ist vor allem Am Eichenhain und am Waldgebiet am Sportkomplex Süd sowie an allen angrenzenden Straßen unterwegs und wühlt sich dort durch die Grünflächen. Ursache für die rasche Vermehrung sind unter anderem die vergangenen drei milden Winter gewesen, die Schweine würden sich dann eher zweimal als nur einmal im Jahr paaren. Was wiederum heißt, dass eine Bache bis zu zehn Junge jährlich auf die Welt bringt.

In den Wäldern vor den Toren der Stadt haben der zuständige Revierleiter Bernd Erdmann vom Forstamt und ein Dutzend Jäger seit Anfang Mai bei mehreren Einsätzen rund 20 junge Wildschweine geschossen, die aber nicht jünger als ein Jahr sein dürfen. Es seien in der Gegend um Hennigsdorf aber noch immer definitiv zu viele Wildschweine unterwegs, und weit mehr als die 40 aus dem Stadtgebiet. Eher rede man von einer niedrigen dreistelligen Zahl. „Wir schießen sie, damit es nicht zu viele werden und die Tiere dann nicht wieder in Städten und Kommunen nach Nahrung suchen“, erklärt der Revierleiter.

Geschossen haben er und die anderen Jäger Tiere zwischen 15 und 50 Kilogramm, die die Jäger dann auch vermarkten können. Man schieße ja nichts für die Tonne. Ziel sei es, bis Ende März 2018 insgesamt 65 Wildschweine zu erlegen, rund 45 Tiere müssten also noch getötet werden. Die Zahl könne sich aber je nach Situation nach oben oder unten ändern, erklärt der Fachmann. Auf jeden Fall schweigen die Gewehre von Erdmann und Co. in diesen Wochen, die Wälder sind einfach zu dicht bewachsen. Erst im September wollen sie wieder jagen.

Von Marco Paetzel

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