Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Pädagoge und Piper
Lokales Oberhavel Pädagoge und Piper
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:16 19.10.2017
Holger Mittelstädt mit seinem Dudelsack. Diesen zu spielen, lernte er von einem waschechten „Pipe Major“. Quelle: Helge Treichel
Hohen Neuendorf

Manchmal ist es sehr nützlich, wenn der Schulleiter Dudelsack spielt. Zum Beispiel beim Einmarsch der Schulmannschaft zum Landesfinale im Zweifelderball. Das ist eindrucksvoll und hat schon Tradition, sagt Holger Mittelstädt. Der 47-Jährige ist dieser Schulleiter. Seine Wirkungsstätte ist seit zehn Jahren die Waldgrundschule in Hohen Neuendorf. Und der Dudelsack ist seit 35 Jahren sein Instrument.

„Ich hatte keine Lust auf Blockflöte oder Geige“, sagt Mittelstädt, der im Westteil Berlins aufwuchs. Erst kaufte er sich ein paar Schallplatten, dann über eine Zeitungsanzeige einen Dudelsack – für 800 DM. Unterricht nahm er von 1982 bis zum Truppenabzug 1990 bei einem schottischen „Pipe Major“ in der Kaserne der britischen Alliierten in Berlin-Spandau. Er spielte bereits zwei Jahre, als eines Nachts Militärpolizei vor dem Elternhaus stand: Bei seinem Instrument handelte es sich um einen Regimentsdudelsack, der gestohlen und an ihn verkauft worden war. Ein eindringliches Erlebnis für den damals 14-Jährigen.

Irgendwann kam eine Dudelsackpause: Studium, Berufseinstieg und Familie. Erst seit zehn Jahren betätigt sich Holger Mittelstädt wieder als Piper, bei den „Berlin Thistle Pipes and Drums“. Sein Instrument ist eine Great Highland Bagpipe im Wert von rund 6000 Euro. Weniger laut und in Gebäuden angenehmer klingt seine „Small Pipe“. Geprobt wird wieder wöchentlich, gespielt bei Festivals, Veranstaltungen und Wettbewerben. Oder eben zu Schulveranstaltungen oder im Musikunterricht. Deutsch- und Musiklehrer Mittelstädt behandelt auch den Dudelsack im Unterricht. Dass er Lehrer werden wollte, verdankt er seinen sehr guten eigenen Musiklehrern, erzählt er. Seine erste Stelle nach Studium und Referendariat trat er übrigens in Birkenwerder an. Es folgten Anstellungen in Wiesbaden und an einem Berliner Gymnasium. Wegen der beiden Söhne war die Familie in die Hauptstadt zurückgekommen – und wegen der Großeltern dort.

Anschauungsmaterial im Büro des Schulleiters. Quelle: Helge Treichel

Zu Hause waren Mittelstädts bereits seit dem Jahr 2000 in Hohen Neuendorf. Als Elternteil kannte Holger Mittelstädt die Waldgrundschule schon, bevor er selbst dort anfing. Die Motivation für die Bewerbung? „Ich bin jemand, der gerne gestaltet.“ Naja, und dann hatte die Schule ja bereits einen guten Ruf. Besonders stolz sei er deshalb auch auf seine Kollegen. „Das ist der größte Schatz.“ Sie hätten mitgezogen bei der Sportorientierung der Schule. Gemeinsam wolle man nun einen Schritt weiter gehen, um künftig auch musisch-ästhetische Begabungen stärker zu fördern.

Holger Mittelstädt ist jemand, der sich auf jeden neuen Tag freut, wie er sagt. Ein Grund dafür sind vielfältige Interessen. Er engagiert sich als Kommunalpolitiker, wobei ihm der Begriff „Kommunalgestalter“ besser gefällt. Denn genau darum gehe es.

Der Schulleiter und sein Werk: Ganz links ist auch die chinesische Ausgabe seiner 99 Tipps für die Unterrichtsvorbereitung zu sehen. Quelle: Helge Treichel

Der 47-Jährige schreibt darüber hinaus Bücher im pädagogischen Bereich. 20 Stück sind es inzwischen. Unter anderem ist er Herausgeber eine Buchreihe für Schulleiter. Andere befassen sich mit dem Musikbereich. Seine 99 Tipps für die Unterrichtsvorbereitung sind sogar in China erschienen. Dort gehöre dieses Büchlein zu den meistverkauften pädagogischen Fachbüchern, habe ihm eine Kollegin versichert. Zum Beweis brachte sie ihm ein Exemplar mit. Lesen freilich kann der Autor diese Version nicht.

Darüber hinaus ist Mittelstädt als Lehrbeauftragter der pädagogischen Hochschule Weingarten am Bodensee tätig. Einmal pro Jahr hält er dort an einem verlängerten Wochenende Vorlesungen. Sein Studiengang: Bildungsmanagement. „Ich gestalte auch Schulleiterfortbildungen“, sagt der Wahl-Hohen Neuendorfer. Im Februar wird er dafür vier Tage in Süd-Tirol verbringen.

Wanddeko. Quelle: Helge Treichel

Als würde all das noch nicht genügen, engagiert sich Holger Mittelstädt als regelmäßiger Kirchgänger auch für seine Kirchengemeinde. „Als Christ hat man eine Verantwortung für seine Mitmenschen im humanistischen Sinne“, sagt er. Er spiele die Orgel und sei als Chorleiter in Berlin tätig. „Es ist mir auch wichtig, beim Weihnachtsbasar mitzumachen.“ Da spielt er zum Beispiel gemeinsam mit seinen Freunden auf dem Dudelsack, um Spenden zu sammeln.

Einer der Freunde betreibt in der Altmark die Diesdorfer Mosterei und Brennerei. Zusammen mit seiner Frau, welche die Aquarelle beisteuert, gestaltet er die Etiketten – für Obstsäfte, Korn, Rum, Gin und Absinth. „Diese Zusammenarbeit macht einfach Spaß.“ In den bevorstehenden Herbstferien steht das Abfüllen des eigenen Altmärker Whiskys an, nachdem dieser drei Jahre im Eichenfass gereift war – natürlich Single Malt. Für die Freunde werden wohl je 30 Flaschen herausspringen. „Schöne Geschenke für Weihnachten“, so Mittelstädt.

Derzeit hat die Waldgrundschule eine sportliche Orientierung (Mobile im Zimmer des Chefs). Quelle: Helge Treichel

Der Mann kocht und verreist auch gerne. Während die Frau Vor- und Nachspeise zubereitet, kümmert er sich um den Braten. Die Lieblingsreiseziele: USA, Schweiz und natürlich Schottland. „Ich habe mir vorgenommen, nicht bis zur Rente zu warten, um meine Wünsche zu erfüllen“, sagt er.

Kommt so einer überhaupt mal zur Ruhe? Abends würden schon noch mal Mails beantwortet, gibt er zu. Aber Entspannung sei für ihn, am Kamin zu sitzen, ins Feuer zu schauen und dazu vielleicht einen edlen Tropfen zu genießen. Abends gehe er oft bereits mit einer guten Erwartung ins Bett: „Morgen wird ein spannender Tag.“

Dieses New-York-Aquarell seiner Frau hängt seit Jahren im Büro von Holger Mittelstädt. Er liebt die Stadt und das Land – trotz Trump. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

Mit Plakaten und einem offenen Brief kritisierten Mitglieder und Unterstützer von Willkommensinitiativen die Abschiebepraxis des Landkreises. Während der Sitzung des Kreistages wurden mehrere Fälle geschildert und der Landrat um eine Stellungnahme dazu gebeten.

19.10.2017

Ein vermisster Senior in der Wäschekammer, ein beschädigter Milchtanker, ein unschöner Streit um ein Beziehungsende – das und noch mehr gibt es in den aktuellen Meldungen der Polizei aus dem Landkreis Oberhavel vom 19. Oktober im Überblick.

19.10.2017

Kürzlich berichteten wir darüber, dass die Bahnhofstraße in Schwante nach 20 Uhr zappenduster ist. Auf dem Netto-Parkplatz gehen nach Geschäftsschluss die Lampen aus, andere Straßenlaternen gibt es zwischen Kreisel und Kita nicht. Ortsvorsteher Dirk Jöhling nennt eine Alternative.

19.10.2017