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Panik vor dem Müllberg

Neuendorf Panik vor dem Müllberg

582 000 Kubikmeter – das ist die Zahl, die den Einwohnern und allen, die mit Neuendorf, dem Ortsteil des Löwenberger Landes, verbunden sind, Angst macht. In dieser Größenordnung soll Bauschutt der Klasse 1 in der Grube am Ortsrand eingelagert werden. Der erste Bauabschnitt ist nach Wissen der Gemeinde für 2019 geplant.

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Ernste Gesichter in Neuendorf: Mitglieder der Bürgerinitiative und des Ortsbeirats erklärten Politikern am Freitag die Lage.

Quelle: Uwe Halling

Neuendorf. „Ich will das Ding hier nicht haben“, sagte Gerrit Große, Landtagsabgeordnete der Linken, am Freitag in Neuendorf und brachte auf den Punkt, was Bürger und Kommunalpolitiker von den Plänen der Firma Flechtingen halten, aus der Kiesgrube am Ortsrand eine Deponie für Bauschutt machen zu wollen. 582 000 Kubikmeter – das ist die Zahl, die den Einwohnern und allen, die mit dem Ortsteil des Löwenberger Landes verbunden sind, Angst macht. In dieser Größenordnung soll Bauschutt der Klasse 1 in der Grube am Ortsrand eingelagert werden. Der erste Bauabschnitt ist nach Wissen der Gemeinde für 2019 geplant. Innerhalb von fünfeinhalb Jahren sollen zunächst 162 000 Kubikmeter verfüllt werden.

Voraussetzung dafür wäre, dass die Kiesgrube aus dem Bergbaurecht entlassen würde und das Unternehmen alle Genehmigungen nach dem Deponierecht erlangen kann, erläuterte Gemeindebürgermeister Bernd-Christian Schneck. Seit Bekanntwerden der Pläne schlagen die Wellen in Neuendorf hoch. „In schnellen Zügen“, sagte Ortsvorsteher Werner Schulz, wurde eine Bürgerinitiative gegründet und eine offizielle Stellungnahme abgegeben. Wie die ausgefallen ist, können Besucher des Dorfes auf den Transparenten in den Straßen lesen: „Nicht mit uns“, steht da unter anderem geschrieben.

Vor Politikern von der Kreis- bis zur Bundesebene fasste Peter Hofmann, Sprecher der BI, bei einem Vor-Ort-Termin die für die Neuendorfer beunruhigenden Fakten zusammen. Seit zehn Jahren sei die Kiesgrube praktisch stillgelegt. Die Betriebstätigkeit wurde auf ein Minimum reduziert. Nun möchte Flechtingen wieder Material abbauen und somit Raum für den Bauschutt schaffen.

Neben der Abholzung von Wald wäre der Bau einer acht Meter breiten Zufahrt erforderlich. Käme die Deponie, würden nach Berechnungen der BI, mindestens acht bis zehn Lkw pro Tag von und nach Neuendorf rollen. Der fertige Deponieberg soll nach den Plänen der Firma in einigen Jahrzehnten mit der Baumkrone abschließen – das wäre in etwa 70 Metern Höhe. Diese Wand würde laut BI Fallwinde nach sich ziehen und permanent Staub in den Ort tragen. Zudem stünde zu befürchten, dass sich die Zuflüsse der Plötze unter der Last des Abfallberges andere Wege suchten und das Wasserregime im Ort dadurch durcheinander gerät. Auch der geringe Abstand zur Ortsbebauung – rund 30 Meter bis zur Deponiekante – entspräche nicht der gesetzlichen Mindestanforderung.

Wie der Landtagsabgeordnete Thomas Günther (SPD) nach Rücksprache mit dem Landesumwelt sagte, gebe es bislang noch keinen Antrag auf ein Planfeststellungsverfahren für das Vorhaben. Ziel der BI ist es, genau dieses Verfahren zu verhindern. „Es sind empirische Werte aus Brandenburg, dass die Mehrzahl der bisherigen Planfeststellungsverfahren positiv beschieden wurde. Deshalb möchten wir, dass erst gar keines aufgenommen wird. Denn dann haben wir nur noch wenige Chancen“, so Peter Hofmann. An dieser Stelle hoffen die Einwohner auf die Unterstützung der Politik. Sämtliche Fraktionen von Kreis bis Bund wurden angeschrieben, um eine möglichst große Allianz zu schmieden.

Bürgermeister Bernd-Christian Schneck sagte, die Neuendorfer seien „doppelt gefährdet“. Zum einen gebe es die Deponiepläne, zum anderen ein ausgewiesenes Windeignungsgebiet nahe des Dorfes. „Neuendorfer ist ein wunderschöner Ort, einer der schönsten im Löwenberger Land“, so der Bürgermeister. Die Deponie widerspräche dem Flächennutzungsplan sowie dem Landschaftsplan für Neuendorf und auch dem Willen der Gemeinde, betonte Schneck. Auf behördlicher Seite gibt es ein geteiltes Echo. Landesbetrieb Forst und Naturschutzverbände haben erste Einwände gegen das Vorhaben formuliert. Andere Behörden wie etwa der Landkreis hätten nach den Protokollen keine Bedenken geäußert.

„An welchen Stellschrauben können wir drehen, um das zu verhindern?“, fragte Gerrit Große. Auf diese Fragen wollen BI und Politik in den kommenden Wochen eine Antwort finden.

Von Cindy Lüderitz

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