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Unterwegs mit einem „gelben Engel“

Pannenhelfer Thomas Bregulla hilft Autofahrern in Not Unterwegs mit einem „gelben Engel“

Thomas Bregulla ist einer von 43 ADAC-Männern, die schon vor 25 Jahren Pannenhilfe auf DDR-Gebiet leisteten. Bregulla – gelernter KfZ-Mechaniker – wurde geschult und musste in einer mündlichen Prüfung zeigen, dass er sich mit der Technik der West-Autos auskennt. Im Laufe der Jahre hat Thomas Bregulla tausenden Autofahren geholfen, auch Promis.

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Thomas Bregulla am Opel Corsa einer Rentnerin. Das Kühlwasser war alle, ein Sensor kaputt.

Quelle: Foto: Marco Paetzel

Oberhavel. Fünf Minuten noch bis zum ersten Einsatz. Thomas Bregulla tippt auf seinem Bordcomputer herum, wählt die Nummer der Kundin. „Wir rufen immer an, kurz bevor wir ankommen. Das beruhigt die Leute“, sagt der 59-Jährige. Die Dame am anderen Ende der Leitung klingt erleichtert, dass der ADAC-Mann gleich da ist. Sie wartet seit einer halben Stunde. „Zwei Leute haben mein Auto auf den Gehweg geschoben“, sagt sie .

Dann hat das Bord-Navi Bregulla zum Einsatzort geführt. Der blaue Nissan Micra steht am Rand der Ruppiner Chaussee in Hennigsdorf, er ist einfach ausgegangen. Die Fahrerin steht mit verschränkten Armen neben ihrem Auto und tippelt mit den Füßen. „Da hat vor zwei Wochen auf der Autobahn schon mal eine Leuchte geblinkt, aber dann ging es wieder“, sagt die Frau, die eigentlich zur Arbeit nach Berlin muss. Thomas Bregulla nickt verständnisvoll, dann lupft er die Motorhaube und versucht es mit Starthilfe-Spray. Der Kleinwagen knurrt nur bockig, anspringen will er nicht. „Ich hab’ da so einen Verdacht“, sagt der ADAC-Mann.

„Ich habs“

Er holt einen Laptop aus seinem gelben Dienstwagen und stöpselt ihn an den On-Board-Diagnose-Stecker (OBD), eine Art Blackbox neben dem Lenkrad. Hier lassen sich Fahrzeugdaten abrufen, auch Fehlerquellen. „Ich hab’s!“, ruft Bregulla. Der Kurbelwellensensor ist kaputt, deshalb ist das Auto ausgegangen, so der Experte. Er marschiert zurück in seinen Dienstwagen und bittet in der ADAC-Zentrale in Genshagen, dass das Auto zur nächsten Werkstatt geschleppt wird. „Der Ansaugschlauch ist auch locker, lassen Sie das gleich mit machen!“, rät der ADAC-Mann. Die Fahrerin wirkt platt. Für die 38-Jährige ist es bereits die dritte große Panne mit dem 12 Jahre alten Kleinwagen. Aber das Geld für ein neues Auto hat sie nicht. „Deshalb bin ich froh, dass ich im Notfall den ADAC rufen kann.“ An diesem Morgen kommt die Hennigsdorferin mit einem Leihwagen zur Arbeit.

Thomas Bregulla ist einer von 43 ADAC-Männern, die schon vor 25 Jahren Pannenhilfe auf DDR-Gebiet leisteten. Bregulla – gelernter KfZ-Mechaniker – wurde geschult und musste in einer mündlichen Prüfung zeigen, dass er sich mit der Technik der West-Autos auskennt. „Und sie mussten uns Ossis auch erstmal beibringen, wie man mit Leuten umgeht“, sagt der Neuruppiner mit Augenzwinkern.

15 quietschgelbe VW-Passat

Er bestand und war fortan Teil der ADAC-Flotte. Mit 15 quietschgelben VW-Passat, die der Automobilclub dem Verkehrskombinat Potsdam zur Verfügung stellte, halfen Bregulla und seine Kollegen ab 1. Oktober 1988, wenn Autos liegenblieben. Ihr Einsatzgebiet: DDR-Transitautobahnen zwischen West-Berlin und dem übrigen Bundesgebiet. Mit dem Atlas auf den Knien ging es zum Einsatzort. Die Arbeit sei damals einfacher gewesen, weil die Technik nicht so ausgefeilt war. Die immer komplexe Elektronik der heutigen Autos, sagt der Experte, ist anfällig für Fehler. Autobatterien dagegen machten schon immer schlapp. „Viele Batterien gehen kaputt, weil die Autos zu lange nicht gefahren werden“ Ein anderer Klassiker: Räder mit Alufelgen, die nach dem Reifenwechsel nicht nachgezogen werden. „Die Leute vergessen oft, das nach 50 Kilometern zu machen. Und dann rufen sie uns, weil das Lenkrad wackelt und der Wagen unruhig fährt.“ Japanische Fabrikate seien die zuverlässigsten, französische Marken wie Renault und Peugeot dagegen eher anfällig.

Im Laufe der Jahre hat Thomas Bregulla tausenden Autofahren geholfen, auch Promis. Moderator Jörg Draeger („Geh auf’s Ganze“) war in Berlin-Hermsdorf liegengeblieben, der BMW von Sänger Peter Maffay versagte auf der Autobahn bei Walsleben. Und Schauspielerin Désirée Nosbusch sprach ADAC-Mann Bregulla bei einem Einsatz in Linum an und fragte ihn, ob er eine Umwelt-Plakette für sie hätte. Er musste der schönen Schauspielerin aber einen Korb geben. „Ich habe Ersatzzeile, Öl und Benzin dabei, aber die Plakette muss man leider immer noch selbst beantragen“, sagt Bregulla und grinst.

Jeder Einsatz ist anders

Er fühlt sich wohl in seinem gelben VW Touran, liebt die Abwechslung. „Jeder Einsatz ist anders, und ich kann den Leuten helfen.“ Jeden Tag spult Bregulla um die 400 Kilometer ab, sein Revier ist neben Oberhavel und dem Havelland auch Berlin. Der Klassiker seien dort Einsätze am Flughafen Berlin-Tegel, die Diagnose oft dieselbe: Batterie verreckt. „Die Leute kommen aus dem Urlaub zurück und stellen fest, dass sie das Licht angelassen haben“, sagt der ADAC-Mann.

Dann erscheint der nächste Einsatz auf dem Bordcomputer: Der Berliner René Schlelzl ist mit seinem VW-Caddy durch eine Pfütze gefahren, nun macht der Wagen keinen Mucks mehr. Doch als Bregulla den Caddy starten will, springt er plötzlich wieder an. „Da muss der Motor wohl inzwischen abgetrocknet sein“, sagt der Berliner erleichtert.

Insgesamt acht Leuten hilft Thomas Bregulla an diesem Tag. In Velten macht bei einem Fahrer die Autobatterie schlapp, bei einem anderen in Bergfelde die Lichtmaschine. Und ein Geschäftsmann in Neuruppin hat seinen Laptop so lange an den Zigarettenanzünder gestöpselt, bis der Wagen nicht mehr anspringt. „Jeden Tag was Neues“, sagt Thomas Bregulla, und fährt mit seinen gelben Dienstwagen in den Feierabend.

Von Marco Paetzel

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