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Pappeln auf verseuchtem Boden

Hennigsdorf Pappeln auf verseuchtem Boden

Schnell wachsende Pappeln werden seit August 2012 auf einem ehemaligen Wansdorfer Rieselfeld gezogen und sollen im Biomasseheizkraftwerk verbrannt werden. Der Boden ist durch Schwermetalle stark belastet, es ist ein einzigartiger Langzeitversuch. Doch der Erfolg hält sich in Grenzen.

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Gerd Bartsch von Cobios Energie auf dem Pappelfeld. Die Bäume wachsen auf dem verseuchten Boden sehr unterschiedlich.

Quelle: Foto: Paetzel

Wandsorf /Hennigsdorf. Gerd Bartsch zieht den Zweig einer kleinen Pappel zu sich heran, mustert die Blätter behutsam. An vielen Stellen ist das Laub gelb-braun verfärbt. Ein Zeichen von Nährstoffmangel. „Das Eisen im Boden fehlt, stattdessen nehmen die Pflanzen Zink auf“, erklärt der Chef der Cobios Energie GmbH, die im Auftrag der Stadtwerke das Hennigsdorfer Biomasseheizkraftwerk leitet. Bartsch steht auf einem ehemaligen Rieselfeld, ein paar hundert Meter vor Wansdorf. Zu DDR-Zeiten versickerten hier tausende Liter Abwasser im Boden, 1998 wurde die Anlage endgültig stillgelegt. Die Erde war so verseucht, das in den ersten Jahren nicht einmal Unkraut sprießen wollte. Nun wiegt sich ein winziges Wäldchen Pappeln im Wind, die größten vielleicht sechs Meter hoch. Doch gleich daneben stehen nur ein paar mickrige Bäumchen, die Grenze verläuft schnurgerade. Vielleicht, sagt Gerd Bartsch, stand das Abwasser auf dieser Fläche höher als nebenan.

„Vom Rieselfeld zum Energiefeld“ heißt der in im Land einzigartige Langzeitversuch, der im August 2012 hier gestartet wurde. Pappeln, die Bäume gelten als genügsam, sollen auf zehn Hektar des ehemaligen Rieselfeldes wachsen. Das Projekt– auf 25 Jahre angelegt und 200 000 Euro teuer – ist eine Kooperation der Berliner Stadtgüter, der Cobios Energie-Gesellschaft und des Klärwerks. Das Werk lieferte in den ersten Jahren bis zu 50 000 Kubikmeter gereinigtes und mit Bakterien und Eisen versetztes Klarwasser für die Bäumchen, im Biomasseheizkraftwerk sollten sie später verbrannt werden. Aus dem Stümpfen auf dem Feld sollten neue Triebe sprießen. Doch der Boden ist noch immer schwer belastet.

Axel Swoboda, ehemaliger Geschäftsführer des Klärwerks, kannte noch Zeiten, in denen das Abwasser fast 40 Zentimeter hoch auf dem Rieselfeld stand. Alle paar Wochen wurde Jauche eingeleitet. 1919 fing das an. Zuerst aus Spandau, später auch aus Oranienburg, Velten, Hennigsdorf. Das Abwasser kam aus Haushalten, Krankenhäusern oder Industrieanlagen. Blei, Cadmium, Zink und Quecksilber versickerten mit der Jauche, mit ihnen Reste von Medikamenten und anderen Chemikalien. 1986 war der Boden so belastet, dass die DDR den West-Berlinern den Abwasserhahn zudrehte. „Die haben auf Devisen verzichtet, es muss also akut gewesen sein”, sagte Swoboda bei der Vorstellung des Projektes.

Der Boden hat noch mehr Nachteile. Der Drahtwurm, eine gefräßige Käferlarve, ließ die erste Generation von Pappeln sterben. Der Wurm kommt im Rieselfeld hundertmal so oft vor wie üblich. Der Boden in Wansdorf wurde gekalkt, zudem wurden Studentenblumen und Senf gepflanzt. Wenigstens dieses Problem scheint gelöst.

Cobios Energie hat noch weitere ehemalige Rieselfelder bepflanzt: Rund 20 Hektar in Rüdersdorf und 40 Hektar auf einer Fläche südlich des Schönfelder Kreuzes. Nochmals 20 Hektar Land hat das Unternehmen auf polnischer Seite nahe Forst bestellt. Hier wachsen die Pappeln besser. Allerdings habe die neue polnische Regierung Grundstückskäufen einen Riegel vorgeschoben. Ob die Pappeln auf dem Gelände weiter gezogen werden, sei ungewiss.

Ein Viertel des Holzbedarfes für das Heizkraftwerk wollten die Stadtwerke mit den Hölzern von den Rieselfeldern decken. Doch so viel wird es nicht werden, räumt Gerd Bartsch ein. „Die Qualität des Bodens schwankt dafür zu stark.“ Wenigstens die großen Pappeln könnten aber Anfang des kommenden Jahres vom Wansdorfer Feld geerntet werden. Auch von den anderen Feldern kommen hunderte Tonnen. Jeder Baum hilft weiter: Eine Tonne Holzhackschnitzel als Brennstoff kostet etwa 90 Euro.

Von Marco Paetzel

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