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Oranienburg Paten gesucht

Stadt sucht Privatpersonen oder Firmen, die die historischen und denkmalgeschützten Grabstätten auf dem Hauptfriedhof erhalten. Allerdings geht auch in Oranienburg allmählich ein Stück Friedhofskultur verloren. Immer mehr Menschen lassen sich auf der anonymen Wiese bestatten.

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Mit Notreparaturen hat die Stadt das Gros der denkmalgeschützten Gräber vorm weiteren Verfall gesichert.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. Sie haben in Brandenburg Seltenheitswert und stehen seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz: Die 44 Grabstellen bekannter und gut betuchter Oranienburger aus der Gründerzeit. Doch das schützt sie nicht vor Dieben: Gerade in letzten Zeit sind mehrere schmiedeeiserne Zauneinfassungen verschwunden. „Die sägen sie einfach mit der Flex ab. Wirklich pietätlos“, ärgert sich Nicole Herzog, zuständig bei der Stadt für die Pflege der Friedhöfe. Damit diese Grabstätten mit ihrem morbiden Charme nicht verfallen, gibt es die Aktion „Paten gesucht“. Privatpersonen oder Unternehmen können seit mittlerweile 17 Jahren eine oder mehrere Grabstellen sanieren und pflegen, um dort entweder eigene Angehörige würdig zur letzten Ruhe zu betten oder sie als Urnengrabstätte anzubieten.

So, wie es Gärtnermeister Peter Leymann getan hat. Er hat inzwischen sieben Grabstellen unter seine Fittiche genommen. Auf den fertigen haben seitdem 80 Menschen ihre letzte Ruhe gefunden. „Insgesamt 17 Grabstätten sind in Händen Dritter, aber 27 noch zu vergeben. Wir suchen weiter engagierte Paten“, so Nicole Herzog. Inzwischen hat die Stadt die meisten der großen Familiengräber mit Zinkabdeckungen vorm Eindringen von Wasser und damit weiterer Verwitterung geschützt, Rückwände frisch verfugt – für summa summarum 58 000 Euro. „Wir haben dafür stets ein kleines Budget. Nur acht stehen noch für Notreparaturen an.“ In Sachen Gräber-Patenschaften hat Oranienburg das Fahrrad nicht neu erfunden, sondern kommunale Vorbilder. Auch in Hannover, Köln, Görlitz und Hamburg gibt es sie. 1996 hatte Schauspielerin Heidi Kabel sie in Hamburg-Ohlsdorf initiiert und 120 Paten in einem Jahr gefunden. Vermutlich sind die Hamburger finanziell ein wenig besser aufgestellt als die Oranienburger, „aber es wäre schön, wenn sich weitere Personen oder Unternehmen für eine Grabstelle interessieren.“ Diese verbindet dann ein Vertrag mit der Stadt. Die Paten sanieren und pflegen und finden Interessierte, die dort eine Grabstelle wünschen. Gebühren an die Stadt fallen wie für jede andere Grabstätte auch an. Sie vergibt das Nutzungsrecht für 20 Jahre.

Nicole Herzog findet diese Friedhofskultur äußerst erhaltenswert. „Es ist ein würdiger Ort, ein Stück Stadtgeschichte und auch grüne Lunge.“ Doch der Trend geht leider in eine andere Richtung. Friedhöfe scheinen zu groß zu werden, denn ließ sich 2003 noch jeder Dritte auf anonymen Gräberfeldern bestatten, „so ist es heute jeder Zweite“, so Herzog. Viele bereuten das später, denn erwiesen ist, der konkrete Ort der Trauer ist wichtig für die Bewältigung des Verlustes.

Deshalb werden immer vielfältigere Bestattungsmöglichkeiten angeboten und nachgefragt. Wie der Waldhain in Lehnitz, der eine Erweiterung um einen Hektar hinter der Kapelle erfahren soll. Anfangs zögerlich angenommen, „fanden dort inzwischen 80 Bestattungen statt. Diese Art der naturnahen Bestattung ist eine echte Alternative zu den kommerziell betriebenen Friedwäldern.“

Gesamtfläche : Oranienburg hat zehn Friedhöfe, diese sind insgesamt 17 Hektar groß.

65 Prozent der Bestattungen finden auf dem Friedhof Dr.-Kurt-Schumacher-Straße statt.

Zwölf Prozent der Bestattungen sind Erd-, 88 Feuerbestattungen. 52 Prozent der Beerdigungen sind anonyme Urnenbeisetzungen.

Durchschnittlich 460 Beisetzungen gibt es jährlich in der Stadt.

Von Heike Bergt

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