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Oberhavel Pauker und Politiker
Lokales Oberhavel Pauker und Politiker
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02:15 15.10.2017
Alt-Bürgermeister und Neu-Lehrer Günter Siebert, oben mit seiner Frau Ursula. Im September feierten sie ihre eiserne Hochzeit. Quelle: Helge Treichel
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Hohen Neuendorf

Dieser Mann ist ein Phänomen: Mühelos unterhielt er bei den kürzlichen Feierlichkeiten zum Städtepartnerschaftjubiläum die versammelte Gästeschar mit persönlichen Schilderungen. Die Leute standen auf, um zu applaudieren. Ohne sich aus seinem elektrischen Gefährt zu erheben, versprühte er Energie, Lebensfreude, Güte. Seine 90 Jahre sieht man ihm nicht an: Günter Siebert. 1946 war er Neu-Lehrer in Hohen Neuendorf, jetzt ist er Alt-Bürgermeister.

Günter Siebert erzählt seine persönliche Geschichte der Städtepartnerschaft zwischen Hohen Neuendorf und Müllheim. Quelle: Helge Treichel

Die am 6. Mai 1990 erste frei gewählte Gemeindevertretung bestimmte ihn zum Bürgermeister – zwei Jahre vor der Rente. Er hatte die mit Abstand meisten Stimmen aller Gemeindevertreter erhalten. Und so wurde er unter anderem zum Geburtshelfer der Städtepartnerschaft mit Müllheim. Seinen unerschütterlichen Optimismus, seine positive Ausstrahlung brachte er mit ins Amt – und seinen Humor. Wer das Rathaus nicht verbittert verlässt, würde auch freundlich wiederkommen. Doch auch Sorgenfalten zerfurchten seine Stirn – angesichts unzähliger Probleme, aber auch der Zweifel wegen. Denn die Familie, die stets im Mittelpunkt seines Lebens gestanden hatte, musste angesichts seiner 60 bis 70 prall gefüllten Wochenarbeitsstunden zurückstecken. Was nicht auf der Strecke bleiben durfte: der Kontakt zu den Leuten, zur Basis.

Die Töchter haben ihn bewogen, alles aufzuschreiben

All das schildert Günter Siebert in seiner Autobiografie, die er unter dem Titel „Aus dem Leben eines Paukers“ auf der Internetplattform „Gurran“ veröffentlichte (www.guenter-siebert.gurran.eu). Illustriert mit zahlreichen Fotografien, erzählt er in neun Kapiteln von den Stationen seines Lebens. Von der Geburt als erster seines Jahrgangs in Hohen Neuendorf, über Schulbildung und Waffenschulung, die Gefangenschaft und den gewonnenen Frieden und das Leben als Pauker 1946 bis 1990 bis hin zur Amtszeit als „Dorfschulze“ 1990 bis 1992. In Kapitel 1 begründet Siebert , warum er seine Erinnerungen zwei Jahre lang in den Computer tippte. Dabei zitiert er auch seine Töchter: „Vadder, schreib auf, wir wissen eigentlich zu wenig aus eurem Leben! Später ist es vielleicht zu spät.“

Sogar im Urlaub habe er seinen Laptop dabei gehabt, erzählt Siebert: „Man muss Zeit haben, um zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden.“ Dabei schätzt er zwar südliche Breitengrade, sein persönlich liebster Ruhepol sei aber Norwegen: „Ob ich in einer Kirche sitze oder an einem Fjord, ist für mich das Gleiche.“ Von den 15 geschriebenen Kapiteln der Erinnerungen seien allerdings nur neun veröffentlicht worden. Die übrigen seien „sehr persönlich“. Seine stolzeste Erinnerung an die Städtepartnerschaft schilderte Siebert in seiner Rede zum Jubiläum: Seine Laudatio für den ersten Hohen Neuendorfer Ehrenbürger Alfred Schönbucher.

Die Enkel und der Computer

Noch heute arbeitet Günter Siebert sehr regelmäßig an seinem Computer. Er schreibt, korrespondiert, vervollständigt seine Bildersammlung über die Stadt. Enkel hätten ihm vor 20 Jahren geholfen, sich dem PC anzunähern. Und wenn es mal hakt, helfen sie immer noch.

Überhaupt: Technik. „Drei Dinge habe ich immer dabei“, sagt Siebert. „Das Telefon, die Brieftasche sowie einen Fotoapparat.“ Gern nimmt er allerlei Dinge aus dem Stadtgeschehen auf, etwa die neue Skulptur „Der Bienenflug“. Und gern teilt er diese Aufnahmen mit Freunden und Bekannten. Derer gibt es viele bei jemandem, der 44 Jahre lang die Kinder des Ortes unterrichtet hat, zeitweise in sieben verschiedenen Gebäuden. Es gibt aber noch einen Beweggrund. Es freue ihn, den Menschen eine Freude zu machen. „Geben ist seliger denn nehmen“, zitiert Siebert.

Das Eiserne Paar im Alltag: Ursula und Günter Siebert. Quelle: Helge Treichel

Besonders nette Worte findet er für seine Ursula (87), die er liebevoll „Uschi“ nennt und die seit mehr als 65 Jahren die Frau an seiner Seite ist. In den Erinnerungen schildert er, wie er ihr früher durchs Fenster des Klassenraums verstohlen zugewunken hatte. Aber nur ganz kurz, damit die Schüler nichts mitbekommen. Am 13. September hatten sie ihre Eiserne Hochzeit.

Beim Rückblick auf sein Leben hält es Günter Siebert mit seinem Großvater, mit dem ihn gute, lehrreiche Gespräche verbinden. „Junge, den hast du gefasst, da brauchst du nicht noch einmal umzuwenden“, pflegte der auf Plattdeutsch zu scherzen, wenn sein Enkel die Zügel hielt und die Kutsche mal wieder über einen Stein geholpert war. „Ich würde auch nichts anders machen“, sagt Günter Siebert.

Von Helge Treichel

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