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Peinliche Ermittlerpanne im Fall Maike Thiel

Polizist fällt wegen eines Fehlers als Zeuge aus Peinliche Ermittlerpanne im Fall Maike Thiel

Ein peinlicher Fehler erschwert die Gerichtsverhandlung im Fall Maike Thiel. Ein Polizist hatte bei einer Vernehmung vor 15 Jahr vergessen, einen Beschuldigten zu belehren. Wegen dieser Panne konnte er am Dienstag vor dem Landgericht Neuruppin nicht von seiner Vernehmung erzählen.

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Neuruppin/Oranienburg. Als der Polizeibeamte den Zeugenstand unverrichteter Dinge verlassen musste, warf er den Eltern von Maike Thiel einen entschuldigenden Blick zu. 1998 hatte der Oranienburger Kommissar Michael Sch. vernommen, der sich vor dem Landgericht Neuruppin mit seiner Mutter Christine wegen Mordes beziehungsweise Anstiftung zum Mord an der damals hochschwangeren 17-Jährigen verantworten muss.

Gestern sollte der Polizist von der Vernehmung vor 15 Jahren berichten. Daraus wurde nichts: Weil er Michael Sch. damals nicht über dessen Rechte belehrte, ist die Aussage vor Gericht nicht verwertbar. Damit fiel am neunten Verhandlungstag überraschend ein Zeuge in dem Indizienprozess aus, der das Schicksal der jungen Frau aus Leegebruch aufklären soll. Maike Thiel war am 3. Juli 1997 nach einer Untersuchung im Hennigsdorfer Krankenhaus verschwunden.

Gleich zu Beginn der Verhandlung stellte die Berliner Anwältin Marianne Zagajewski einen Antrag, der den Prozesstag durcheinanderwirbeln sollte. 20 Minuten lang las sie aus Vernehmungsprotokollen vor. Demnach kam es im April 1998 im Kommissariat Oranienburg zu einer peinlichen Ermittlerpanne. Nachdem Michael Sch. im Juli 1997 zwei Mal als Zeuge ausgesagt hatte, wurde er Monate später erneut befragt ‒ als Beschuldigter. Laut Protokoll stellte der Ermittler stundenlang Fragen, ohne Michael Sch. zu sagen, dass er die Aussage verweigern und sich einen Anwalt nehmen könne. Als er dies später nachholte, fügte er laut Protokoll hinzu: "Aber diesen Punkt haben wir doch schon überschritten, oder?" Auch soll er gefragt haben, ob das Gesagte "stehen bleiben kann".

Verteidigerin Zagajewski wertete das als "schwerwiegenden Verstoß gegen Verfahrensgrundsätze". Der damals minderjährige Michael Sch. sei nicht ordnungsgemäß belehrt worden. Einer ihrer Kollegen sprach von einer "Falle".

Auch die Kammer des Vorsitzenden Richters Gert Wegner kam zu der Einschätzung, dass die Aussage von Michael Sch. vor Gericht nicht verwertbar sei und schickte den Kripobeamten nach Hause. Den überraschenden Ausfall des Zeugen wollte die Staatsanwaltschaft Neuruppin nicht kommentieren.

Der Rest des Tages brachte wenig Neues. Eine Freundin von Maike Thiel berichtete, die 17-Jährige sei am Vorabend des 3. Juli 1997 bei ihr auf einem Grillfest gewesen. Sie habe nicht den Eindruck gemacht, sich etwas antun zu wollen. Da die Umstände des Verschwindens von Maike Thiel im Dunkeln liegen, wird auch diese Option vor Gericht erörtert.

Zudem wurde das Protokoll eines abgehörten Telefonats verlesen. Die Freundin von Michael Sch. hatte im November dessen Mutter angerufen und um eine Festplatte mit Fotos einer Narbe gebeten. Maike Thiel soll Sch. im Todeskampf gebissen haben. Zu den Fotos sagte dessen mitangeklagte Mutter: "Das wird nicht am Telefon besprochen."

Am 30. Juli geht der Prozess weiter. Ein Gutachter wird die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilen. Die Verteidigung will die Hauptbelastungszeugin befragen. Außerdem ist ein Polizist als Zeuge geladen, der bei der Festnahme des mutmaßlich dritten Täter dabei war. Gegen den 79-Jährigen wird separat verhandelt.

Von Viktoria Bittmann

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"Wie vom Donner gerührt", sei sie gewesen, als ihr Freund Michael Sch. am 25.November 2012 festgenommen wurde. Das sagte Andrea B. am Donnerstag vor dem Landgericht Neuruppin. Dort wurde am Donnerstag das Verfahren wegen Mordes an Maike Thiel fortgesetzt.

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