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Peter Bause brilliert mit Ein-Personen-Stück in Liebenberg

Der Schrei des Kontrabassisten Peter Bause brilliert mit Ein-Personen-Stück in Liebenberg

Peter Bause brillierte am Sonntagnachmittag im voll besetzten Historischen Rinderstall als Kontrabassist. Er vermittelte dem Publikum nicht nur den Stolz über dieses Instrument, sondern er ließ es auch teilhaftig werden an der Qual, es spielen zu müssen.

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Peter Bause brillierte in Liebenberg als Kontrabassist.

Quelle: Karl Friedrich Pfitzmann

Liebenberg. Ob er ihn auch am Dienstagabend ausstößt, den Schrei nach "Sarah", der Sopranistin, aus der hinteren Reihe der Kontrabassisten hinauf auf die Bühne? Wird er seinem Verlangen nach ihr Luft machen, wenn Dirigent Claudio Abbado schon den Taktstock für die Ouvertüre zur Oper "Rheingold" von Richard Wagner erhoben und nach letztem Hüsteln atemlose Stille den Zuschauerraum beherrscht? Peter Bause ist sich bei seinem Abgang als Kontrabassist noch nicht sicher, ob er den Mut zu dieser Provokation aufbringen wird.

Dabei verlangt es ihn, aus der Anonymität heraus und mit einem Blumenstrauß vor seine Angebetete zu treten und zu bekennen: Ich war's, ich der unsichtbare Kontrabassist aus der hinteren Orchesterreihe!

Mit dieser Ungewissheit endete für die Zuschauer am Sonntagnachmittag im voll besetzten Historischen Rinderstall eine Aufführung, bei der sie fast eineinhalb Stunden lang köstlich unterhalten wurden, und die sie mit Bravo-Rufen quittierten. Wobei das Amüsement nicht ungeteilt blieb, denn Peter Bause vermittelte dem Publikum nicht nur seinen Stolz über dieses Instrument, welches das Fundament jeden Orchesters bilden würde, sondern er ließ es auch teilhaftig werden an seiner Qual, es spielen zu müssen. Am dritten Pult in der Reihe der sechs, acht oder zehn Kontrabassisten, sei er für die Sänger auf der Bühne quasi unsichtbar und auch für das Publikum, wenn sich alle anderen Orchestermusiker zum Schlussapplaus erheben würden. Sie, die Kontrabassisten, könnten ja noch nicht einmal aufstehen.

Doch nicht das allein sei Qual genug. Dieser große, fast zwei Meter hohe Kontrabass, "ein Waldschrat von Instrument", beherrsche ihn bis ins Privatleben hinein. Würde sich ein Klavier oder Flügel in der Wohnung auch als Möbelstück gut machen, stehe der Kontrabass nur blöd herum wie ein kranker Onkel. Überall sei er gegenwärtig, auch beim Liebesakt, den er durch seine Präsenz unmöglich, ja lächerlich mache. So käme es, dass er seit zwei Jahren keine Frau mehr gehabt habe. Seine volle Zuneigung konzentriere sich zur Zeit auf die neue Sopranistin, der er eine große Zukunft voraussagen könne. Aber sie, die junge Sarah ließe sich von den Tenören in teure Fischrestaurants ausführen. Was er natürlich auch gerne täte, wenn sie ihn denn bemerken und erhören würde. So hadert der Kontrabassist mit seinem Schicksal. Er liebt und leidet, er lacht und weint, schwankt zwischen gesteigertem Selbstbewusstsein und tiefem Selbstmitleid.

In dieses vom Schauspieler geforderte Gefühlschaos zieht Peter Bause die Zuschauer mit hinein. Wenn er seine Liebste auf einer Schallplatte hört, sich dabei wehklagend die Hände vors Gesicht hält, mögen sie am liebsten mit ihm mitweinen. Wenn er die vierte oder fünfte Flasche Bier öffnet, um seinen Schmerz zu ertränken, stöhnen sie auf. Und wenn er erklärt, wie die Musiker des Staatsorchesters an dem Gastdirigenten vorbei oder über ihn hinweg spielen beziehungsweise die Kontrabassisten immer ein wenig hinterher, dann lächeln sie ihm beifällig zu. Und wenn Bause sich auf der Bühne seiner Hausstrickjacke und Jeans entledigt, dann macht er sogar diesen Vorgang zu einem Kabinettstückchen. Nunmehr bekleidet mit einem Frack, der ihm alle 15 Jahre von der Orchesterleitung neu gestellt wird, und dem lässigen Trenchcoat dazu, ist er auch in diesem Outfit berührend authentisch. Mit dem karierten Hütchen dazu setzt er dem Ganzen den ironische i-Punkt auf.

Von Rotraud Wieland

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