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Oberhavel Pfarrer in Oberhavel begrüßen „Homo-Ehe“
Lokales Oberhavel Pfarrer in Oberhavel begrüßen „Homo-Ehe“
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08:29 01.05.2016
Kirchliche Trauungen mit zwei Frauen oder zwei Männern vor dem Angesicht Gottes sind ab dem 1. Juli 2016 möglich. Quelle: Fotolia
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Oberhavel

Stichtag: 1. Juli 2016. Ab dann können sich homosexuelle Paare kirchlich trauen lassen. Das hat die Synode der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kürzlich beschlossen – mit großer Mehrheit. Bisher war nur eine Segnung mit Andacht oder Gottesdienst möglich. Ohne Ringwechsel und Eintrag ins Kirchenbuch. Jetzt gibt es das volle Programm, die liturgische Gleichstellung.

Für Pfarrerin Beate Wolf aus Menz ein Schritt in die richtige Richtung. Die Kirche gewinne für sie „Glaubwürdigkeit, wenn sie Gottes Liebe verkündet, die allen Menschen gilt.“ Bis dahin war es allerdings ein langer Konsultationsprozess. „Es gab auch in Brandenburg vereinzelt Gegenstimmen“, sagt Christian Guth, Pfarrer in Gransee. Doch das sei eine Minderheit gewesen. Von 105 Mitgliedern der Synode stimmten 91 für die „Homo-Ehe“.

Konsequent. So bezeichnet Pfarrer Eckhart Friedrich Altemüller von der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Fürstenberg die Entscheidung der Synode. „Kirche hat Anteil an dieser Gesellschaft“, sagt er. Pfarrer Tobias Ziemann (Gutengermendorf) hält die Entscheidung für angemessen und richtig. Auch wenn sie einige Zeit dauerte. „Alte Institutionen wie die Kirche brauchen Zeit“, sagt er, „bis sie sich liberalisieren.“ Die Grundsatzentscheidung, die kirchliche Trauung für alle Paare zu öffnen, begrüßt er. „Das Gebot der Nächstenliebe steht über allem.“ Er ist stolz auf seine Kirche.

Oberhavels Pfarrerinnen und Pfarrer setzen ein deutliches Zeichen. Quelle: Fotolia

Die Gesellschaft, das Familienbild, die Institution Ehe und das Zusammenleben von Menschen hätten sich geändert, so Pfarrer Altemüller. Und die Kirche zieht mit. „Eines ist wahr: Wir leben heute in einer viel pluralistischeren und ausdifferenzierteren Gesellschaft als noch unsere mitteleuropäischen Vorfahren“, so der Fürstenberger Pfarrer.

Pfarrerin Barbara Schlenker (Sprengel Grüneberg-Löwenberg) kann nachvollziehen, dass das Thema „emotional besetzt ist.“ Sie hat den Eindruck, es verunsichert Menschen, wenn sie nicht wissen, was zwei Männer oder zwei Frauen „im Dunkeln miteinander treiben“. „Solche Ressentiments sind mir in der Seelsorge oft begegnet“, sagt sie. Sie spricht von einer „moralischen Gewalt“, die Homosexuelle erfahren.

Sieben Bibelstellen sprechen sich gegen Homosexualität aus

„Doch in der Bibel steht ...“ So beginnen oftmals Argumente gegen gleichgeschlechtliche Liebe. Und ja, es gibt sie, die Stellen, die sich gegen die Bindung von zwei Männern oder zwei Frauen aussprechen. „Die Bibel verurteilt an vielen Stellen Homosexualität als Sünde“, erklärt Beate Wolf. „Da lässt sich nichts dran deuten. Wer die Bibel daher nicht als zeitbezogen lesen will, muss Homosexualität ablehnen. Ebenso wie die Gleichberechtigung der Frauen, auch, dass Frauen Pfarrerinnen sein dürfen, Scheidung und vieles mehr“, so die Menzer Pfarrerin.

Christian Guth findet für die Auslegung dieser Stellen fast schon prosaische Worte: „Wenn zwei Menschen in Liebe zueinander entbrennen, ist daran nichts sündhaft.“ Beate Wolf weist vor allem auf zeitlose Texte im Neuen Testament hin, wie das Hohelied der Liebe im ersten Korintherbrief. Dort heißt es: „Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“

Pfarrer können die Trauung Schwuler und Lesben ablehnen

Doch das Gewissen kann seine Grenzen haben. Pfarrer können die Trauung schwuler und lesbischer Paare auch ablehnen. „Laut Kirchenrecht dürfen sie das aber nicht pauschal“, so Tobias Ziemann. „Nur in einem konkreten Fall ist es mit Begründung erlaubt.“ Und dann sei es Aufgabe der Kirche, einen anderen Pfarrer für die Trauung zu finden, erklärt Christian Guth, der stolz ist auf die Entscheidung der Synode. „Damit haben wir den Staat überholt.“ In Deutschland haben gleichgeschlechtliche Paare kein Recht auf Eheschließung, sie dürfen bisher nur eine „eingetragene Lebenspartnerschaft“ eingehen – bis 1. Juli. Dann ist alles anders.

„Durch das Recht einer Trauung für schwule und lesbische Paare ändert sich inhaltlich nicht viel“, sagt Pfarrer Bernhard Hasse. So gelte für viele Paare das Ritual der Trauung als eigentliches Zeichen: „Für mich steht vielmehr der Segen im Zentrum“, erklärt der evangelische Pfarrer der Gemeinden Mühlenbeck und Schildow. Dass Menschen verschieden sind sei wunderbar. Dabei habe jeder das Anrecht glücklich zu werden und eine verlässliche Partnerschaft auszuleben, so Hasse. „Aus christlicher Sicht gehören schwule und lesbische Paare zur gottesguten Schöpfung.“ Die allgemeine Angst einiger Kritiker, dass die Gleichstellung die Ehe als Institution in Gefahr bringe, kann Bernhard Hasse nicht nachvollziehen: „Ich bin verheiratet und sehe uns nicht als gefährdet.“

An Pfarrerin Beate Wolf, die Pfarrer Tobias Ziemann, Christian Guth und Bernhard Hasse ist bisher noch kein gleichgeschlechtliches Paar mit einem Trauungswunsch herangetreten. Barbara Schlenker hofft es aber: „Ich freue mich darauf, wenn eines Tages einmal zwei Frauen oder zwei Männer bei mir eine Trauung anmelden wollen. Ich werde Sorge tragen, dass Gottes Segen reichlich über sie komme.“

Kritische oder ablehnende Reaktionen gab es auf MAZ-Nachfrage nicht. Jedoch wollten sich auch nicht alle Pfarrer, die die MAZ kontaktiert hat, zum Thema „Homo-Ehe“ äußern.

Von Marco Winkler und Juliane Weser

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