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Philipp hat einen Schulweg von 90 Minuten

Oranienburg (Oberhavel) Philipp hat einen Schulweg von 90 Minuten

Der 12-jährige Philipp hat keinen Platz an seiner Wunschschule in Oranienburg-Sachsenhausen bekommen. Im neuen Schuljahr muss er darum bis nach Löwenberg fahren – mit Bus und Bahn pro Richtung rund 90 Minuten. Philipps Eltern wollen das nicht hinnehmen. Sie sind nicht die einzige Familie mit diesem Problem.

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Die Oranienburger Eltern Jenny Gerecke und Mario Kunze mit Sohn Philipp vor der Wunschschule der Familie, der Jean-Clermont-Schule in Sachsenhausen.

Quelle: Marion Bergsdorf

Oranienburg. Ein in Oranienburg-Süd lebendes Ehepaar versteht die Welt nicht mehr. Für seinen zwölfjährigen Sohn Philipp gibt es keinen Platz an einer weiterführenden Oberschule in der Stadt. So jedenfalls lautet nach Darstellung der Eltern die Mitteilung des Staatlichen Schulamtes in Neuruppin. Dieses hat stattdessen die in Löwenberg im Nordkreis liegende Libertasschule für Philipp zugewiesen. Dagegen laufen die Eltern Jenny Gerecke und Mario Kunze nun Sturm. Denn ihr Sohn hat nicht nur eine Lernschwäche und bedarf der Förderung, sondern hätte mit den Linienbussen von Oranienburg-Süd mit Umsteigen am Bahnhof Oranienburg nach Löwenberg rund 90 Minuten Fahrzeit für eine Richtung.

Das Elternpaar Gerecke/Kunze ist nicht das einzige, das sich mit Problemen wegen der weiterführenden Schule für ihr Kind herumschlägt. 28 Sechstklässler, deren Erst- und Zweitwunsch nicht erfüllt werden konnte, wurden vom Staatlichen Schulamt auf weiterführende Schulen im gesamten Landkreis Oberhavel verteilt. Einer der Gründe sind die Bauarbeiten an der Torhorst-Gesamtschule in Oranienburg, die deshalb einen Klassenzug weniger aufnehmen kann und ihre 11. bis 13. Klassen nach Lehnitz auslagert.

Als Ausweg für eine Beschulung im Heimatort macht das Ehepaar Gerecke/Kunze zwei Vorschläge: Die städtische Oberschule Jean Clermont in Sachsenhausen könnte einen Klassenzug auffangen, indem dort ein Schulcontainer aufgestellt wird. Oder die Torhorst-Gesamtschule lagert auch die 10. Klassen aus und hätte somit Platz für die überzähligen 28 Sechstklässler.

„Ich bin für alles offen“, sagt der Leiter der Jean-Clermont-Schule, Olaf Wildgrube. „Ich finde es schlimm, dass Oranienburger Kinder nicht in Oranienburg beschult werden können.“

Was die Torhorst-Gesamtschule anbelangt, so meint der Landkreis als Träger zu dem Elternvorschlag: „Neben der gymnasialen Oberstufe auch die 10. Jahrgangsstufe nach Lehnitz auszulagern, ist nicht umsetzbar. Die Um- und Ausbauten am Standort Lehnitz sind auf den Raumbedarf für die Beschulung der Gymnasialen Oberstufe ausgerichtet und bereits in vollem Gang.“ Der Schulweg mit Bus und Bahn betrage maximal 77 Minuten, heißt es weiter in der Stellungnahme des Landkreises. Zudem könne der Schüler mit dem Rad zum Bahnhof Oranienburg fahren, dort den Zug nach Neulöwenberg und dann den Bus zur Libertasschule nehmen. Dafür bräuchte er 30 Minuten, das sei zumutbar. Das Staatliche Schulamt betont, dass die Oberschule Sachsenhausen nicht für einen zusätzlichen Zug vorgesehen sei.

Verärgert ist auch Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke. Leider sei die Kapazität der Clermont-Schule seit Jahren mehr als ausgereizt. Doch Laesicke gibt etwas Hoffnung. Der Landkreis rechne damit, dass sich die Zahl der Oberschüler, die noch nicht in Oranienburg beschult werden können, reduziere. Durch Wechsel zu freien Schulen komme es stets zu Korrekturen. Landrat und Bürgermeister würden in vier Wochen erneut mit dem Schulamt reden, um „eine befriedigende Lösung für die Beschulung aller Kinder zu finden“.

Von Marion Bergsdorf

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