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In Fürstenberg wird es knallen

Die Puhdys auf Abschiedstournee in Oberhavel In Fürstenberg wird es knallen

Nach 46 Jahren auf der Bühne soll Schluss sein. Die Puhdys gehen in die Rockerrente. Mit einem Konzert beim Wasserfest am 10. Juli im Schlosspark Fürstenberg verabschiedet sich die Band von den Fans aus Oberhavel. Peter „Eingehängt“ Meyer sagt, worauf sich das Publikum beim Wiedersehen freuen darf.

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Peter Meyer will endlich auf Kaffeefahrt.

Quelle: Kasskara

Fürstenberg. Nach 46 Jahren auf der Bühne soll Schluss sein. Die Puhdys gehen in die Rockerrente. Mit einem Konzert beim Wasserfest am 10. Juli, 20 Uhr, im Schlosspark Fürstenberg verabschiedet sich die Band von den Fans aus Oberhavel. Peter „Eingehängt“ Meyer sagt, worauf sich das Publikum beim Wiedersehen freuen darf.

MAZ: Wie geht es Ihnen so kurz vor der Rockerrente?

Peter Meyer: So kurz ist das ja gar nicht. Wir spielen noch reichlich Konzerte bis Ende des Jahres. Wir sind eigentlich nur unterwegs. Es läuft. Bei all den Terminen haben wir gar nicht die Zeit über Abschied nachzudenken.

Können Sie sich ein Leben ohne Puhdys vorstellen?

Meyer: Das ist schon schwierig, wenn man solange auf der Bühne steht. Aber ich habe auch schöne Hobbys. Ich muss nicht mal in den Urlaub fahren, weil es hier am Müggelsee so schön ist. Ich bin jetzt auch gerade auf meinem Boot. Aber wenn wir durch sind, habe ich vielleicht mal Zeit, die Rentnerkaffeefahrt zu machen, von der ich schon so lange träume. Die wollte ich schon kurz nach der Wende machen. Früh um 5 Uhr sollte der Bus kommen, aber der kam bis heute nicht.

Haben Sie eine Erinnerung an das letzte Puhdys-Konzert in Fürstenberg?

Meyer: Ich erinnere mich an den Marktplatz, an das Hotel und daran, dass wir nach dem Konzert weiter nach Mainz fuhren. Zu einem Auftritt im ZDF-Fernsehgarten.

Das Konzert zum Wasserfest ist in Kooperation mit Schlossbesitzer Gerd Schulz möglich geworden. Was verbindet Sie?

Meyer: In seinem Strandhotel auf Usedom geben wir schon seit einigen Jahren Akustikkonzerte. Das sind wir sehr gerne Die Einladung nach Fürstenberg haben wir gerne angenommen.

Sie haben mit den Puhdys mehr als 20 Alben rausgebracht, welche Songs spielt man da auf einer Abschiedstournee?

Meyer: Das ist schwierig bei der Auswahl. Aber es gibt Songs, die wir spielen werden, weil die Leute darauf warten. In Fürstenberg wird es knallen.

Kann Sie auf der Bühne noch etwas erschüttern?

Meyer: Ja, wenn etwas nicht funktioniert. Ich wundere mich sowieso, dass das alles immer irgendwie geht. Routine klingt so negativ. Aber wir sind eingespielt und es macht jedes Mal Spaß. Selbst, wenn wir Standards wie „Alt wie ein Baum“ bringen. Die Leute singen das immer anders und so bleibt es spannend.

Die Band hatte sich 1988 aufgelöst, weil sie dachten, was soll da noch kommen. Dann kam die Wende und dann das Comeback. Haben Sie sich mal ausgemalt, wie Ihr Leben ohne politische und musikalische Wiedervereinigung verlaufen wäre?

Meyer: Auf jeden Fall anders. Wir haben uns damals im Kreis gedreht, jedes Jahr drei Hits, Konzerte in verschiedenen Ländern. Da war nichts Neues. Aber wir haben schon damals viel im Studio gearbeitet, auch für andere. Und hätte es das Comeback nicht gegeben, hätten wir wohl damit weitergemacht. Aber es kam die neue Zeit. Wir hatten 20 Jahre Westerfahrung, wir wussten, wie das geht und so wurde es wieder spannend. Sicher war entscheidend, endlich das richtige Geld zu verdienen.

Glauben Sie, dass es deutschen Bands heute noch gelingen kann, eine solche Ausnahmekarriere zu erleben?

Meyer: Ja, ich denke das geht. Silbermond und Rammstein sind da gute Beispiele. Trotzdem ist es für junge Bands natürlich extrem schwierig, gegen die Konkurrenz zu bestehen. Ich habe in der eigenen Familie auch einige Musiker und verschiedene Karrieren. Wir hatten den Vorteil, das wir bekannt waren. Heute kommen zu unseren Konzerten die Alten und die Jungen. Bei manchen Bands landen BH’s auf der Bühne, bei uns Zahnspangen. Die Teenager stehen vorne, die Eltern hinten.

Wenn Sie auf diese lange Karriere zurückblicken, haben Sie das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben?

Meyer: Alles macht man nie richtig, aber wir haben viele richtige Entscheidungen getroffen. Vor allem haben wir uns alle für diesen Beruf entschieden. Ich war ja früher mal Lehrer, aber nur zehn Minuten. Wenn man so ein Beruf hat, und den Eltern dann sagt, dass man als Künstler leben möchte, da wird man Zuhause nicht berühmt mit. Aber man muss so eine Entscheidung treffen, wenn man das will. Nicht jeder hat das Glück, einen Beruf zu ergreifen, den er liebt, und quält sich mit einem Job, den er nicht mag. Andere verbringen ihr ganzes Leben mit dem falschen Partner. Ich sage immer gerne: Wer weiß, wozu das alles gut ist.

Sind Sie dankbar?

Meyer: Ja, für sehr vieles. Auch für eine friedliche Wende und für ein schönes Berufsleben.

Können Sie sich noch an das erste Konzert erinnern, für das Sie Geld bekamen?

Meyer: Ich war 15 und habe auf irgendeiner Hochzeit Akkordeon gespielt. Für die Stunde gab es fünf Mark. Das war viel Geld. Auch während des Studiums habe ich gespielt und Geld verdient.

Ihr Traum ist es, mit den Rolling Stones zu spielen. Hat Mick Jagger schon gerufen?

Meyer: Noch nicht, aber wenn die Stones nicht vor uns aufhören, bekommen wir das mit dem gemeinsamen Auftritt vielleicht noch hin.

Lassen Sie sich eine Hintertür offen, und kommen in zwei oder drei Jahren wieder zurück auf die Bühne?

Meyer: Es gibt viele Leute, die ihren Abschied feiern und genau wissen, sie kommen wieder. Wir haben schon mal aufgehört und dachten wirklich, es ist vorbei. Dann haben wir wieder angefangen. Diesmal nicht.

Rechnerisch haben Sie die Rockerrente ja eigentlich auch schon erreicht?

Meyer: Eigentlich bin ich schon zehn Jahre in Rente und bekomme jetzt ein Festgehalt. Das war sehr angenehm, als ich zum ersten Mal das Geld überwiesen bekam.

Von Cindy Lüderitz

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