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Plötzlich ein Denkmal

Denkmalliste von Oberhavel Plötzlich ein Denkmal

Der Oranienburger Klaus Westphal hat der Mitteilung, dass sein Haus auf die Denkmalliste gesetzt worden ist, nicht widersprochen. Er empfindet dies als Anerkennung seiner jahrenlangen Bemühungen, sein Wohnhaus, erbaut 1902, in seiner architektonischen Pracht zu erhalten. Denn Oranienburg habe nicht sehr viele schöne historische Gebäude, sagt er.

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Klaus Westphal im prunkvollen Treppenhaus seiner Villa.

Quelle: Marion Bergsdorf

Oberhavel. Irgendwie empfindet er es als Genugtuung. Für seine jahrzehntelangen Bemühungen, den Charme seines Hauses zu erhalten. Klaus Westphal (76) ist der Eigentümer und Bewohner der Villa an der André-Pican-Straße 78/Bernauer Straße 95 in Oranienburg. Sein Haus steht nun auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg.

Im Landkreis Oberhavel sind im vergangenen Jahr insgesamt 36 neue Objekte auf diese Liste gesetzt worden _ wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung. Damit gibt es in Oberhavel 748 Baudenkmale. Das sind nicht nur die allgemein bekannten Schlösser, Gutshäuser und Kirchen. So sind ebenso einfache Wohnbauten, Siedlungen, Bauernhäuser sowie Bahnhöfe, Schleusen oder Industrieanlagen in der Denkmalliste erfasst. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Bodendenkmalen.

Die prächtige Villa, die Klaus Westphal mit seiner Frau und der Familie seiner Tochter bewohnt, war 1902 von Maurermeister Heinrich Lauter an der damaligen Kurfürstenstraße als eigenes Wohnhaus errichtet worden. 1921 bis 1922 ließ der nachfolgende Eigentümer, der Amtsgerichtsrat Waldemar Krenzien, das Nebengebäude von Maurermeister Ernst Brandenstein erbauen. Die Villa ist „ein herausragendes Zeugnis für die Baukunst und Stadtentwicklung im frühen 20. Jahrhundert in Oranienburg. Neben ihrer reich verzierten Fassade beeindruckt die Villa auch mit einer künstlerisch anspruchsvollen Innenausstattung. Sie veranschaulicht die Wohnkultur einer wohlhabenden bürgerlichen Gesellschaftsschicht in Oranienburg in der Zeit um 1900“, sagt Matthias Metzler. Er ist Gebietsreferent in der Inventarisation im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM). Er ordnet den Stil der Villa dem Historismus zu, das bedeutet, dass historische Baustile wieder aufgegriffen worden seien. Metzler zählt einige bauliche Details auf. So befinden sich in den schmalen Brüstungsfeldern und flachbogigen Giebelfeldern einiger Fenster Reliefs mit Wappen- und Pflanzenmotiven. Die Giebelbögen werden von Porträtkopfreliefs bekrönt. Zwei Erdgeschossfenster besitzen Ziervergitterungen. Im Inneren der Villa ist die bauzeitliche Raumstruktur und Ausstattung in großem Umfang bewahrt.

Als Klaus Westphal das große Haus 1975 kaufte, fehlte die Dachrinne, waren die Wasserleitung und die Zentralheizung kaputt. Die originalen großen Rippenheizkörper hat er erhalten. Stolz zeigt er die Blumenmotive auf den Heizkörpern, die er unter ’zig Farbschichten wieder hervorgeholt hat. „Ich hänge an alten Sachen und Oranienburg ist so arm an schönen alten Häusern, dass ich meines immer erhalten wollte.“ Zwar nütze ihm der Denkmalschutz steuerlich nicht mehr viel, doch er habe der Unterschutzstellung nicht widersprochen: „Ich sehe auch keine Nachteile. Vielleicht hilft mir der Denkmalschutz bei der Sanierung des Zaunes, der bald zusammenfällt.“

2015 in die Denkmalliste aufgenommen

Birkenwerder: Erich-Mühsam-Straße 8 (Wohnhaus, alte Post), Friedensallee 30 B (Wohnhaus mit Einfriedung), Gartenallee 4 (Wohnhaus), Summter Straße 47 (Villa mit Nebengebäude)

Fürstenberg: Schwedtseestraße 11 (Wohnhaus mit drei Hofgebäuden), Bredereiche Templiner Straße 2 (Schule)

Glienicke: Hattwichstraße 63 (Wohnhaus mit Einfriedung), Moskauer Straße 20 (ehemaliges HJ-Heim, heute Bürgerhaus)

Großwoltersdorf: Im Ortsteil Burow ist das Wohnhaus an der Waldstraße 17b unter Schutz gestellt worden.

Hohen Neuendorf: Adolf-Damaschke-Straße 5 (Wohnhaus, Villa Hohenzollern), Adolf-Damaschke-Straße 6 (Wohnhaus mit Nebengebäude), Anton-Saefkow-Straße 28 (Wohnhaus), Karl-Liebknecht-Straße 6 (Wohnhaus mit Nebengebäude und Einfriedung), Scharfschwerdtstraße 10 (Wohnhaus mit Einfriedung), Scharfschwerdtstraße 45 (Wohnhaus), Stolper Straße 21 (Wohnhaus mit Nebengebäude), Stolper Straße 22 (Wohnhaus mit Nebengebäude), Stolper Straße 23 (Wohnhaus)

Kremmen: Ortsteil Flatow Wegweiser (in der Kienheide), Alte Kietzstraße 5 (Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäude), Flatow Alte Poststraße 11 bis 12 (Wohnhaus mit Einfriedung), Flatow Staffelder Straße (Friedhofskapelle)

Liebenwalde: Ernst-Thälmann-Straße 23 (Wohnhaus mit Seitenflügel, Hofgebäude und Hofpflasterung), Häuser am See 3 (Wohnhaus, Haus Hassert), Marktplatz 13 (Wohnhaus mit zwei Hofgebäuden und Hofpflasterung), Rudolf-Breitscheid-Straße 12 (Wohnhaus), Rudolf-Breitscheid-Straße 36 (Wohnhaus mit zwei Hofgebäuden und Hofpflasterung)

Oranienburg: André-Pican-Straße78/Bernauer Straße 95 (Villa mit Nebengebäude und Einfriedung), Bernauer Straße 31 (Wohn- und Geschäftshaus mit Seitenflügeln), Bonner Straße 22 (Wohnhaus), Friedrichsthal Goethestraße 14 (Wohnhaus), Heidelberger Straße 2 (Wohnhaus mit Einfriedung), Heidelberger Straße 17 (Wohnhaus mit Nebengebäude), Zehlendorf Rosengasse 16 (Pfarrhaus mit Nebengebäude und Einfriedung), Speyerer Straße 8 (Wohnhaus mit Nebengebäude)

Zehdenick: Krewelin Kreweliner Dorfstraße 4 (Gehöft: Wohnhaus mit Anbau, drei Wirtschaftsgebäude, Zaun)

Internet: www.bldam-brandenburg.de

Möglichkeiten zu Steuerabschreibungen seien durchaus ein Anreiz, Unterschutzstellungen positiv zu sehen, sagt Ralph Paschke, Dezernatsleiter für Inventarisierung und Dokumentation im Landesamt für Denkmalschutz mit Sitz im Ortsteil Wünsdorf von Zossen. Immerhin könne ein Hauseigentümer den „denkmalpflegerischen Mehraufwand“ zu 100 Prozent über zwölf Jahre lang von der Steuer absetzen.

Anregungen zur Aufnahme von Objekten in die Denkmalliste „kann jedermann“ geben, sagt Paschke. Meist erfolge dies auch von Amts wegen, wie im Fall der Villa von Klaus Westphal. Das bestätigt Matthias Metzler vom Landesamt. Er ist zuständig für die Landkreise Oberhavel, Ostprignitz/Ruppin und Prignitz und nimmt sich jedes Jahr bestimmte Teile von Kommunen vor. In Oranienburg war es die Neustadt. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde beim Landkreis Oberhavel lief er die Neustadt ab. Er meldete sich bei Klaus Westphal an und schaute sich dessen Villa auch innen an. Danach ließ er sie vom Landeskonservator in die Denkmalliste eintragen. Häufig gingen Anregungen von konkreten Bau- oder Abrissplanungen aus, in deren Verlauf die Denkmalfachbehörde zur Prüfung des möglichen Denkmalwertes eines Objektes aufgefordert werde, erklärt Metzler.

Im Gegensatz zur prunkvollen Villa der Familie Westphal hat Metzler auch schlicht gestaltete Wohngebäude auf die Denkmalliste gesetzt. So zum Beispiel das Wohnhaus an der Bonner Straße 22 in der Oranienburger Neustadt. „Dieses wurde 1929 an der Hasenheide für den Technischen Regierungsinspektor Anton Lentz aus Berlin errichtet, der vermutlich auch die Planung übernahm. Mit seinen bewusst schlicht gestalteten Putzfassaden, die wenige Gestaltungselemente aufweisen, und seinem überstehenden Walmdach mit Gauben vereint das Wohnhaus in bemerkenswerter Weise Stiltendenzen des Neuen Bauens (zum Beispiel Bauhaus) mit traditionellen Architekturformen. Es ist damit ein ansprechendes Zeugnis für die Architektur der Zwanziger Jahre in Oranienburg.“ So heißt es in der Begründung für die Denkmalliste.

Von Marion Bergsdorf

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