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Polizei "opfert" Audi bei Einsatz

Eigentümerin verärgert über „Dilettantismus“ der Polizei Polizei "opfert" Audi bei Einsatz

Der Diebstahl eines in der Hohen Neuendorfer Herthastraße abgestellten Audi Q5 hielt in dieser Woche tagelang die Polizei in Atem – mit Verfolgungsjagd, gezogenen Dienstwaffen, Spürhunden, mehrstündigem Hubschraubereinsatz und einer Festnahme. Jetzt meldet sich die Besitzerin zu Wort und zeigt sich über die Methoden der Beamten verärgert.

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Quelle: Privat

Hohen Neuendorf. Q-5-Besitzerin Sandra Apelt durchlebte bis gestern ein Wechselbad der Gefühle. Denn nur Stunden nach der Anzeige war ihr Wagen am Dienstag von den Beamten zunächst augenscheinlich unversehrt in Birkenwerder entdeckt worden. Einen Tag später steht das Wrack mit Totalschaden beim Händler in Berlin-Charlottenburg.

Ihren vorläufigen Höhepunkt hat die Räuberpistole am Mittwoch. Ein Rettungswagen wird am Vormittag zu einem verletzten Mann aus Polen auf dem Hennigsdorfer Rathausplatz gerufen. Da der Mann sich nicht ausweisen kann, wird er mit aufs Revier genommen. „Dort konnten die Polizeibeamten den Mann als mutmaßlichen Fahrer des gestohlenen Audi Q5 identifizieren“, sagte Polizeisprecher Toralf Reinhardt gestern. Der 29-Jährige wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) vorläufig festgenommen und sollte gestern einem Haftrichter in Oranienburg vorgeführt werden.

Alles beginnt am Dienstagmorgen, 8Uhr: Sandra Apelt entdeckt, dass der dreieinhalb Jahre alte AudiQ5 vor der Tür ihres Elternhauses verschwunden ist. Neupreis: 67000Euro. Fünf Minuten später ist die Polizei telefonisch informiert. Eine Fahndung wird herausgegeben. Nach weiteren 30 Minuten sitzen sie und ihr Vater in der Hennigsdorfer Wache einem Beamten von der „Soko Grenze“ gegenüber.Der Ermittler nimmt alle relevanten Daten auf. Noch während des Gesprächs erhält der Soko-Beamte gegen 9.30Uhr die erlösende Nachricht: Das Auto steht ohne erkennbare Schäden in der Kleiststraße in Birkenwerder. Ob sie Alkohol getrunken und den Wagen dort vergessen habe, will der Beamte wissen. Sandra Apelt verneint das. Ihre Mutter hatte das Auto noch um 22Uhr vor dem Haus gesehen.

Auto wurde als Lockvogel eingesetzt

Trotz der Bedenken von Vater und Tochter, die eben noch an ein Happy-End geglaubt hatten, will der Polizeiermittler das Auto als „Lockvogel“ einsetzen. Eine zweiköpfige Zivilstreife behält den Q5 im Blick, während ein Mannschaftswagen hinter der nächsten Ecke wartet. Tatsächlich tauchen zwei Männer auf, setzen sich in den Audi. Trotz gezogenen Dienstwaffen lassen sich die Autoknacker nicht stoppen, rammen das Polizeiauto sowie einen Ford Fiesta – und entschwinden. Nach der Verfolgungsjagd wird der Wagen gegen 15.20Uhr An den Rotpfuhlen in Hohen Neuendorf gefunden. Der Motor läuft, die Musik spielt laut. Von den Tätern keine Spur. Hund und Hubschrauber kommen bis in die Nacht hinein zum Einsatz.

Kurz nach 17 Uhr bekommt Sandra Apelt einen Anruf. Sie könne den Wagen jetzt abholen. Die Spurensicherung habe ihre Arbeit erledigt. Im Wald das böse Erwachen. Der Q5 ist nicht mehr fahrbereit. Bei der Flucht durch den Wald wurde die Unterbodenkonstruktion abgerissen. Erst am nächsten Tag kann der Abschleppdienst das schwere Auto bergen. Die Besitzerin ist entsetzt über dessen Zustand nach dem aus ihrer Sicht „dilettantischen“ Polizeieinsatz. Der Wagen hätte vorher präpariert werden müssen, zum Beispiel mit einem Peilsender. Oder er hätte nicht mehr starten dürfen.

Rat vom Anwalt

Ob ein Dieb oder der Eigentümer das Auto steuert, Kasko- und Haftpflichtversicherung kommen für den entstandenen Schaden auf. Das sagt der Oranienburger Rechtsanwalt Andreas Steffen, der einen ähnlichen Fall gerade bearbeitet hatte.
Rechtsbeistand: Wenn durch einen „möglicherweise unzureichenden Polizeieinsatz“ Dritten ein Schaden entsteht, sei es ratsam, sich einen Anwalt zu nehmen, so Steffen.

„Die Einsatzmaßnahmen sind möglicherweise nicht optimal gelaufen“, sagt Toralf Reinhard gestern. Die Diebe seien allerdings auch mit außergewöhnlicher Brutalität vorgegangen. Der Polizeisprecher bestätigt die Ereignisse, möchte wegen der andauernden Ermittlungen jedoch keine Einzelheiten preisgeben.

Von Helge Treichel

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