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Oberhavel Polizisten rennen durch den Schlosspark
Lokales Oberhavel Polizisten rennen durch den Schlosspark
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00:17 12.04.2017
Die Strecke durch den Schlosspark war je nach Altersklasse zwischen 2,2 und etwa 4 Kilometer lang. Es galt, Stationen in einer bestimmten Reihenfolge anzulaufen – möglichst schnell. Quelle: Foto: Robert Roeske
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Oranienburg

Die große Digitaluhr mit den grünen Ziffern tickt hoch. Als die Minute voll ist, spurtet Wolfram Christen los. Am Oranienburger Schloss vorbei in den Schlosspark hetzt der 55-Jährige, zwischendurch muss er immer wieder einen Chip an Sensor-Stationen halten, die überall wild auf dem Gelände verstreut sind. „Vergisst man eine Station, ist der ganze Lauf ungültig“, sagt Christen.

Der Potsdamer Beamte mit der Startnummer 37 war am Sonnabend einer von rund 70 Polizisten, die am Orientierungslauf im Oranienburger Schlosspark teilgenommen haben. Aktive und ehemalige Polizeibeamte – vereinzelt auch Zollbeamte oder Feuerwehrleute – aus Deutschland, Schweden, Finnland, Dänemark, England, Tschechien, Ungarn und der Schweiz waren zusammengekommen, um den besten Läufer in verschiedenen Altersklassen zu ermitteln. „Das ist aber eine reine Freizeitveranstaltung, dienstlich bin ich nicht hier“, sagt Christian Wolfram kurz vor dem Start.

Für den Beamten, der Mitglied einer Hundertschaft ist, gehört ein ordentlicher Fitnesszustand einfach zum Dienst dazu. Das sei gerade in dieser Einheit enorm wichtig. Etwa, wenn sie bei Fußballspielen in den Stadien in Babelsberg oder Cottbus eingesetzt würden. „Wenn es dort zu Auseinandersetzungen kommt, müssen wir blitzschnell da sein. Und dazu gehört eine gute Fitness“, so der Potsdamer. Regelmäßig läuft er den Marathon und Halbmarathon, zwei bis dreimal die Woche spult Christen in seiner Freizeit jeweils zehn Kilometer ab.

Auch Orientierungsläufe absolviert Wolfram Christen regelmäßig, dafür war er auch schon in den USA, Australien, Kanada oder Nordirland. Im Vergleich mit den ausländischen Kollegen sei der Fitnesszustand der deutschen Beamten auf einem ordentlichen Niveau, sie könnten da gut mithalten. Der klischeehafte Revierpolizist mit der runden Kugel – Fernsehpolizist Horst Krause lässt grüßen! – werde dagegen immer seltener, auch wenn es ihn natürlich immer noch gebe und auch weiter geben werde. „Aber in den vergangenen zehn, 15 Jahren hat doch bei den meisten Beamten ein Umdenken eingesetzt, viele tun heute mehr für ihre Fitness“, so Christen, der am Ende in seiner Altersklasse H50 auf dem 9. von zwölf Rängen landete.

Die Routen im Oranienburger Schlosspark sind je nach Altersklasse zwischen 2,2 und gut 4 Kilometer lang, zwischen den Stationen geht es dann im Vollsprint durchs Gelände. Gewinnt doch am Ende wie immer der Schnellste. Doch das alleine reicht nicht, erklärt Katerina Wollmerstädt, die die Veranstaltung organisiert hat. Wichtig sei bei dem Wettkampf auch hohe Konzentration. Nicht nur, damit man die Stationen im Schlosspark in einer vorgegebenen Reihenfolge anläuft und keine auslässt, sondern auch, damit die Beamten beim anschließenden Zielschießen mit Laserpistolen auch noch möglichst fünfmal treffen. „Tun sie das nicht, bedeutet das eine Strafrunde“, sagt Wollmerstädt. Erlaubt ist jeder Weg von Station zu Station, Abkürzungen über Beete oder Zäune seien aber natürlich verboten, so die Organisatorin.

Wollmerstädt ist selbst Polizeibeamtin in Berlin, Fitness ist auch für sie im Dienst unverzichtbar. Immerhin wiege die Ausrüstung samt Schutzweste und Waffe schon mehrere Kilogramm. Das acht Stunden am Tag zu tragen, sei per se schon eine Belastung. „Und wenn man dann noch einem Ladendieb hinterherlaufen muss, braucht man schon eine gute Fitness“, so Wollmerstädt.

Ein paar Meter weiter im Schießstand, der in einer Halle auf dem Parkgelände aufgebaut ist, trudeln die Schützen nach und nach ein. „Etwa 40 Prozent treffen alles, 15 Prozent gar nichts“, schätzt der ehemalige Bundespolizist und Standbetreuer Jürgen Schwanitz knochentrocken ein. Oft hätten die Beamten einfach zu wenig Schießtraining. „Und auch nicht jeder Polizist ist dafür gemacht, ins Schwarze zu treffen.“

Von Marco Paetzel

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