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Positive Bilanz: „Willkommen in Birkenwerder“

Helfer brauchen Hilfe Positive Bilanz: „Willkommen in Birkenwerder“

Insgesamt rund 150 Asylbewerber leben derzeit in Birkenwerder. Seit August kümmert sich Initiative „Willkommen in Birkenwerder“ mit aktuell rund 200 Helfern um die Geflüchteten. Obwohl die Freiwilligen mitunter an ihre Grenzen kommen, zieht Hiram Villalobos von der Koordinierungsgruppe eine positive Bilanz der vergangenen Wochen.

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Hiram Villalobos engagiert sich in Birkenwerder für Flüchtlinge.

Quelle: Helge Treichel

Birkenwerder. Insgesamt 140 Asylbewerber sind in den vergangenen Wochen in den beiden Sammelunterkünften in Birkenwerder aufgenommen worden. Weitere zirka zehn alleinreisende Jugendliche sind nach Auskunft aus dem Rathaus in einer Wohneinrichtung des Landkreises im Ort einquartiert worden.

Im August war die Initiative „Willkommen in Birkenwerder“ gegründet worden, um das bürgerschaftliche Engagement für Geflüchtete im Ort zu bündeln. Seit dem ersten Zuzug von Flüchtlingen sorgen die derzeit rund 200 Helfer für sprachliche und praktische Unterstützung im Alltag, berichtet Hiram Villalobos, Mitglied der Koordinierungsgruppe. Viel habe man dabei von anderen Initiativen gelernt. Es gab zum Beispiel die Anregung zu einem dreisprachigen Wegweiser, der im November mit einer Auflage von 500 Stück erschien (deutsch, englisch, französisch). Mit dem Begrüßungsheft sollen Flüchtlinge und Asylsuchende in Birkenwerder Antworten auf ihre Fragen bekommen, beispielsweise in den Bereichen Bildung, Sprache, Integration, Gesundheit und finanzielle Hilfen. Weitere Übersetzungen seien nicht erforderlich. „Die meisten Menschen kommen aus arabisch sprechenden Ländern und können gut Englisch“, so Villalobos. Die Initiative habe außerdem eineregelmäßige Rechtsberatung mit einem Anwalt organisiert. Denn selbst die Akademiker unter den Helfern hätten oft Schwierigkeiten die Schreiben von irgendwelchen Ämtern an die Geflüchteten zu verstehen und somit zu erklären.

Freiwillige gehen an ihre Grenzen

Bei ihrer Arbeit gingen die Helfer bis an ihre Grenzen. Speziell bei der Organisation komme es mitunter zu Überforderungen, „weil wir ja alle berufstätig sind“. Mit konsequenten Arbeitsstrukturen soll dem begegnet werden., sagt der Mitbegründer der Willkommensinitiative. Dennoch dürften die ehrenamtlichen Helfer nicht alleine gelassen werden. Die professionellen Sozialarbeiter könnten ihre Aufgaben derzeit kaum bewältigen, aber die Ehrenämtler seien zum Beispiel im Umgang mit traumatisierten Menschen nicht geschult und benötigten deshalb selbst ein Coaching. Perspektivisch müsse zudem bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.

Wichtiger Raum für Begegnungen

Hiram Villalobos begrüßt die Entscheidung der Gemeindevertretung, ein ungenutztes Gebäude in der Geschwister-Scholl-Straße als geplante Fahrradwerkstatt zur Verfügung zu stellen. Damit werde auch ein wichtiger Begegnungsraum geschaffen, der in der benachbarten Sammelunterkunft mit derzeit 40 Bewohnern schmerzlich fehle. Da keine Sanierung geplant ist, sondern zunächst nur das Notwendigste gemacht werden soll, hoffe er auf einen zeitnahen Start: „Wir rechnen damit, schon im Februar, März etwas anfangen zu können“, sagt der Helfer. Rund 20 Fahrräder seien bereits gespendet worden, dazu von einem Fahrradhändler zwei Paletten mit Zubehör und Werkzeugen, die derzeit noch im Rathauskeller eingelagert seien.

Fehlender Internetzugang erschwert Kommunikation

Die Zusammenarbeit mit den Behörden laufe sehr gut, bilanziert Villalobos. Eine „unglaublich positive Erfahrung“ sei ein Seminar der Arbeitsagentur mit rund 40 Geflüchteten gewesen. Gut gelöst sei die Beschulung von inzwischen sieben Kindern. Eng sei auch die Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Gemeinsam mit der Kreisbehörde und allen OHV-Initiativen sei ein Runder Tisch ins Leben gerufen worden, um die Themen Wohnen, Arbeit, Sprache und Integration ganz konkret zu besprechen.

Ein Internetzugang indes stehe in den Unterkünften noch nicht zur Verfügung, was nicht nur den Kontakt in die Heimat und zu den Familienangehörigen sehr erschwere, sondern auch die Kommunikation mit den Helfern. Ebenso unverständlich sei, dass die Geflüchteten eine Rechnung für Rundfunkgebühren erhalten.

Dennoch fällt die Bilanz von Villalobos insgesamt positiv aus. In der Nachbarschaft der Unterkünfte herrsche inzwischen Normalität, negative Erfahrungen gebe es nicht. Anfängliche Vorurteile hinsichtlich Krankheiten, Kriminalität oder der Belästigung von Frauen „sind nicht eingetreten“, sagt Villalobos.

Von Helge Treichel

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