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Postraub nach 17 Jahren vor Gericht

Birkenwerder Postraub nach 17 Jahren vor Gericht

Ein 42-jähriger Rumäne muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht in Neuruppin verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die Postfiliale in Birkenwerder überfallen und dabei gut 53 000 DM erbeutet zu haben – vor 17 Jahren.

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Der Ort des Geschehens in Birkenwerder. Bis Mitte Oktober 2003 hatte die Post hier ihre Räume.

Quelle: Helge Treichel

Birkenwerder/Neuruppin. Irgendwann holt einen die Vergangenheit ein. Diese Erfahrung machte nun auch Denis Gabriel S. Der 42-Jährige soll gemeinsam mit anderen Männern im April 2000 die Poststelle in der Clara-Zetkin-Straße in Birkenwerder, einen Monat später die Postfiliale in Eichwalde überfallen haben. Wegen zweifachen schweren Raubes hat die Staatsanwaltschaft ihn angeklagt.

Seit Dienstag muss sich der Rumäne vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Im April dieses Jahres wurde er von Rumänien nach Deutschland ausgeliefert. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Seine damaligen Mittäter, soweit bekannt, wurden bereits verurteilt. Bei Denis Gabriel S. gestaltete sich das offenbar nicht so einfach. Er saß in Rumänien im Gefängnis, dann verbüßte er eine Strafe in Frankreich. Nun droht ihm eine Haftstrafe in Deutschland. Das weiß er seit Langem, wie sein Verteidiger sagte.

Trotzdem redete der Angeklagte nicht um den heißen Brei herum. Er steht zu dem, was er gemacht hat. An Einzelheiten hat er keine Erinnerung mehr.

„Er räumt die Taten weitestgehend ein“, sagte sein Verteidiger. Er hat eine Einlassung im Namen des Angeklagten verlesen. Demnach lebte Denis Gabriel S. zur Tatzeit bereits seit einigen Jahren in Deutschland. Er war stark drogenabhängig, vornehmlich nahm er Kokain. Um seine Sucht finanzieren zu können, beging er Einbrüche. Er hatte zwar eine deutsche Lebensgefährtin, mit der er einen mittlerweile 20-jährigen Sohn hat, seine sozialen Kontakte bestanden aber hauptsächlich zu Landsleuten. Wie er über seinen Verteidiger mitteilen ließ, traf im Frühjahr 2000 eine Gruppe Rumänen in Deutschland ein, aus seinem Heimatort. Ihr Ziel war es, so der Angeklagte, hier Straftaten zu verüben.

Die Berichterstattung in der MAZ vor 17 Jahren

Die Berichterstattung in der MAZ vor 17 Jahren. Bereits zwei Tage nach der Tat wurden Phantombilder veröffentlicht.

Quelle: Helge Treichel

Er schloss sich der Gruppe an. Anders als von der Staatsanwaltschaft angeklagt, will er nur die jeweiligen Tatorte abgesichert haben, nicht aktiv geworden sein. Das sei seine Aufgabe gewesen. Mehr nicht.

Laut Anklage soll Denis Gabriel S. mit zwei Mittätern am 25. April 2000 um 15.18 Uhr die Poststelle in Birkenwerder betreten haben. Während einer der Räuber einen Postbeamten mit einem Revolver bedrohte und ihm unter anderem sein Bargeld abnahm, forderten die beiden anderen den zweiten Mitarbeiter mit vorgehaltener Pistole auf, ihnen den Tresorschlüssel und Geld zu geben. „Schlüssel, Geld. Schnell, schnell“, sollen sie gerufen haben. Mit 53 291,34 DM konnten die Täter fliehen.

Wie der Angeklagte sagte, handelte es sich bei den Überfällen nicht um echte Pistolen, sondern um Schreckschusswaffen. Die Wirkung bei den Opfern war offensichtlich die gleiche: Sie hatten Todesangst.

Aus Angst um ihr Leben öffnete eine Postmitarbeiterin den Tresor, als am 9. Mai 2000 der Angeklagte und fünf Mittäter in der Postfiliale in Eichwalde vor ihr standen. Zuvor war einer der Täter mit einem Paket an den Paketschalter getreten. Nachdem die Frau die Fensterluke geöffnet hatte, sprang er durch die Öffnung in den Kassenbereich. Die Räuber fesselten die Frau im Aufenthaltsraum an die Heizung, einen anderen Postbeamten zwangen sie auf den Boden, wo sie ihn fesselten. Zwei Kundinnen bedeuteten sie durch Vorhalt einer Waffe, sich ebenfalls auf den Boden zu legen. Mit einer Beute von 206 493,31 DM suchten die Täter das Weite. Das Geld wurde aufgeteilt. Glaubt man dem Angeklagten, hat er für beide Überfälle nur etwa 10 000 DM erhalten.

Wie sein Verteidiger sagte, bereue sein Mandant die Taten. „Er weiß seit mehr als zehn Jahren, dass ihm in Deutschland dafür noch eine Strafe droht.“ Wie hoch die sein wird, wird das Urteil zeigen. Zunächst will die Strafkammer am Montag noch Zeugen hören.

Von Dagmar Simons

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