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Powerfrau stemmt 262 Kilogramm

WM-Titel lockt im Herbst Powerfrau stemmt 262 Kilogramm

Sie ist nur 1,60 Meter groß und wiegt 56 Kilogramm. Dennoch hat Anja Schmidt aus Hennigsdorf den Meistertitel im Kraftdreikampf aus Kreuzheben, Bankdrücken und Kniebeugen in ihrer Klasse geholt. Nun lockt der WM-Titel im Herbst.

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Hier stemmt Anja Schmidt 90 Kilogramm im Kniebeugen. Trainer Olaf Schulz gibt Hilfestellung.

Quelle: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Unser Start verläuft holprig. Ich stehe vor dem Hennigsdorfer Fitnessstudio „Ars Vivendi“, hier habe ich gleich einen Interviewtermin mit der neuen deutschen Meisterin im Kraftdreikampf. Eine zierliche Frau drückt die Studiotür auf und fragt, zu wem ich denn wolle. „Ich treffe mich gleich mit dem Mädel, das 100 Kilo gedrückt hat“, sage ich. Mein Gegenüber grinst zu mir hoch. „Das steht vor ihnen!“ Ich sei nicht der Erste, der in ihr keine Kraftsportlerin sieht. „Geht mir eigentlich dauernd so.“

„Ich will weiblich bleiben“

Kein Wunder. Anja Schmidt misst gerade mal 1,60 Meter und wiegt etwa 56 Kilogramm. Das Klischee von der stiernackigen Pumperfrau erfüllt sie damit nicht ansatzweise. „Will ich auch gar nicht. Ich will weiblich bleiben“, sagt die 24-Jährige. Dennoch hat sie am vergangenen Sonnabend in ihrer Gewichtsklasse bis 56 Kilogramm Erstaunliches geleistet. Bei der Meisterschaft des Verbandes United Powerlifting Congress (UPC) in der sächsischen Kleinstadt Eilenburg – rund 300 Sportler waren angereist – hat sie insgesamt 262,5 Kilogramm gestemmt: 100 im Kniebeugen, 45 im Bankdrücken und 117,5 im Kreuzheben. Damit hat die Hennigsdorferin den bisherigen Deutschen Rekord im Kraftdreikampf in ihrer Klasse um 35 Kilogramm überboten. Zudem hat sie im Kniebeugen und Kreuzheben jeweils neue deutsche Rekorde aufgestellt, beim Bankdrücken hat die Kraftsportlerin den bisherigen deutschen Rekord eingestellt. „Das Bankdrücken habe ich auch erst trainiert, als ich von dem Dreikampf erfahren habe“, sagt Anja Schmidt. Da gehe noch viel, viel mehr. Schweiß und Eiweiß vorausgesetzt.

Mit einer Verletzung fing es an

Eigentlich hatte die 24-Jährige mit Kraftsport nichts zu tun. Bis sie sich vor vier Jahren eine schmerzhafte Hüftprellung zuzog, die sie in nahezu jeder Position quälte. „Ein Arzt riet mir, Muskeln aufzubauen, um die Stelle zu entlasten“, sagt Anja Schmidt, die auf dem Veltener Bollhagen-Gymnasium Abitur gemacht hat und vor zwei Jahren aus der Ofenstadt nach Hennigsdorf zog.

Erst trainierte sie nur so vor sich hin, bis die ersten Erfolge kamen, ihr Körper straffer und definierter wurde. „Ich habe gemerkt, dass ich nicht so schwach bin, wie ich dachte“, sagt Anja Schmidt. Mit Personal Trainer Olaf Schulz, ein Schrank von einem Mann, trainierte sie fortan hart. Viermal die Woche für zwei Stunden im Freihantelbereich mit Lang- und Kurzhanteln. Cardiotraining spielt dabei kaum eine Rolle, das Ziel lautet stets: Maximalkraft. Entsprechend schwer waren die Gewichte, die Anja Schmidt stemmte. Dazu bekam sie von ihrem Trainer einen eiweißreichen Ernährungsplan, der den Muskelaufbau unterstützt.

Muskelkater gibt es auch jetzt noch

Nach ihren Rekorden hat Trainer Olaf Schulz neue Übungen eingebaut, um neue Reizpunkte zu setzen. Das merkt Anja Schmidt oft noch Tage danach. „Ich habe ganz schön Muskelkater“, sagt Schmidt, die als Mechatronikerin bei Bombardier arbeitet. Der tut aber gut, weil die Hennigsdorferin weiß, dass sie so ihrem Ziel näher kommt. „Beim Kniebeugen will ich das Doppelte meines Körpergewichtes stemmen.“ Auch beim Kreuzheben will sie nochmal 15 Kilogramm mehr schaffen. Immerhin steht im Oktober die Weltmeisterschaft im Brandenburgischen Herzberg an. Mit ihrem Erfolg am Sonnabend hat sich Anja Schmidt dafür qualifiziert. „Wenn es kraftmäßig nochmal deutlich nach oben geht, dann fahre ich hin“, sagt Anja Schmidt.

Bis dahin hat sie aber noch mehr Turniere. Ende April fährt die Hennigsdorferin zu den Deutschen Meisterschaften des Verbandes PGA nach Tambach-Dietharz, Ende Oktober stehen dann die Süddeutschen Meisterschaft in Oberasbach an. Bei all dem Training für Wettkämpfe ist Anja Schmidt aber eines wichtig: „Mehr als meine 56 Kilo“, sagt das kleine Kraftpaket, „will ich trotz meines Trainings niemals wiegen.“

Von Marco Paetzel

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