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Oberhavel Quartett stahl, was nicht niet- und nagelfest war
Lokales Oberhavel Quartett stahl, was nicht niet- und nagelfest war
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17:56 30.08.2016
Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich zurzeit eine Diebesbande verantworten. Quelle: dpa
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Oranienburg

Der Hochzeitstermin stand bereits fest: Benjamin H. wollte am 8. August heiraten. Romano M. hätte zum 1. Mai bei einer Reifenfirma eine Arbeit aufnehmen können. Doch ihre Festnahme im März dieses Jahres machte diesen Zukunftsplänen einen Strich durch die Rechnung.

Vier Angeklagte und 42 Einbrüche

Seit Montag müssen sich die beiden gemeinsam mit Daniel S. und Florian E. wegen schweren Bandendiebstahls vor dem Landgericht Neuruppin verantworten.

Die vier Männer im Alter zwischen 27 und 33 Jahren aus Velten und Hennigsdorf waren in der Zeit von September vergangenen Jahres bis zu ihrer Inhaftierung im März dieses Jahres in unterschiedlicher Beteiligung auf nächtlichen Diebestouren unterwegs. Insgesamt 42 Fälle wirft die Staatsanwaltschaft dem Quartett vor.

So suchten die Täter in Liebenwalde gleich zwei Mal eine Apotheke auf, entwendeten dort den Tresor mit Bargeld und Medikamenten wie Morphium. In Velten drangen sie unter anderem in eine Physiotherapie-Praxis ein.

Diebe bevorzugten Bargeld

Wählerisch war die Diebesbande nicht, weder bei den Tatobjekten noch bei der Beute. Wo es aus ihrer Meinung nach etwas zu holen gab, brachen sie ein. Ob eine Pizzeria, Yoga-Schule oder Eissalon in Velten, Tanzschulen in Velten und Oranienburg, ein Sportstudio und eine Schwimmschule in Hohen Neundorf: Überall suchten die Täter vornehmlich Bares. So plünderten sie das Sparschwein für Trinkgelder in einer Praxis, ließen Tresore mitgehen, räumten die Tageskassen in Geschäften leer. In Velten entwendeten sie aus einem Elektrogeschäft neben Dampfbügler und Heizkissen auch Geschirrspüler und Einbauherd.

In Velten ließen sich die Diebe in ein Tanzstudio einschließen und durchsuchten dann die Räume. Das lohnte sich. Allein in der Kasse fanden sie 3700 Euro.

Selbst beim Arbeitslosenverband in Oranienburg konnten sie 500 Euro mitgehen lassen. Die Taten liefen laut Anklage immer nach demselben Muster ab: Benjamin H. fuhr seine jeweiligen Komplizen zum Tatort und beobachtete die Umgebung aus sicherer Entfernung. Über Headset war er mit den anderen verbunden, um sie rechtzeitig warnen zu können. Die drangen mit Strumpfmasken, Kapuzenshirt und Handschuhen bekleidet, dann in die Objekte ein. Nach dem letzten Einbruch in ein Ärztehaus in Oranienburg wurden die Diebe in Tatnähe gefasst.

Rechtsgespräch über zu erwartende Strafe

Am ersten Verhandlungstag wollte die Verteidigung erst einmal ausloten, welche Strafen Staatsanwaltschaft und Gericht vorschweben. Rechtsanwalt Uwe Meyer regte im Namen seiner Kollegen ein Rechtsgespräch an. „Wir sind nicht abgeneigt“, sagte die Vorsitzende Richterin Grit Burzer.

Nach ausführlicher Beratung mit allen Prozessbeteiligten teilte das Gericht folgendes mit: Während sich Staatsanwältin Carola Störmer für Daniel S. eine Strafe von dreieinhalb Jahren bis drei Jahren und acht Monaten vorstellen könnte, würde das Gericht nicht mehr als dreieinhalb Jahre verhängen. Für Florian E. wären aus Sicht der Staatsanwaltschaft drei Jahre angemessen, die Richter hielten zweieinhalb bis drei Jahre für ausreichend. Bei Benjamin H. ging die Staatsanwältin von einer Größenordnung von sechs Jahren aus, das Gericht würde nicht über fünf Jahre gehen. Romano M. könnte mit einer Strafe zwischen dreieinhalb und drei Jahren und acht Monaten rechnen. Darin wäre bereits ein vorangegangenes Urteil enthalten.

Das Gericht könnte sich vorstellen, die Haftbefehle von Florian E. und Romano M. außer Vollzug zu setzen, die Staatsanwältin allerdings nicht. Ob die Angeklagten mit diesen vorgeschlagenen Strafen leben können, wird sich voraussichtlich am kommenden Verhandlungstag, 15. September, zeigen.

Von Dagmar Simons

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