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Quietschen und qualmen: Tuner treffen sich

Lehnitz Quietschen und qualmen: Tuner treffen sich

Zum Tuning-Day war für Sonnabend auf das Gelände des TÜV-Fahrsicherheitszentrums in Lehnitz eingeladen worden. 300 Tuner hatten sich angemeldet. Wer hat den stärksten Motor? Die lauteste Hifi-Anlage? Die am tiefsten liegende Karosserie? Darüber beschied eine Jury.

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Der Fahrer holt alles aus dem BMW heraus.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Lehnitz. Der Wagen quietscht und kreischt, als wäre er empört. Rick Brandstätter, der am Steuer sitzt, setzt ihm jedenfalls mächtig zu. Der Motor heult laut auf, als der BMW E 36 beschleunigt und mit 180 Sachen auf die Absperrung zurast. Dem einen oder anderen Zuschauer mag da schon ein wenig mulmig werden. Im allerletzten Moment kriegt er noch die Kurve. Die Reifen quietschen, als der Fahrer mal wieder in die Eisen steigt. Sogleich bricht die Hinterachse des Vehikels aus, zum wiederholten Mal die elegante Drehung, beinahe eine Pirouette, wie einst bei TV-Serien-Detektiv Rockford. Der Boden ist mit schwarzen Bremsspuren übersät, es qualmt, penetranter Brandgeruch steigt in die Nase. „Driften“ nennt man dieses Wegrutschen des Wagens in der Tuningszene.

Die kam vergangenen Sonnabend in Lehnitz voll auf ihre Kosten, auf dem Gelände des TÜV Rheinland Fahrsicherheitszentrums. 300 Tuner hatten sich angemeldet. Jedes ihrer aufgemotzten, chromblitzenden Fahrzeuge war ordnungsgemäß für den Straßenverkehr zugelassen.

Auch das gibt’s

Auch das gibt’s: ein Lack- und-Leder-Fetischist.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Wer hat den stärksten Motor? Die lauteste Hifi-Anlage? Den glänzendsten Lack? Die am tiefsten liegende Karosserie? Darüber beschied eine Jury. Fast jedes Vehikel war eine kleine Sehenswürdigkeit. Da gab es die ostalgisch-nostalgische Rostlaube mit Erich-Honecker-Bild im Kofferraum. Einige Meter weiter hatte sich ein augenscheinlich ein Kunstleder-Fetischist mit Sinn für Ironie ausgetobt. Die Reifen waren entsprechend bezogen, vor der Wagentür warteten ein paar Schlappen auf einer Matte, alles aus demselben Material. Die Tuner sind eben begeisterte Tüftler und Schrauber, erklärt Frank Ließmann. Für die sei das Auto der Lebens-Mittelpunkt, so der Standortleiter des Fahrtsicherheitszentrums weiter.

Bereits am frühen Nachmittag waren mehr als 1000 Besucher zugegen, schätzt Wolfram Stahl, Pressesprecher vom TÜV Rheinland. Ihnen wurde einiges geboten, Service wie Unterhaltung. Neben Beratung bei Umbauten des Kfz, neben Showeinlagen wie dem „Drifting“ wartete auch noch eine Autowasch-Aktion der ganz besonderen Art auf sie. „Bitch“ und „Pink“, wie die zwei extrem leicht bekleideten Damen sich nennen, geben ihr Bestes beim „most sexy Car-Wash“.

Bei dieser Autowäsche  kommt auch der Fahrer nicht zu kurz

Bei dieser Autowäsche kommt auch der Fahrer nicht zu kurz.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Ihr Kunde ist ein junger Mann aus Berlin. Die Ladys greifen zu Schwamm und Eimer, wackeln dabei kräftig mit den Hüften. Liebevoll säubern sie Scheiben und Autodach, weitaus gründlicher gehen sie beim Fahrer vor. Im Nu ist er sein T-Shirt schnell los, dann drückt eine der Damen über ihm den Schwamm aus. Eine Dusche. Sauber? Nein, porentief rein. So gehört sich das, auch wenn die Hose dann klatschnass ist. Zum Trost waschen sie auch den Bereich hinter seinen Ohren. Zu blöd nur, dass er einen Gürtel trägt, denn der wird schnell zweckentfremdet, als Peitsche und Hundeleine. Nach den Hieben führen die beiden Dienstleisterinnen den armen Kerl mal kurz Gassi. Mehr Service geht nicht. Der mutige Kunde, der alles klaglos hinnahm, ist jedenfalls nicht unzufrieden. „War schon in Ordnung“, lautet sein Fazit.

Ein starker Motor verwandelt ein braves Kfz in eine Höllenmaschine

Ein starker Motor verwandelt ein braves Kfz in eine Höllenmaschine.

Quelle: Fritz Hermann Köser

Derweil bringt Rick Brandstätter seinen BMW erneut zum Tanzen, ein spezieller Toyota-Supra-Motor ermöglicht die Raserei. Schwindelig werde ihm nicht beim Fahren, versichert er. Im Gegenteil, „das Gefühl ist total befreiend“. Einen Reifen hat es nach der wilden Tour erwischt, er ist geplatzt. War auch so gewollt, er war ohnehin völlig abgefahren. Rick Brandstätter: „Der Gnadenschuss.“

Von Fritz Hermann Köser

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