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Räuber ist voll schuldfähig

Schildow Räuber ist voll schuldfähig

Da er keinen anderen Ausweg aus seiner finanziellen Misere sah, überfiel ein 56-Jähriger aus Wandlitz vier Netto-Märkte in Schildow, Wandlitz und Berlin sowie einen Drogeriemarkt. Vor dem Landgericht Neuruppin war er umfänglich geständig. Laut Gutachter ist der Angeklagte für seine Taten voll verantwortlich. Ein Urteil wird für Donnerstag erwartet.

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Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich zurzeit ein 56-Jähriger für Raubüberfälle auf Supermärkte in Schildow, Wandlitz und Berlin verantworten.

Quelle: dpa

Schildow. Er hat sein Leben lang viel gearbeitet, kannte kaum einen Feierabend. Trotzdem stand Frank T. Anfang 2015 vor dem finanziellen Ruin. Um die drängendsten Schulden begleichen zu können, entschloss sich der gelernte Fleischermeister, Supermärkte in Schildow und anderen Orts zu überfallen. Am 4. Januar dieses Jahres wurde er in Berlin vor dem Spielcasino am Potsdamer Platz verhaftet, nachdem er bereits von der Polizei observiert worden war. Seit dem 4. Juli muss sich der 56-Jährige aus Wandlitz vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Er gab am ersten Verhandlungstag eine Lebensbeichte ab:

Maskiert und mit einer Schrotflinte bewaffnet überfiel er die Geschäfte jeweils kurz vor Ladenschluss und verlangte Geld. „Er war durchweg entspannt“, sagte ein 21-jähriger Verkäufer des Schildower Netto-Marktes, den sich Frank T. als erstes Objekt ausgesucht hatte.

Angeklagter ist für seine Taten voll verantwortlich

„Frank T. war immer bei der Sache, konzentriert und stand weder unter Alkohol noch Drogen“, sagte der psychiatrische Gutachter Thomas Kasten. Die gesamte Lebenssituation habe Frank T. stark belastet. „Der Angeklagte hat für sich keinen Ausweg mehr gesehen.“ Dabei habe er alle Möglichkeiten abgewägt. Ein Überfall auf einen Geldtransporter erschien ihm mit zu vielen Risiken behaftet. Er entschied sich für Lebensmittelmärkte in Schildow, Wandlitz und Berlin, die er zuvor umfangreich ausgekundschaftet hatte. Eine Alternative, bei der möglichst wenig Schaden angerichtet werden konnte. Denn zum Einsatz der Schusswaffe sollte es nicht kommen – und kam es auch nicht.

Laut Gutachter Kasten ist Frank T. voll verantwortlich für seine Taten. Er ist auch nicht spielsüchtig. Die Geschichte des Angeklagten ist auch für den Sachverständigen „ungewöhnlich“. „So etwas habe ich bei meinen sonstigen Straftätern noch nicht erlebt.“ Offensichtlich fühlt sich Frank T. vom Leben betrogen. Immer hat er gerackert und gerackert, besaß eine Fleischerei mit mehreren Filialen und 130 Mitarbeitern. Dann musste er Insolvenz anmelden, sein Haus wurde zwangsversteigert.

Angeklagter mit dissozialer Seite

„Man hat mir keine Chance gelassen“, äußerte er gegenüber dem Gutachter. Der sah bei Frank T. eine arbeitsame und prosoziale Seite, aber auch eine sehr resignierte und verbitterte. Es müsse aber auch über all die Jahre eine dissoziale Seite gegeben haben wie der Auszug aus dem Bundeszentralregister zeige. Demnach fuhr der Angeklagte über Jahre Auto, ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein. Deshalb wollte er sich am 15. Oktober vergangenen Jahres in Berlin einer Polizeikontrolle entziehen. „Er gab Gas, ich mit Blaulicht hinterher“, sagte der Polizeibeamte. Frank T. fuhr über den Mittelstreifen, ignorierte eine rote Ampel und fuhr rückwärts auf das hinter ihm stehende Polizeimotorrad auf. „Dann war er mit durchdrehenden Reifen auf und davon. So hat er sein Ziel erreicht“, sagte der Beamte. Der erlitt durch den Zwischenfall einen Bandscheibenvorfall und ist noch immer krank geschrieben.

Das Vorstrafenregister des Angeklagten weist überwiegend Verkehrsdelikte auf, bis auf eine Ausnahme. 1987 wurde Frank T. zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er mit einem Kumpel den Supermarkt, in dem er damals arbeitete, überfallen hatte, auch damals aus akuter Geldnot, nachdem er 1986 in Konkurs gehen musste und mit Schulden im fünfstelligen Bereich da stand.

Für Donnerstag werden die Plädoyers und das Urteil erwartet.

Von Dagmar Simons

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