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Oberhavel Rauchen? War nur früher mal cool!
Lokales Oberhavel Rauchen? War nur früher mal cool!
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12:10 21.09.2016
Mit Schockbildern gegen den Raucher-Genuss. Quelle: dpa
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Mühlenbeck

Das Rauchen wird unter Jugendlichen unbeliebter. Die Zigarette ist zu einem Symbol des vergangenen Jahrhunderts geworden. Vor 50 Jahren war sie noch in jedem Spielfilm und jeder Talkshow präsent. In der modernen Zeit des Nichtraucherschutzes und der öffentlichen Rauchverbote ist ihre Beliebtheit zurückgegangen. Der Tabakkonsum stand für den westlichen Lebensstil, für Lässigkeit und industriellen Wohlstand.

In der deutschen Gesundheitspolitik ist die sogenannte „Tabakprävention“ zu einem vordringlichen Ziel geworden. Mit Werbeeinschränkungen, Preiserhöhungen und Abgabeverboten von Tabakprodukten an Kinder- und Jugendliche wird versucht, die Verbreitung des Rauchens unter Jugendlichen zu verringern. Einem Bericht der Bundesregierung zufolge greifen nur noch 7,8 Prozent der Jugendlichen in Deutschland zur Zigarette – um die Jahrtausendwende waren es noch rund 28 Prozent der 12- bis 17-Jährigen.

Auch Lucia (17), Kyra (17), und Bennita (16) hatten als Schülerinnen der Mühlenbecker Käthe-Kollwitz-Gesamtschule mit der Thematik zu tun. „Klar, vielleicht haben wir es auch mal ausprobiert. Aber heute raucht hier niemand mehr“, betonen die Zwölftklässlerinnen.

Bennita, Kyra und Lucia (v.l.) sind Zwölftklässlerinnen der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Mühlenbeck – und allesamt Nichtraucherinnen. Quelle: Nadim Baker

Als sie in der zehnten Klasse waren, war das Rauchen noch stärker verbreitet. Inzwischen raucht aber kaum noch jemand in ihrem Freundeskreis. „Vor zwei Jahren waren knapp weniger als die Hälfte der Schüler in unserer Klasse Raucher“, sagt Bennita aus Glienicke. „Es gab schon eine Art Gruppenzwang. Entweder du warst ein Raucher, oder eben nicht. Dein Freundeskreis und dein Umfeld wurden von dieser Entscheidung bestimmt.“

Vor einiger Zeit hat die Klasse der Schülerinnen an dem bundesweiten Wettbewerb für rauchfreie Schulklassen „Be smart – don’t start“ teilgenommen. Leider haben sie den Hauptpreis, eine finanzierte Klassenfahrt, nicht gewinnen können. „Wir waren wohl zu ehrlich“, scherzt Kyra aus Glienicke. Den allgemeinen Rückgang des Tabakkonsums unter Jugendlichen können die Schülerinnen jedoch bestätigen. „Man merkt, dass es nicht mehr angesagt ist, zu rauchen“, sagt Lucia aus Bergfelde. „Im Alltag bekommt man ja auch den Richtungswechsel zu spüren,der aus der Politik kommt – zum Beispiel wenn auf Bahnhöfen extra Raucherbereiche ausgeschildert sind.“

Schulleiterin Kathrin Haase dagegen hat von dem angeblichen Rückgang des Tabakkonsums wenig bemerkt. Rauchende Schüler seien ein typisches Ärgernis, das kaum vollständig beseitigt werden könne: „Schüler sind nun einmal in dem Alter, in dem sie solche Dinge ausprobieren“, sagt sie. „Jeder Lehrer muss sich damit auseinandersetzen. Besonders betroffen sind bei uns meist die Klassen acht und neun.“

An ihrer Schule geht die Rektorin mit klaren Regeln und pädagogischen Maßnahmen gegen Raucher vor. Werden Schüler beim Rauchen ertappt, informiert die Schule die Eltern. Gegebenenfalls müssen sie an Disziplinarmaßnahmen teilnehmen, und bei wiederholten Fällen kann sogar ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden.

Die Themen „Sucht“ und „Drogenkonsum“ werden an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule mit ihren Schülern während der Projektwochen und im Biologie- oder Chemieunterricht behandelt. „Ich habe den Eindruck, dass die Aufklärungsarbeit gut wirkt“, sagt die Schulleiterin. „Generell habe ich den Eindruck, dass unsere Schüler heute reflektierter mit ihrer Gesundheit umgehen, als noch vor einigen Jahren.“

Auch der Statistik zufolge scheinen die gesundheitspolitischen Maßnahmen und die Aufklärung von Jugendlichen zu funktionieren. Wohin der blaue Dunst in Zukunft weht, oder ob er bald sogar vollständig vom Winde verweht wird, bleibt abzuwarten.

Von Nadim Baker

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