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„Reden ja, aber nicht um jeden Preis“

MAZ-Interview mit GoJump-Chef Mike Vetter: „Reden ja, aber nicht um jeden Preis“

Im Streit um den Granseer Fluplatz sind die Fronten verhärtet: GoJump-Chef Mike Vetter spricht Klaretxt im MAZ-Interview. Er weist die Vorwürfe der Kritiker zurück, die besonders den Fluglärm beklagen. Zugleich warnt er vor einer langwierigen und kostspieligen rechtlichen Auseinandersetzung.

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Mike Vetter vor einem der Flugzeuge.

Quelle: Uwe Halling

Gransee. Mike Vetter ist der Geschäftsführer der GoJump GmbH, der in Gransee ein Fallschirmsprung-Unternehmen betreibt. Sein Geschäft ist vielen Einwohnern von Gransee und umliegenden Orten wegen des Fluglärms ein Dorn im Auge.

MAZ: Fühlen Sie sich eigentlich noch wohl in Gransee?

Mike Vetter: Ich bin jetzt seit mehr als zehn Jahren mit meiner Frau, die von hier kommt, und den Kindern in Deutschland. Ich fühle mich wohl in diesem Land. In Gransee ist es allerdings manchmal anstrengend, weil viele Dinge auch sehr persönlich geworden sind.

Können Sie den Ärger - eigentlich eher den Frust - der Leute verstehen, die vom Fluglärm die Nase voll haben?

Vetter: Es gibt viele Leute, die uns positiv gestimmt sind. Das Flugzeug ist Teil des Fallschirmsports und Lärm ist auch anderswo ein großer Teil unserer freien Gesellschaft, wie Straßenlärm, Motorräder, Rasenmäher. Sicherlich kann ich nachvollziehen, dass es Leute gibt, die nicht gut finden, wenn Flugzeuge in ihrer Umgebung starten und landen. Enttäuscht bin ich vielmehr davon, dass die Stadt versucht, mit Hilfe eines Rechtsanwaltes die Genehmigung des Flugplatzes grundsätzlich und rückwirkend in Frage zu stellen. Eine Genehmigung, die es seit mehr als 20 Jahren gibt und die maßgeblich vom Amt und der Stadt Gransee erarbeitet wurde. Diese Klageschrift kam aus dem Nichts. Das war für mich ein Wendepunkt in der Zusammenarbeit.

Inwiefern?

Vetter: Ich bin jetzt seit neun Jahren hier. Sicherlich gab es in all der Zeit und auch schon früher Widerstand gegen den Flugplatz. Aber so lange ich in Gransee bin, war die Kommunikation immer gut und positiv. Der rechtliche Weg ist jetzt eine andere Qualität. Wir haben bei GoJump zehn festangestellte Leute, insgesamt sind 30 bis 40 Leute bei uns zusätzlich im Sommer beschäftigt. Steuern bezahle ich in Gransee, Berlin und Potsdam und wir haben in den letzten drei Jahren Investitionen im sechsstelligen Bereich mit Firmen aus der Region getätigt. Das sollte man alles dabei nicht vergessen.

Die Bürgerinitiative NoJump sagt unter anderem, dass die Genehmigung für den Flugplatz aus dem Jahre 1992 keine Gültigkeit habe. Etwa deshalb, weil gegen Auflagen verstoßen wurde – unter anderem gegen den Naturschutz. Was entgegnen Sie dem?

Vetter: Das sind an den Haaren herbeigezogene Argumente. Die Region um den Flugplatz ist ein Landschaftsschutzgebiet. Ich beobachte ständig eine große Vielfalt von Tieren, von Vögeln. Das ist für uns manchmal sogar ein Problem, weil sie auch in der Luft sind. Von der Vielfalt der Tiere hat sich nichts verändert. Das hat auch das entsprechende Amt bestätigt. Wirklich nicht nachvollziehbar war die Aussage des Rechtsanwaltes der Stadt Gransee, wonach die ursprüngliche Genehmigung an eine Berliner Vereinsanschrift versandt wurde und damit nicht rechtskräftig sei. Das ist nicht zielführend und schadet dem Prozess der Lärmminderung erheblich.

Und der Lärm, um den es in erster Linie geht?

Vetter: Die BI hat wohl auch schon Messungen gemacht. Wenn man zehn Meter neben dem Flugzeug steht und die Ergebnisse verbreitet, dann hetzt man höchstens die Leute auf. Für Lärmmessungen gibt es ganz klare staatliche Richtlinien, die zu beachten sind und jedes Flugzeug, dass in Deutschland fliegt, hat ein entsprechendes Lärmzertifikat vorzuweisen. Wir haben im Jahr etwa 1500 bis 1600 Starts am Flugplatz Gransee. Ein Lärmgutachten wie vom Amt Gransee gefordert ist bei solchen Zahlen grundsätzlich nicht vorgesehen und nicht zwingend. Wenn dies vom Luftamt aber so in Auftrag gegeben würde, müssten wir das entsprechend prüfen. Übrigens reagieren wir seit Anfang 2014 darauf, wenn es Beerdigungen gibt. Wir erhalten wöchentlich die Info, wo diese stattfinden und ändern dann für jeweils anderthalb Stunden unsere Start- und Landerichtung und die entsprechenden Flugrouten. Wir haben ein Bürgertelefon eingerichtet und eine E-Mail-Adresse, damit man uns erreichen kann.

Wie reagieren Sie auf die Vorwürfe?

Vetter: Bis zur Klageschrift des Amtes Gransee hatten wir eine sehr positive und zielführende Kommunikation mit den verschiedenen Parteien. Wir bewegen uns bei unser Operation immer auf rechtlichen Grundlagen. Wenn das nun rechtlich angefochten wird, werden wir uns mit rechtlichen Mitteln dagegen wehren. Schlussendlich verursacht das nur viele Kosten für alle und bringt der Bevölkerung beim Lärmschutz leider kein Ergebnis, dass auf kommunikativer Art zu erreichen wäre, auch wenn das durch die BI immer wieder so kommuniziert wird.

Die Bürgerinitiative fordert einen eingeschränkten Flugbetrieb an Sonn- und Feiertagen. Wäre das denkbar?

Vetter: Wir sind ein mittleres Wirtschaftsunternehmen, das im Dienstleistungsbereich tätig ist. Unsere Gäste möchten naturgemäß zu 80 Prozent am Wochenende springen. Deshalb ist eine Einschränkung an diesen Tagen fast unmöglich ohne wirtschaftliche Einbußen. Solange die Klageschrift des Amtes Gransee aufrechterhalten bleibt, ist das kein Thema.

Derzeit wird von Ihnen ein Lärmgutachten verlangt. Werden Sie es machen lassen?

Vetter: Die Luftbehörde überlegt offenbar, ob es das Gutachten einfordern wird. Wenn diese Forderung auf dem Tisch liegt, werden wir das rechtlich prüfen lassen und dann sehen ,was notwendig ist. Die Kosten dafür belaufen sich auf zirka 5000 Euro. Wer diese zu tragen hat, ist auch noch nicht geklärt.

Ein weiteres Thema sind die Flugrouten, die zeitweise einseitig sein sollen. Ist daran etwas zu ändern?

Vetter: Wir ändern die Routen regelmäßig. Lediglich beim Landeanflug können wir nicht viel machen. Das Flugzeug sinkt zudem mit tiefer Propeller-Drehzahl ab, so dass hier ebenfalls viel weniger Lärm entsteht, uns aber gleichzeitig mehr Flugzeit und damit Kosten verursacht. Dies tun wir auf freiwilliger Basis und im Sinne des Lärmschutzes.

Seit Dezember 2014 existiert eine Arbeitsgruppe „Flugplatz Gransee“, in der Sie auch einen Platz hatten. Sie verzichteten. Das ist doch aber die Gelegenheit, mit Reden einer Lösung näher zu kommen. Warum nutzen Sie diese Chance nicht?

Vetter: Ich sehe mittlerweile keinen Sinn mehr darin, stundenlang in Versammlungen zu sitzen mit Personen, die mit einem Anwalt versuchen, den Flugbetrieb in Frage zu stellen. Das sind Angriffe gegen unsere Existenz und die können wir nicht durch Besprechungen abwenden, sondern ebenfalls auf der rechtlichen Basis. Ich bin fürs Reden, aber nicht mit anwaltlichen Drohungen im Hintergrund. Das ist keine Basis.

Wenn es doch noch einmal zum Gespräch kommen sollte - so ist Ihre Forderung - dann nur, wenn die Klageschrift zurückgezogen wird?

Vetter: Ja. Der Ball liegt jetzt auf der Gegenseite. Wir können nicht im Grundsatz über die Existenz des Flugplatzes und damit unseres Unternehmens sprechen. Ich denke, dass versteht jedermann. Gespräche sind immer die bessere Form als gerichtliche Auseinandersetzungen. Das demokratische Recht der freien Meinungsäußerung halte ich als Schweizer übrigens als das höchste Gut überhaupt, was wir uns alle erarbeitet haben. Und diesen Dialog sollten wir nicht durch Anwälte zerstören – auch wenn die Meinungen in diesem Fall teilweise weit auseinander liegen.

Interview: Stefan Blumberg

Von Stefan Blumberg

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