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Rente im Sinkflug

Hennigsdorf Rente im Sinkflug

Auf Einladung des DGB diskutierten die Bundestagskandidaten Petra Budke (Grüne), Benjamin Grimm (SPD) und Harald Petzold (Linke) am Mittwoch im Hennigsdorfer Stadtklubhaus über die Zukunft der Rente. Wenn es so weitergeht, droht vielen Menschen die Altersarmut. Die Rezepte der Parteien klingen ähnlich.

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Benjamin Grimm (SPD), Harald Petzold (Linke) und Petra Budke (Grüne, v.l.) diskutierten über die Rente.

Quelle: Foto: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Dann meldet sich Ilona Löwe, greift nach dem Mikro. Sie müsse noch acht Jahre arbeiten, sei nie arbeitslos gewesen. „Aber wenn ich meinen Rentenabschluss sehe, kriege ich das Kotzen“, so die Wachfrau (56). Von einer kleinen Rente müssten auch steigende Mieten und Strompreise bezahlt werden, von anderen laufenden Kosten ganz zu schweigen. „Wie hoch soll dann die Rente für ein gutes Leben ohne Sorgen sein?“, wollte Löwe wissen. Auf dem Podium im Stadtklubhaus standen am Mittwoch bei einer Veranstaltung des DGB zum Thema Rente drei Bundestagskandidaten für Oberhavel, die ihr darauf antworten sollten.

Gekommen waren Petra Budke (Grüne), Benjamin Grimm (SPD) und Harald Petzold (Linke). Er tat sich am leichtesten mit der Antwort, schließlich hat die Linke eine so genannte solidarische Mindestrente von 1050 Euro in ihr Konzept geschrieben, das Rentenniveau – also das Verhältnis der Rente nach 45 Jahren Arbeit zum Durchschnittseinkommen – solle auf 53 Prozent angehoben werden. Die anderen beiden Kandidaten taten sich schwerer. Die Rente müsse deutlich über ALG-II-Niveau liegen, so Petra Budke. Es sei noch nichts beschlossen, allerdings werde sich die Höhe etwa um die 950 Euro bewegen. „Ganz so großzügig wie die Linkspartei sind wir nicht mit Steuerversprechungen.“ Da grummelte es schon deutlich im Klubhaus, vielen Gästen – die meisten Gewerkschaftsmitglieder – reichte diese Zahl offenbar nicht aus. Dann durfte auch SPD-Mann Benjamin Grimm etwas sagen, auch wenn er sich das Wort erkämpfen musste. Am Ende eines Arbeitslebens zum Amt zu müssen, das dürfe nicht sein. „Deshalb finde ich es gut, dass es die Solidarrente geben soll, wo wir sagen, die soll zumindest zehn Prozent über der Grundsicherung liegen.“ Das Rentenniveau solle auf 48 Prozent festgelegt werden. Höher hätte Grimm es gerne, aber das Geld müsse ja auch irgendwo herkommen.

Vorne die Politik, an den Tischen die Bürger – es war eine teils harte Diskussion im Stadtklubhaus, bei der die Moderatorin und Journalistin Tina Groll ständig das Mikro weitergeben musste. Kein Wunder: Die nackten Zahlen sind besorgnisserregend. Die Rente befindet sich seit Jahren im Sinkflug, jeder 30. Rentner ist heute auf Grundsicherung im Alter angewiesen. „Auf absehbare Zeit wird sich diese Zahl verzehnfachen, die Altersarmut wird heftig zunehmen“, warnte Christian Hoßbach, Stellvertretender Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg.

Das sieht auch Detlef Krebs (SPD), Stahlwerks-Betriebsrat und Stadtverordneten so. Man dürfe aber nicht Alt und Jung gegeneinander ausspielen. Die SPD müsse zu ihren Fehlern der Vergangenheit stehen und sie korrigieren – unter anderem den Werksverträgen, die die Löhne und am Ende das Rentenniveau drücken. Auch die sachgrundlose Befristung müsse weg. „Es nützt dagegen nichts, wenn die eine Partei die andere in der Rente nur mit 50 oder 100 Euro überbietet“, so Krebs. Einen Seitenhieb gab es noch gegen den CDU-Kandidaten Uwe Feiler, der wegen eines anderen Termins fehlte. „Die CDU geht ohne ein Rentenkonzept in den Wahlkampf und verschiebt alles auf danach, das ist dem Wähler gegenüber nicht fair“, kritisierte Benjamin Grimm. Dafür gab es Applaus.

Von Marco Paetzel

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