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Rentnertruppe mit letzter Hilfsmission

Gedenkstätte in Sachsenhausen Rentnertruppe mit letzter Hilfsmission

Ehemalige Berufsschullehrer aus Bremen engagieren sich aktuell wohl letztmalig in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Seit fünf Jahren bessern sie Fassaden aus, kitten Fenster und streichen Türen. Doch nun ist für die teilweise über 70-Jährigen Schluss. Bedauern liegt aber nicht in der Luft, eher Tatendrang.

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Porenglatt: Helmrich Büsing verschließt die Luftporen der Betonziegel, welche die Ruheständler selbst gegossen haben.

Quelle: Marco Winkler

Oranienburg. Wenn Rolf Behrens auf der Leiter steht und den Farbroller schwingt, sieht das federleicht aus – kein Klecks Farbe geht daneben. „Gelernt ist gelernt“, so der 78-jährige Handwerker und ehemalige Berufsschullehrer. Zusammen mit weiteren Kollegen im Ruhestand aus Bremen ist er diese Woche wohl ein letztes Mal in der Gedenkstätte Sachsenhausen in einer Hilfsmission unterwegs.

Zum fünften Mal engagieren sich die einstigen Lehrer des Schulzentrums in der Alwin-Lonke-Straße in Bremen, bessern Fassaden aus, streichen Wände, lackieren Türen – und stellen in der ehemaligen Häftlingswäscherei sogar Betonziegel her – für Abdeckung der mehrer Kilometer langen und äußerst maroden Mauer, die ums Areal führt. „Alles wird selbst gegossen“, erzählt Helmrich Büsing. Verlegen werden die Männer sie aber nicht. „Das machen im Herbst die Schüler.“

Zeigt Einsatz

Zeigt Einsatz: Achim Dziggel bessert eine Treppe aus, verputzt und verspachtelt sie.

Quelle: Marco Winkler

Seit 1994 besteht eine enge Verbindung zwischen dem Bremer Schulzentrum und der Gedenkstätte. Neben den Ex-Lehrkräften, die seit fünf Jahren in einer „Rentnertruppe“ nach Oranienburg kommen, helfen jedes Jahr im Herbst Berufsschüler aus Bremen und Brandenburg. Hier lernen sie an den 80 Jahre alten Gebäuden, wie man alte Handwerkstechniker anwendet. „Das ist noch richtig traditionelles Handwerk“, so Peter Herbst.

Dabei geht es für die Schüler auch um die Erfahrung. „Historisches Lernen ist ein wichtiger Aspekt“, so Stiftungssprecher Horst Seferens. Die Schüler nehmen an Rundgängen teil, beschäftigen sich mit der Geschichte, treffen Zeitzeugen. „Bewusst lernen und arbeiten“ ist die Divise. „Die Auszubildenden gehen teilweise sehr betroffen nach Hause“, so Peter Herbst. Die Finanzierung des Schülerprojekt ist für drei weitere Jahre gesichert.

Malerarbeiten in der ehemaligen Häftlingswäscherei

Malerarbeiten in der ehemaligen Häftlingswäscherei: Horst Müller-Kuntzer (auf der Leiter) und Heiko Eichhorn schwingen die Pinsel.

Quelle: Marco Winkler

Die„Seniorengruppe“ bricht ihre Zelte jedoch dieses Jahre ab – das wollten sie schon im vorigen Jahr. Doch Günter Morsch, Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte, hätte sie noch einmal überreden können, ein Jahr dranzuhängen, so Hans-Joachim Gries. „Er wollte ja auch dieses Jahr schon aufhören.“ Aber: Günter Morsch bleibt noch bis Mitte 2018. Die zwölf Herren aus Bremen, alle um die 70 Jahre und älter, haben einen Punkt erreicht, wo der Arbeitseinsatz körperlich zu anstrengend wird. Bedauern liegt während der Arbeit jedoch nicht in der Luft, eher Tatendrang, noch einmal ranzuklotzen.

In der ehemaligen Pathologie werden morsche Türen ausgebessert, Achim Dziggel verspachtelt eine Treppe der einstigen Häftlingswäscherei: „Die Fenster haben wir in den letzten Jahren alle saniert.“ Arbeit gäbe es für die älteren Herren noch genug. Doch sie haben ihren Ruhestand verdient. Jetzt ist der Nachwuchs wieder am Zug.

Von Marco Winkler

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