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Oberhavel Restaurantinhaber lädt Flüchtlinge ein
Lokales Oberhavel Restaurantinhaber lädt Flüchtlinge ein
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00:27 26.12.2015
Bürgermeister Stephan Zimniok half beim Servieren mit. Quelle: Helge Treichel
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Birkenwerder

Rund 120 Gäste nahmen an dem Weihnachtsgansessen teil, zu dem Henrik Lehmann für den 22. Dezember in seine Gaststätte am Boddensee eingeladen hatte. „Mit 94 Menschen hatten wir gerechnet“, sagte Restaurantmanager Carsten Schild. Dennoch sei natürlich jeder bewirtet worden. Schild stand dabei nicht nur sein eigenes Team zur Seite, sondern auch 20 Helfer, die vor allem beim Kellnern halfen. Mit dabei war neben Mitgliedern der Willkommensinitiative auch Bürgermeister Stephan Zimniok.

Serviert wurde der Klassiker: eine Gänsekeule mit Rot- und Grünkohl sowie Klößen. Zu den Gästen zählten vor allem Flüchtlinge, die in den drei Gemeinschaftsunterkünften in Birkenwerder untergebracht sind – in den Heimen in der Hubertusstraße und Geschwister-Scholl-Straße sowie aus der Wohngruppe eines freien Trägers, der zehn alleinreisende Minderjährige beherbergt. Da viele Familien die Einladung annahmen, zählten mehr als 20 Kinder zu den Gästen. Für die Jüngsten war eine besondere Überraschung vorbereitet: Spender hatten Spielzeug, Kleidungsstücke und Süßigkeiten abgegeben, sodass es auch eine Bescherung gab. Was an diesem Abend noch keine Abnehmer fand, geht an eine hiesige Kleiderkammer.

Für die Flüchtlingskinder war auch eine Bescherung organisiert. Quelle: Helge Treichel

Eine ähnliche Aktion zum Verteilen von Spenden hatte es am Sonnabend in der Pestalozzi-Grundschule gegeben. Daran hätten „sich unheimlich viele Spender“ beteiligt, sagt Ekkehart Weber. Der Mediziner engagiert sich in der Willkommensinitiative Birkenwerder und half sowohl in der Schule als auch beim Weihnachtsessen mit. Sein Beweggrund? „In meinem dritten Lebensjahr war ich mit meinen Eltern auf einem Flüchtlingstreck. Meine Mutter hat mir das intensiv geschildert. Außerdem gleucbe ich, dass unser Land aus der Geschichte heraus insgesamt etwas gut zu machen hat. Hier gibt es Kleidung und Lebensmittel im Überfluss. Wenn ein Großteil der Bevölkerung mitzieht, ist der Flüchtlingsstrom schon zu bewältigen.“

Immer mit einem Lächeln und einem freundlichen Wort auf den Lippen wuselte auch Ute Bartels am Dienstagabend durch das Restaurant. Die Behindertenbeauftragte von Birkenwerder ist Mitglied in der Koordinierungsgruppe der Willkommensinitiative und kümmert sich als Sprachwissenschaftlerin seit rund 20 Jahren um die Alphabetisierung und Deutschunterricht als Fremdsprache. In Birkenwerder gibt sie Familienunterricht. Und natürlich gebe es auch unter den Geflüchteten Menschen mit Handicaps, denen sie helfen könne.

Wichtige Botschaft: Birkenwerder heißt Flüchtlinge willkommen

Mit seinem Einsatz als Kellner wolle er zu einer wichtigen Botschaft beitragen, sagte Gemeindevertreter Peter Ohme (Fraktion Birke). Birkenwerder wolle sich mit seiner Willkommenskultur und sozialen Einstellung von anderen Kommunen abheben. Bisher sei die Aufnahme von Flüchtlingen „sehr harmonisch“ und „ohne Auffälligkeiten“ gelaufen. „Ich hoffe, dass das so bleibt“, sagt Ohme, der von der Aktion in der Zeitung gelesen hatte und sich sofort zur Verfügung stellte.

Zu den Gästen des Abends gehörte die 20-jährige Sara Al Mukdad, die mit ihrer Mutter Najwa und drei Nachbarskindern erschienen war. Der Abend sei schön und das Essen sehr gut, sagen die syrischen Frauen. In Birkenwerder begegne ihnen sehr viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Die Flüchtlingen brauchten nach ihren Kriegserlebnissen solche positiven Erlebnisse und Erfahrungen, sagt die Sara Al Mukdad, die in Syrien ihr Abitur gemacht hat und in Deutschland liebend gern Medizin studieren würde. Seit Mai hat sie die deutsche Sprache bereits so gut gelernt, dass sie regelmäßig dolmetscht. Und so übersetzt sie auch die offiziellen Dankesworte eines Gastes für das Essen und die Geschenke sowie seine Worte über die größte Hoffnung der Flüchtlinge: „Wir wollen nur ein nomales Leben führen, mit guter Arbeit, einer guten Wohnung und in einer guten Gemeinschaft.“

Von Helge Treichel

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