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Oberhavel Rhythmus im Blut
Lokales Oberhavel Rhythmus im Blut
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00:18 18.03.2017
„Cross Over“ vor einem Auftritt im vergangenen Jahr. Quelle: Chor
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Hohen Neuendorf

Der Rhythmus elektrisiert und nötigt Respekt ab. „Nur noch kurz die Welt retten“, dieser Song von Tim Bendzko ist Rhythmus pur und vierstimmig a capella gesungen eine Herausforderung. Da muss jedes Wort mit der richtigen Mundstellung zum richtigen Zeitpunkt herausgeschleudert werden. „Ihr müsst eine Mordsenergie aufbauen, die sich dann in einem hohen Ton entladen kann“, treibt Chorleiter Sven Ratzel seine 32 Sängerinnen und sieben Sänger an. Er springt zwischen Keyboard und Sängern hin und her, bewegt sich dabei im Rhythmus der Musik und gibt Zeichen mit den Armen und Händen. Diese Zeichen bezeichnet er als „vocal painting“. Damit gestaltet er Musik, sagt die Lautstärke an und die Geschwindigkeit, zeigt ganze Melodien an.

Der 34-Jährige ist ein Energiebündel, leitet sieben Chöre, singt selber in einem und ist dabei, einen weiteren zu gründen, „bei dem das musikalische Ergebnis oberste Priorität hat“. Es soll ein halbprofessioneller Chor für notensichere Sängerinnen und Sänger werden, etwa für Musikstudenten, die dazulernen wollen, erklärt Ratzel. Er sang schon als Kind im Chor, spielt seit seinem 9. Lebensjahr Klavier, absolvierte ein Schulmusik-Studium und eine Chorleiterausbildung. Vom Lehramt wandte er sich ab und konzentrierte seine berufliche Laufbahn ganz auf die Arbeit mit Singbegeisterten. Seit vergangenem Jahr absolviert er eine Ausbildung in Dänemark in „Vocal Leadership“ an der Royal Academy of Music in Aarhus. Mit dieser laut Ratzel in Deutschland nicht zu findenden Ausbildung möchte er in Zukunft die Chorlandschaft Berlins und darüber hinaus bereichern und den Begriff „Rhythmischer Chor“ in Deutschland als Abgrenzung zum „Klassischen Chor“ etablieren.

Sven Manuel Ratzel leitet den Chor Cross Over und gibt Zeichen mit Armen und Händen. Damit gestaltet er Musik, sagt die Lautstärke an und die Geschwindigkeit, zeigt ganze Melodien an. Quelle: Enrico Kugler

Auch den Hohen Neuendorfer Chor „Cross Over“ bezeichnet er als rhythmischen Chor. Dieser singe Songs der verschiedensten Musikrichtungen, jedoch mehr in Richtung Pop. Ratzel spricht von „Weltmusik“ mit Texten in deutsch, spanisch oder englisch und portugiesisch. Doch das Hauptmerkmal der Musik, die „Cross Over“ präsentiert sei das rhythmische Element. „Cross Over“ sei kein klassischer Chor.

Dass er musikalische Grenzen überqueren möge, das hatten die zehn Gründungsmitglieder vor zehn Jahren mit der Namenswahl „Cross Over“ angezeigt. Sie strebten einen kompakten Sound mit viel Drive und Swing an, erklärt Sängerin Jutta Makowski aus Hohen Neuendorf. Sie stieß gleich nach Gründung des Chors zu „Cross Over“ und ist diejenige, die den Chormitgliedern beim Erlernen eines jeden neuen Songs einen Bärendienst erweist. Denn sie gibt die Noten jeder Stimmlage in ein Computerprogramm ein und erstellt akustische „Teach-me“-Dateien zum Nachsingen. Damit können die Sängerinnen und Sänger aus den Gruppen Sopran, Alt, Tenor oder Bass die Melodie ihrer Stimmlage nachsingen. Sehr hilfreich für die Chormitglieder, die nicht sicher Noten lesen können. Überhaupt schwören die Sangeslustigen auf den Teamgeist des Chores. Susanne Bunk aus Hennigsdorf sagt: „Ich mag die Gemeinschaft im Chor. Er ist für mich wie eine zweite Familie, die die Höhen und Tiefen im Leben teilt.“ Zu guter Gemeinschaft trägt auch bei, dass die Chormitglieder einmal im Monat ihre Probe bei ihrem Lieblingsitaliener ausklingen lassen. Auch bei Probenwochenenden, bei Sommer- und Weihnachtsfeier bleibt neben dem intensiven Proben viel Zeit für Gespräche und Spaß.

Jeden Dienstag wird von 20 bis 22 Uhr im Amariter-Seniorenheim in Hohen Neuendorf geprobt. Denn so langsam rücken die Jubiläumskonzerte anlässlich des 10. Geburtstags vom Chor näher. Eines findet am Sonnabend, 24. Juni, um 19 Uhr im Friedrich-Wolf-Haus in Lehnitz statt, das andere Konzert am Sonnabend, 8. Juli, im 16 Uhr in der Kirche in Hohen Neuendorf.

Übrigens wird den Männern im Chor der sprichwörtliche rote Teppich ausgerollt. Denn sie sind in deutlicher Minderheit. Der Chor sucht Zuwachs bei den Männerstimmen in Tenor und Bass. In Sopran und Alt ist er gut besetzt, in diesen Stimmlagen werden keine neuen Sängerinnen aufgenommen. Aber irgendwie finden sich keine Männer, die im Chor singen wollen. „Die wissen nicht, was ihnen entgeht“, witzelt Sänger Dag Tjaden.

Von Marion Bergsdorf

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