Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Risiken und Nebenwirkungen befürchtet
Lokales Oberhavel Risiken und Nebenwirkungen befürchtet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 15.01.2018
Blick von der Hohen Neuendorfer „Himmelspagode“ auf die Oranienburger Straße, die zum Entwicklungsgebiet werden soll. Quelle: Enrico Kugler
Hohen Neuendorf

In der Stadt gibt es Pläne für eines der größten Stadtentwicklungsprojekte seit 1990: Im Gebiet nördlich der Bahnlinie sollen beiderseits der Oranienburger Straße soll bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, insbesondere für die Bevölkerungsgruppen mit der größten Nachfrage: junge Familien und Senioren. Für Brachflächen, Kleingartenanlagen sowie öffentliche und private Grünflächen soll eine planerische Rahmenstruktur geschaffen werden. Gleichzeitig werden die Konsequenzen für die Infrastruktur betrachtet.

Vor diesem Hintergrund haben zum Jahreswechsel Ilona und Karl-Martin Salz einen Offenen Brief an die Stadtverordneten gerichtet. Als unmittelbar von dem Projekt des „Grünen Stadtquartiers“ betroffene Einwohner des Gebieten möchten sie ihre kritischen Gedanken äußern und betonen: „Wir wollen aber nicht unsere Eigentümerinteressen in den Vordergrund rücken, sondern Aspekte des Projektes betrachten, die alle Bewohner des Stadtzentrums und darüber hinaus betreffen.“ Insgesamt sieben Thesen vertritt die Familie.

Erstens: „Die Voruntersuchung ist auf einen unnötigen und gefährlich großen Bevölkerungszuwachs ausgelegt.“ Bisherige Prognosen gingen von einem Zuwachs bis 2030 um sieben Prozent aus – durch das Verdichten bestehender Wohnflächen. Durch die geplante Entwicklungsmaßnahme kämen bis zu 3000 Menschen zusätzlich in die Stadt, also gut 20 Prozent der heutigen Einwohnerschaft – „auf engstem Raum und mit unkalkulierbaren Folgen für die Lebensqualität in der Stadt“.

Brach- und Ackerflächen sollen sukzessive verschwinden. Quelle: Enrico Kugler

Zweitens: „Folge ist eine Überlastung der Verkehrsinfrastruktur.“ Angesichts des Durchschnittswerts von 2016 wäre rund 1600 neuen Pkw im Ortszentrum zu rechnen. Als größtes Problem werde angesehen, dass die Oranienburger Straße die einzige Verkehrsanbindung ist, „da das Planungsgebiet von Bahnlinien, Friedhof und vorhandenen Wohngebieten eingeschlossen ist“.

Drittens: „Folge ist eine Überforderung der bestehenden Infrastruktur in den Bereichen Kinderbetreuung und Schulwesen sowie der Gesundheitsbetreuung.“ In kurzer Zeit müssten 241 zusätzliche Kitaplätze geschaffen werden. Dazu kämen 183 neue Grundschüler, wobei die für den Bereich zuständige Waldgrundschule mit 599 Schülern bereits jetzt ausgelastet sei. Sollten überwiegend Familien zuziehen, könnten die zahlen noch höher ausfallen. Und: Die Arztpraxen könnten als gut ausgelastet gelten.

Viertens: „Die Bebauung ausgerechnet von ökologisch diversen, bisher naturbelassenen Flächen ist eine Bedrohung für den Schutz von Klima, Artenvielfalt und gesundem Wohnen, denen sich Hohen Neuendorf als „grüner I-Punkt von Berlin“ nach seiner eigenen Darstellung verschrieben hat.“

Bürger sind zu den Plänen gefragt

Mit einer Informationsveranstaltung in der Grundschule Niederheide wurde am 3. Mai 2017 der Auftakt für die Bürgerbeteiligung zum Thema „Grünes Stadtquartier gegeben“.

Vorbereitende Untersuchungen hatten die Stadtverordneten im Ende September 2016 beschlossen.

Das Untersuchungsgebiet beiderseits der Oranienburger Straße weist eine Größe von 35 Hektar aus.

Wer Fragen zum Thema hat, kann sich an die Stadtverwaltung wenden, Fachbereich Bauen, Oranienburger Straße 44.

Fünftens: „Der Plan verfehlt das Ziel, bezahlbaren Wohnraum für alle Hohen Neuendorfer zu schaffen. Sozialwohnungen sind nicht vorgesehen und die Mietpreisentwicklung zeigt durch den Druck aus Berlin nur nach oben.“

Sechstens: „Die Stadt überfordert sich selbst dauerhaft hinsichtlich ansteigender und bleibender Ausgaben für Infrastruktur und Verwaltung. Große Städte mit viel Bevölkerung und wenig Industrie oder Gewerbe sind regelmäßig ärmer als kleinere Kommunen mit mehr Industrie oder Gewerbe.“

Siebentens: „Die Finanzierung und der finanzielle Nutzen der Planung sind fragwürdig. Statt des erhofften Gewinns für die Stadt kann es leicht zu einem erheblichen Minusgeschäft werden.“

Familie Salz bittet die die Stadtverordneten, ihre Haltung dahingehend zu hinterfragen. Entscheidend seien diese Fragen: Welche Vorteile haben die Bürger von Hohen Neuendorf durch das geplante Stadtquartier? Und welche Nachteile und welche Risiken müssen wir dafür in Kauf nehmen? Damit hoffen Ilona und Karl-Martin Salz „zu einem breiteren Diskurs“ beigetragen zu haben.

Von Helge Treichel

Seit 2007 betreibt Norbert Stolley in Kremmen das Lokal „Coldehörn“. Seit mehr als 50 Jahren ist er Koch. Nun hat er ein Buch herausgegeben: „Neeein, sag mir, dass das nicht wahr ist ...“ – mit Erinnerungen und Geschichten.

12.01.2018

Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) ist optimistisch, dass der S-Bahn-Anschluss für Velten bis zum Jahr 2025 gelingen kann. Zudem sollen die Veltener ab 2021 in einem Supermarkt in der Innenstadt shoppen gehen können. Im Gespräch mit der MAZ blickt Ines Hübner auf die großen Zukunftsprojekte.

21.04.2018

Für die Verhandlungen an den Amts- und Landgerichten werden wieder Schöffen gewählt. Ihre Amtszeit ab 1. Januar 2019 dauert fünf Jahre. Vorschläge könne jetzt eingebracht werden

11.01.2018