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Robinien sind dem Tode geweiht

Unbequemes Stadtgrün Robinien sind dem Tode geweiht

Thomas Weber aus Birkenwerder machte dieser Tage im Hohen Neuendorfer Gewerbegebiet eine merkwürdige Entdeckung: Nahezu alle Robinien sind am Stamm beschädigt worden. Eine Nachfrage im Baumamt ergab: Die Bäume sollen bewusst abgetötet werden. Ihre Neigung, extrem auszuschlagen, wurde ihnen zum Verhängnis.

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Der Stamm wurde „geringelt“, um Stock- und Wurzelausschlag zu verhindern.

Quelle: privat

Hohen Neuendorf. Thomas Weber aus Birkenwerder machte dieser Tage im Gewerbe- und Handwerkspark in Hohen Neuendorf eine merkwürdige Entdeckung: Nahezu alle Robinien sind am Stamm beschädigt worden. „Vielleicht gibt es ja einen tieferen Sinn, wenn man gesunde Bäume auf 1,5 m Höhe halb absägt“, schreibt der Geschäftsmann an die MAZ und fügt drei Fotografien zur E-Mail hinzu. Er könne sich gut vorstellen, dass die Stämme dort auch abbrechen werden. Die Anlieger hätten jedenfalls keine Erklärung. „Gesund für einen Baum kann das nicht sein“, ist sich Weber sicher.

Stamm- und Stockaustrieb wird verhindert

Tatsächlich gibt es einen tieferen Sinn für die systematischen Beschädigungen, wie Bau-Fachbereichsleiter Michael Oleck auf Anfrage erläutert. Nach seinen Worten wurden die Robinien „geringelt“. Dies bedeutet, dass im unteren Stammbereich der Bäume die Rinde in einem schmalen Streifen umlaufend entfernt und der Baum einige Zentimeter eingeritzt (geringelt) wird. „Hierdurch werden die Leitungsbahnen durchtrennt und der Transport von Assimilaten in die Wurzeln gestoppt. Der Baum stirbt in der Regel in einem Zeitraum von einem bis drei Jahren ab“, sagt Oleck. Dadurch werde vermieden, dass es zu Stamm- und Stockaustrieben kommt.

Robinien produzierten Stolperfallen auf Gehwegen

Genau das sei das Problem: Im Gewerbegebiet seien durch die in den 1990er-Jahren angepflanzten Robinien erhebliche Schäden an den Gehwegen entstanden. Diese stellten eine beträchtliche Gefahrenquelle dar, insbesondere für Fußgänger, sagt Oleck. Im Zuge der erforderlichen Gehwegsanierungen würden nunmehr auch die Bäume ausgetauscht und durch andere Arten ersetzt – „damit die Verkehrssicherheit in wenigen Jahren nicht schon wieder beeinträchtigt ist“. Die Arbeiten sollen im Herbst, spätestens jedoch im Frühjahr 2016 beginnen.

Robinien neigen nach einer Fällung zu extremem Stock- und Wurzelausschlag, was sich äußerst negativ auf die Gehwegsanierung auswirken würde, so der Fachbereichsleiter. Um das zu vermeiden, wurden die Bäume geringelt. Beim Ringeln von Robinien handele es sich um eine angewandte Maßnahme des Naturschutzes, da dadurch auf den sonst notwendigen Einsatz eines Herbizides verzichtet werden könne.

Methode mit Tradition

In der Forstwirtschaft wird das Ringeln gezielt bei der Läuterung zur Entfernung unerwünschter Bäume eingesetzt. Diese bleiben, im Gegensatz zu anderen Läuterungen, als Totholz stehen.

Nadelholz wird in der Regel nicht geringelt, da geschwächte Bäume Vermehrungsmöglichkeiten für Borkenkäfer bieten und somit eine Gefährdung des restlichen Bestandes darstellen.

Eine mittlerweile nur noch selten angewendete Methode, Obstbäume schneller zum Vollertrag zu zwingen, ist das Ringeln im Obstbau. Hierbei wird jedoch immer das Überleben der Pflanze angestrebt.

Auch Fraßschäden können eine Ringelung verursachen, wenn das Kambium der Pflanze rundum zerstört wird. Derartige Schäden an jungen Pflanzen in der Forstwirtschaft werden häufig von Mäuseen (Erdmaus, Rötelmaus) oder dem Fichtenrüsselkäfer verursacht.

Von Helge Treichel

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