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Oberhavel Romeo statt Julia
Lokales Oberhavel Romeo statt Julia
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00:17 15.02.2017
Anastacia (r.) stand schon im sechsten Jahr auf der Bühne. Diesmal war sie „Romeo“. Quelle: Foto: Marco Paetzel
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Oranienburg

Zehn Minuten bis zur Aufführung. Anastacia Hummel steht im Umkleideraum im zweiten Stock, geht nochmal ihre Rolle durch. „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, sagt die 12-Jährige. Kein Wunder: Ihre Eltern und viele Bekannte aus ihrer Quedlinburger Straße sind gekommen, die Aula der Havel-Grundschule ist fast voll besetzt. Doch ein bisschen Erfahrung hat sie schon, Anastacia steht im sechsten Stück hier auf der Bühne. In diesem Jahr spielt das Mädchen ausgerechnet Shakespeares Romeo-Figur. Jungs wollten beim Theaterstück nicht mitmachen. „Der Romeo ist doch total cool“, sagt das Mädchen. Gleich beginnt die Vorstellung, das Licht geht aus.

Sieben Monate haben Anastacia und etwa 40 andere Mädchen das Stück „Kontraste“ eingeprobt, auch der Plot stammt aus ihrer Feder. Zwei- bis dreimal die Woche trafen sich die Mädchen im Creativ-Centrum Oranienburg, dessen Räume in der Havel-Grundschule sind. Fünf Pädagogen und drei Ehrenamtliche Helfer haben die Mädchen bei den Proben unterstützt. Koordinatorin Marina Sizov ist stolz auf das Ergebnis. Zu Recht. „Kontraste“ ist ein Stück mit viel Tanz und wenig Text, das trotzdem die ganz großen Themen behandelt. In fünf Szenen stellen die Mädchen Gegensätze wie Liebe und Hass, Arm und Reich oder Leben und Tod dar. In den Plot werden Szenen aus Shakespeares „Romeo und Julia“ oder Goethes „Faust“ verwoben. Zwischen den Tanz- und Gesangseinlagen führt ein Harlekin durch das Stück, seine Texte kommen aus dem Off. „Was kostet das Glück?“, fragt er zu Beginn der zweiten Aktes. Die Zuschauer, vor allem Verwandte der Darstellerinnen, sind angetan, es gibt während der zweistündigen Aufführung oft lauten Applaus.

Die Aufführungen haben lange Tradition, sie finden einmal im Jahr statt. Vor allem Kindern von Sozial Schwachen oder Asylbewerbern wollen die Vereinsmitglieder um Marina Sizov eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermöglichen. „Das ist nicht einfach, viele der Kinder verschwinden plötzlich, wenn die Eltern umziehen müssen.“

Die Unterstützung der Stadt für den Verein, der auch Kurse für Erwachsene bietet, sank drastisch. 2011 gab es 24000 Euro, dieses Jahr sind es noch 3000. Das Creativ-Centrum hält sich für die Theaterprojekte mit einem Förderprogramm des Paritätischen Bildungswerks über Wasser. Marina Sizov will mit aller Macht verhindern, dass die Jugendlichen einen Beitrag zahlen müssen. „In einer Zeit, wo sie viel vor Handy und PC sitzen, müssen wir ihnen weiter die Kultur zeigen.“

Von Marco Paetzel

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