Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Rückwärtsfahren ist ein Tabu
Lokales Oberhavel Rückwärtsfahren ist ein Tabu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 25.03.2018
2,5 Meter breit, 26 Tonnen schwer: das Entsorgungsfahrzeug mit per Joystick gesteuertem Seitenlader. Quelle: AWU/Agentur Finish
Anzeige
Oberhavel

An verschiedenen Orten in Oberhavel flammt immer wieder Bürgerzorn auf, wenn Tonnen mit Hausmüll oder Wertstoffen vom Veltener Abfuhrunternehmen AWU plötzlich nicht mehr direkt vor der Haustür abgeholt werden. Stattdessen müssen dann mitunter längere Wege zu ausgewiesenen Stellplätzen in Kauf genommen werden.

„Das ist seit Jahren ein Thema, das bundesweit für Negativschlagzeilen sorgt“, sagt AWU-Geschäftsführer Manfred Speder. Sein Unternehmen sei immer bemüht, gute Dienstleistungen zu erbringen. „Aber wir haben Vorschriften, und die sind für uns Gesetz.“ Laut der 1979 eingeführten und seit 1991 auch in Ostdeutschland verbindlichen Unfallverhütungsvorschrift Müllbeseitigung dürften Stellplätze nur angesteuert werden, „wenn nicht rückwärts gefahren werden muss“. Bei einigen Stichstraßen und Sackgassen sei aber genau das der Fall und das Problem.

AWU-Geschäftsführer Manfred Speder (r.) und Helge Kosanke. Quelle: Helge Treichel

Helge Kosanke, seit 2006 Sicherheitsfachkraft bei der Abfallwirtschafts-Union Oberhavel GmbH (AWU), verweist auf die Unfallstatistik. Zwischen Mai 2016 und Januar 2017 habe es bundesweit allein acht tödliche Unfälle beim Rückwärtsfahren gegeben: In Cuxhaven starb ein Müllwerker, Müllwagen erfassten und überrollten zumeist ältere Personen in Buggingen-Seefelden, Hamburg, Lüneburg, Böblingen, Oldenburg, Pfaffenhofen und Zwiefalten.

Ausnahmen vom Rückwärtsfahrverbot gebe es nur bei Straßen, die in Oberhavel seit 1991 Bestand haben – und das auch nur unter klar definierten Voraussetzungen, so Helge Kosanke. Danach muss die Fahrbahn eine Mindestbreite von 3,50 Metern haben, die Strecke dürfe maximal 150 Meter betragen und müsse von vorn bis hinten durchgängig einsehbar sein.

Die Technik ist doppelt so schnell und spart eine Million Euro im Jahr. Konnten zuvor rund 200 Behälter pro Schicht geleert werden, so sind es jetzt bis zu 500. Quelle: Bernd Siwek/Finish Werbeagentur

In der Puschkinallee in Hohen Neuendorf zum Beispiel würden diese verbindlichen Voraussetzungen nicht erfüllt, betont Helge Kosanke. Deshalb habe der Vertreter der Berufsgenossenschaft während eines Ortstermins im vergangenen Jahr für diese Stichstraßen ein ausdrückliches Verbot zum Rückwärtsfahren ausgesprochen. Und das, obwohl die Fahrbahnen extra hergerichtet worden waren.

Bei derartigen Vorhaben komme es auf eine rechtzeitige Kommunikation an, appelliert Manfred Speder. Sein Unternehmen, das den Abfall von immerhin rund 62 000 Haushalten im Landkreis entsorgt, beteilige sich gern an Planungsprozessen, um rechtzeitig auf Erfordernisse und Voraussetzungen hinzuweisen. Das sei zum Beispiel auch in Birkenwerder beim Ausbau der Florastraße der Fall gewesen. Jedoch habe dort kein Grundstück für eine Wendeanlage zur Verfügung gestanden. In der Puschkinallee in Hohen Neuendorf könnte ein Wendekreis an den Einmündungen zu den Stichstraßen den Weg zum Stellplatz wenigstens etwas verkürzen, so Kosanke.

Seit dem Jahr 2000 werden die neuen „Seitenlader“ eingesetzt. Quelle: AWU, Agentur Finish

Die Aussagen der AWU-Verantwortlichen stoßen auf Widerspruch – und Gegenvorschläge. Dann solle eben ein kleineres Fahrzeug angeschafft werden, lautet einer davon. Oder es müsse ein zweiter Mann als Einweiser mitfahren. „Wir dürfen aber auch mit kleineren Autos nicht rückwärts fahren“, hält Helge Kosanke entgegen. Und wenn die Fahrbahn nun mal zu schmal ist, sei es genau besagter Einweiser, der in Lebensgefahr schwebt. Ein weiterer Vorschlag: Videosysteme. „Eine Rückfahrkamera akzeptiert die Berufsgenossenschaft nicht“, kontert Kosanke. Darüber hinaus sei ein turnusmäßig eingesetztes Müllfahrzeug nicht mit einem Möbelwagen zu vergleichen, dessen Fahrer Dunkelheit und widrige Verhältnisse weitestgehend vermeiden könne.

Laut Paragraf 18 der Abfallentsorgungssatzung des Landkreises sind Müllbehälter „an einer mit Sammelfahrzeugen gefahrlos befahrbaren öffentlichen Verkehrsanlagen zur Abfuhr bereitzustellen“. Soziale oder medizinische Einzelfälle könnten darin nicht berücksichtigt werden, betont Manfred Speder: „Aus meiner Sicht bietet hier nachbarschaftliche oder familiäre Hilfe die beste Lösungsmöglichkeit.“ Wenn eine Firma damit beauftragt werden muss, koste das natürlich Geld.

Von Helge Treichel

Der Neubau des Glienicker Jugendclubs beginnt: Ab dem 26. März werden zwischen Haus 1 der Grundschule und der Rampe am Bürgerpark die ersten Fundamente für die Stützpfeiler des Jugendclubs errichtet. Außerdem ging es in der Gemeindevertretersitzung am Dienstag um Vorschläge zur Verkehrsberuhigung.

10.04.2018

Gleich drei Mal kam es am Mittwoch in Glienicke/Nordbahn zu versuchten telefonischen Enkeltrick-Betrügereien. Betroffen waren drei Seniorinnen, die jedoch allesamt den Anrufer durchschauten.

22.03.2018

Die Polizei in Brandenburg schließt aus Sorge um die Gesundheit der Beamten eine weitere Schießbahn. Die CDU-Opposition wirft dem Innenminister in der Informationspolitik eine Salami-Taktik vor. Auf der Bahn wurde bislang mit einer neuen Waffe trainiert.

24.03.2018
Anzeige