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Oberhavel Ruf des Handwerks ist in Gefahr
Lokales Oberhavel Ruf des Handwerks ist in Gefahr
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21:33 17.03.2017
Auf dem Lehrbauhof in Oranienburg wird echtes Handwerk gelehrt – wie das des Straßenbauers. Quelle: Enrico Kugler
Oberhavel

Das Handwerk steckt in einer Krise. Nicht nur, dass – wie fast überall – engagierter Nachwuchs fehlt. Auch die Qualität steht auf dem Prüfstand, und damit die Reputation des Handwerks. Hier helfen könnte die Wiedereinführung der Meisterpflicht in insgesamt 53 Gewerken. Das war einstimmiger Tenor einer Veranstaltung der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU Oberhavel am Donnerstag in Oranienburg.

„Wir haben zu viel zulassungsfreies Handwerk“, so Kreishandwerksmeister Norbert Fischer. Nur noch 41 Berufe sind zulassungspflichtig (siehe Info-Kasten). Heißt: Hier ist der Meisterbrief Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Beschlossen haben das 2003 Bundestag und Bundesrat. Andere Seite der Medaille: 53 Gewerke fielen aus dieser Pflicht heraus. „Der Berufsname wird dadurch beschädigt“, so Fischer. „Es wäre wünschenswert, wenn die Meisterausbildung wieder bei allen Handwerken Pflicht wäre.“

Gute Auszubildende sind auch im Handwerk rar. Quelle: dpa-Zentralbild

Denn: Schlechte Handwerker ohne gebührende Ausbildung ruinieren den Ruf einer ganzen Berufsgruppe. Das kann die Oranienburger Bürgermeisterkandidatin Kerstin Kausche (CDU) bestätigen: „Es ist schwierig, gute Handwerker zu finden.“ Der MIT-Kreisvorsitzende sagt: „Wir brauchen aber gute Qualität, um sie auch weitergeben zu können.“

Das Problem sei folgendes, so der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Bommert: „Das Handwerk hat keine Lobby in der Politik.“ Er will das Handwerk stärken. Mit einer Meistergründungsprämie der Investitionsbank des Landes Brandenburg sei ein wichtiger Schritt gelungen. Der Zuschuss für jemanden, der sich selbstständig macht, beträgt bis zu 8700 Euro. Zusätzlich gibt es für die Existenzgründer mit bestandener Meisterprüfung eine sogenannte Arbeits- oder Ausbildungsplatzförderung von bis zu 3 300 Euro.

Meisterbrief ist Qualitätssiegel

„Der Meisterbrief ist ein Qualitätssiegel“, so Uwe Feiler, Bundestagsabgeordneter und MIT-Landesvorsitzender. „Wir sollten ihn dort wieder einführen, wo es ihn nicht mehr gibt.“ Doch seinen Meister zu machen sei kostspielig – und das neben der Arbeit. Viele nutzen deshalb die Altgesellenregelung. Ein Geselle darf sich demnach nach sechs Jahren Berufstätigkeit selbstständig machen. Voraussetzung: Er muss vier Jahre in leitender Position tätig gewesen sein. Norbert Fischer bezeichnet die Altgesellenregelung als einen „großen Fehler“, weil auch Mittzwanziger mittlerweile durchgewunken werden. „Das schadet dem Handwerk nur noch mehr.“

Das sieht auch Schornsteinfegermeister Lutz Tornow aus Hohen Neuendorf so: „Ich bin vehement für den Handwerksmeister als Qualitätssiegel.“ Der Oranienburger Augenoptiker Andreas Wiersma meint, die Politik sei in die Pflicht zu nehmen. „Die Leistung muss anerkannt werden.“ Er fragt jedoch auch, wer den Meister noch machen soll, wenn doch der Nachwuchs permanent fehle. Pragmatische Idee, die in der MIT-Runde aufkam: Betriebe sollten ihr Handwerk vermehrt in Schulen präsentieren, den Beruf schmackhaft machen.

Von Marco Winkler

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