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Schicksal spielt Ehepaar aus Germendorf übel mit

Haus abgebrannt Schicksal spielt Ehepaar aus Germendorf übel mit

Wochen und Monate hat Lothar Kurth aus Germendorf (Oberhavel) gegen eine Krebserkrankung gekämpft. Die Familie und Freunde richteten ihm derweil daheim ein Zimmer neu ein. Doch in der Nacht zu Mittwoch wurde das Haus ein Raub der Flammen – und das Ehepaar steht ohne Hausratversicherung da.

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Tochter Nicole Münn und ihr Ehemann Alexander vor dem ausgebrannten Haus der Eltern von Nicole.

Quelle: Julian Stähle

Germendorf. „Meine Eltern sind zum Glück körperlich unversehrt geblieben, aber ihre Seelen sind schwer verletzt.“ Nicole Münn macht sich große Sorgen um ihre 67-jährige Mutter und ihren 72-jährigen Vater. Lothar und Rita Kurth befanden sich in dem Haus in der Kremmener Allee in Germendorf, das in der Nacht zu Mittwoch bei einem Brand dermaßen in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass es nunmehr unbewohnbar ist. Gott sei Dank hätten die Eltern das Gebäude rechtzeitig verlassen können.

„Wir hatten gerade erst für Papa ein Zimmer neu hergerichtet“, erzählt die Tochter weiter. Lothar Kurth hatte die Zeit von Mai bis Juli vergangenen Jahres im Krankenhaus zubringen müssen, wo er gegen eine Lungenkrebserkrankung kämpfte. In der Zwischenzeit hatten die Familie der Tochter, die Schwester und fleißige Helfer aus der Nachbarschaft ein Zimmer in dem Haus in Germendorf von Grund auf renoviert und neu ausgestattet. Der alte Teppich und die Einrichtungsgegenstände aus DDR-Zeiten waren rausgeflogen und der Raum mit neuen Möbeln ausgestattet worden. Lothar Kurth sollte sich dort nach der harten Zeit im Krankenhaus mit Bestrahlungen und Chemotherapien endlich wieder wohl fühlen und ein neues Leben anfangen können. Doch nun liegt alles in Schutt in Asche.

Das Haus ist nach dem Brand unbewohnbar

Das Haus ist nach dem Brand unbewohnbar.

Quelle: Julian Stähle

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

„Papa versucht, nach außen hin so gelassen wie möglich zu wirken“, sagt Nicole Münn. „Doch ich merke“, so die 40-jährige Tochter, die mit ihrer Familie in Schwante lebt, „dass ihn das alles hart getroffen hat. Er wird sich fragen, was er getan hat, dass ihm das Schicksal so übel mitspielt. Erst der Krebs und nun die eigenen vier Wände abgebrannt.“

Nicole Münn hatte es zunächst gar nicht glauben können, als sie von ihrem Sohn in der Nacht plötzlich wachgerüttelt wurde, weil das Telefon geklingelt hatte. Eine Nachbarin ihrer Eltern sei dran gewesen und habe gesagt: „Komm schnell Nicole, euer Haus brennt!“ Erst, als die Nachbarin die Nachricht noch einmal wiederholt hatte, habe sie realisiert, dass das alle bittere Realität ist. Sie sei dann sofort nach Germendorf gefahren und habe schon von weitem den Feuerschein gesehen. Und überall sei dicker Rauch gewesen. Das Schlimmste aber sei das Geräusch gewesen, was das Löschwasser macht, wenn es auf die Hauswand trifft.

Kleine Rente: Ehepaar steht ohne Hausratversicherung da

Bloß gut, dass niemandem etwas passiert ist. „Das habe ich auch meinen Eltern gesagt und hinzugefügt, dass man die materiellen Schäden alle ersetzen kann“, berichtet Nicole Münn. Zu diesem Zeitpunkt ahnte die Tochter noch nicht, das es mit dem Ersetzen der Schäden nicht so einfach werden wird. Weil ihre Eltern jeweils nur eine kleine Rente beziehen, haben sie Gebäudeversicherung zwar weitergeführt, die Hausratversicherung jedoch gekündigt. Dass hatten die Eltern ihrer Tochter bislang nicht erzählt. „Ich hätte sie doch für sie weitergeführt“, sagt die Tochter.

 Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung

Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung.

Quelle: Julian Stähle

In ihr Haus können Rita und Lothar Kurth nicht zurück. Ob dort noch etwas zu retten ist? Nicole Münn weiß es nicht. „Man durfte ja nicht näher heran“, sagte sie. Der Dachstuhl sei auf jeden Fall total zerstört. Und nach Abschluss der Löscharbeiten haben sich am Mittwoch zunächst Mitarbeiter der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes ein Bild vom Brandort gemacht. Ausgebrochen sein soll das Feuer in einer Laube, die auf dem Grundstück steht. Rita Kurth soll den Brand bemerkt haben, als sie in der Nacht zur Toilette wollte. Schnell hätten die Flammen von dort auf das nahe Haus übergegriffen und auch noch eine Garage auf dem Nachbargrundstück in Mitleidenschaft gezogen.

Germendorfer wollen helfen

Rita und Lothar Kurth kommen vorerst in Germendorf unter. Wie die Tochter berichtete, können sie zunächst zehn Tage kostenfrei in einem Zimmer des italienischen Restaurants und Hotels „Da Gianni“ wohnen. Bis dahin hofft Nicole Münn, eine Unterkunft für ihre Eltern zu finden. Ihr Mann und ihre Schwester aus Mecklenburg würden bei der Suche nach Kräften helfen. Ein kleiner Trost für ihre Eltern, so Nicole Münn, sei die Tatsache, dass wenigstens das Auto gerettet werden konnte. Vor allem ihr Papa hänge sehr daran. Er sei, so oft es in der Vergangenheit ging, damit unterwegs gewesen und habe Besorgungen für die sich und die Familie gemacht.

Viele Menschen aus Germendorf und darüber hinaus möchten der Familie Kurth gern helfen. Die Feuerwehr des Ortes habe bereits angedeutet, ein Spendenkonto einrichten zu wollen. Da die Kameraden aber in der Nacht zu Montag noch ein zweites Mal zu einem Brand ausrücken mussten, bei dem ein Feuerwehrmann aus dem Ort schwer verletzt wurde, sei bislang noch keine Zeit für genauere Absprachen gewesen. Die MAZ wird natürlich darüber informieren, wenn das Konto ausgerichtet wurde.

Zur Höhe des entstandenen Sachschadens liegen bisher keine Angaben Mitarbeiter der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes untersuchten am Mittwoch den Brandort. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung. Bei den Löscharbeiten kamen neben den freiwilligen Feuerwehren aus Germendorf, Lehnitz und Sachsenhausen auch zwei Löschzüge aus Oranienburg zum Einsatz.

Von Bert Wittke

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