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Die Tradition bleibt der Anker

Schifferinnung Marienthal Die Tradition bleibt der Anker

Nach fast 60 Jahren Ausstand gibt es wieder einen Schiffer in Marienthal – er reiht sich ein in eine Tradition, die im Schifferdorf mehr als 170 Jahre zurückreicht. Am Sonnabend wurde mit einem Festumzug daran erinnert.

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Festumzug mit der blauen Traditionsfahne: „Vorsicht und Mut fährt sicher und gut“.

Quelle: Uwe Halling

Marienthal. Die wenigsten sind oder waren jemals Schiffer. Aber unter der blauen Schmuckfahne der 1841 gegründeten Innung, halten sie die Tradition des Schifferdorfes und die vieler Familien in Marienthal bis heute hoch. Alle fünf Jahre, wenn die Zunft einen runden Geburtstag begeht, sammeln sich die Mitglieder und Freunde des Schiffervereins zum Festumzug mit rot-weißer Schärpe, kleinen Schiffen und bunten Bändern daran. Am Sonnabend blickten sie auf die 175-jährige Geschichte der Schiffervereinigung – eine der ältesten in der Region überhaupt. Vor vier Häusern stoppten der Tross und die Kapelle, um nach kurzem Innehalten neue Musik anzustimmen. „Es ist wie eine kleine Verneigung vor den alten Schiffern und Familien“, erklärte Chronist Uwe Zietmann. Aus den Häusern traten zumeist Frauen und reichten dem Vereinskapitän Walter Odermann jeweils eine kleine Tüte – darin Fläschchen für den abendlichen Ball.

Genau 60 Jahre trennen Wolfgang Schulz und Christian Scharf. Beide Generationen verbindet die Schifffahrt. Wolfgang Schulz war für lange Zeit der letzte Schiffer im Dorf – und selbst bei ihm liegt die große Abschiedsfahrt schon Jahrzehnte zurück. 1956 ging er von Bord. Dann kam ziemlich lange nichts. Bis Wasserbauer Christian Scharf vor einigen Jahren bei der Veerhaven Reederei von Thyssen Krupp anheuerte und sich vom Matrosen zum Steuermann hocharbeitete. Mit ihm und Andreas Keup aus dem benachbarten Tornow hat der Traditionsverein wieder zwei Berufsschiffer in seinen Reihen. Das ist allerdings kein Vergleich zu den Hochzeiten in den 20er und 30er Jahren, als zwei Drittel der Einwohner von der Schifffahrt lebten und mehr Zeit auf dem Wasser verbrachten denn an Land. Schon Wolfgang Schulzes Großvater war Schiffer. Nur sein Vater schlug ein wenig aus der Art – der wurde Friseur. Der 79-Jährige kann das erklären. Einer Erzählung nach hätten die Schifferfrauen nach der Geburt eines Sohnes früher einen nassen Wischlappen gewrungen und dann aufs Dach geworfen. Blieb er dort liegen, sollte aus dem Jungen ein Schiffer werden. Fiel er runter, dann kam auch was anderes in Frage. „Bei meinem Vater war der Lappen vermutlich runtergefallen“, erzählte Schulz und lächelte dabei so verschmitzt, dass man die Geschichte für Seemannsgarn halten könnte. Nach dem Krieg wurden die meisten der Schiffe, die damals wie eine kleine Amada im Wentowsee vor Anker lagen, mit Reparationsgütern beladen und über Stettin und die Ostsee in Richtung Russland gebracht. Wie viele dort wirklich ankamen, ist bis heute unklar. Auch Vereinschef Walter Odermann weiß nicht, wo der auf den Namen „Emma“ getaufte Großfinowmaßkahn seiner Eltern abgeblieben ist. „Ich kann mir gut vorstellen, dass viele der Kähne bei dem Wellengang in der Ostsee untergingen“, so der 71-Jährige. Es war eine Zäsur für die heimische Schiffer-Zunft. Nicht aber für ihre Tradition. Die soll so lange wie möglich im Dorf sichtbar bleiben – „das ist Ehrensache“, betonte Walter Odermann.

Von Cindy Lüderitz

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