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Schockfotos sollen Raucher abschrecken

Neue EU-Tabakrichtlinie Schockfotos sollen Raucher abschrecken

Jetzt ist es amtlich: Im Mai werden die letzten „normalen“ Zigarettenschachteln produziert. Danach zieren dieses Bilder von Raucherlungen und verfaulten Zähnen – zur Abschreckung. Wir haben uns exemplarisch bei einem Tabakhändler in Oranienburg nachgefragt, was er davon hält – und der hat nicht nur eine klare Meinung, sondern auch einen Alternativvorschlag.

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So sehen die neuen abschreckenden Bilder aus.

Quelle: Martin Gerten/dpa

Oranienburg. Die Raucher hatten es befürchtet: Ihre Tabakwaren werden zwar nicht weniger bunt, dafür sind die Darstellungen andere – schwarze Lungen, vom Krebs befallen, verfaulte Zahnstümpfe und Raucherbeine. Konsequenzen des Konsums. Die EU-Tabakrichtlinie, die jetzt auch vom Bundesrat gebilligt wurde, sieht vor, dass zwei Drittel der Vorder- und Rückseite der Verpackungen mit schockierenden Warnbildern und abschreckenden Texten bedeckt sein müssen.

Tobias Lauktien, der im Oranienburger Südcenter einen Tabak-Lotto-Laden betreibt, glaubt nicht, dass sich Raucher davon abschrecken lassen. „Da wird vielleicht drei Tage etwas weniger geraucht und schon ist es vergessen“, so der 35-Jährige, der selbst Raucher ist. „Man weiß doch eigentlich, was passiert, wenn man raucht.“ Dennoch, räumt er ein, vielleicht bewege es ein paar Leute, das Rauchen einzustellen. Finanzielle Einbuße befürchtet er hingegen nicht. „Viele Marken fahren schon seit Jahren ihr Sortiment runter.“ Der Tabakmarkt schrumpft. Die Leute stumpfen ab. Lassen sich von Schockbildern nicht die Fluppe vergraulen. „Sinnvoller wäre es, die Schachteln doppelt so teuer zu machen wie das in England der Fall ist“, so der Tabakhändler. Ein schleichender Preisanstieg wie in den vergangenen Jahren sei zu mild, wirke einfach nicht.

Tobias Lauktien betreibt einen Tabak-Lotto-Laden im Südcenter

Tobias Lauktien betreibt einen Tabak-Lotto-Laden im Südcenter. Die Gruselfotos auf den Packungen werden kaum abschreckend wirken, meint er.

Quelle: Marco Winkler

Dass zumindest die Schockbilder Wirkung zeigen, davon ist Professor Dr. Johannes Lindenmeyer von der Lindower Salus-Klinik überzeugt. Vor allem Jugendlichen erscheine dadurch das Rauchen „deutlich weniger attraktiv“, sagt er. „Tatsächlich werden Zigaretten von der Tabakindustrie gezielt so gestaltet, dass die aversiven Effekte (Kratzen, Husten, bitterer Geschmack), die junge Raucher bei den ersten Zigaretten in ihrem Leben meist erleben, möglichst gering ausfallen.“ Er halte deshalb ein Verbot der Aromastoffe für „sinnvoll“.

Laut seinen Angaben sind 70 Prozent aller Raucher tabakabhängig. Die Erfolgsquote, wenn jemand damit aufhören will, liege bei lediglich 10 bis 15 Prozent. „Durch professionelle Raucherentwöhnung schaffen es immerhin über 30 Prozent“, so Johannes Lindenmeyer. „Es ist daher ein Skandal, dass die Kosten für eine Raucherentwöhnung nicht zur Regelleistung in unserem Gesundheitssystem gehört, obwohl Rauchen von allen Süchten die gesundheitsschädlichste ist.“

Neue EU-Tabakrichtlinie

2014 wurde
die EU-Richtlinie für Tabakprodukte ausgehandelt. Bundestag und Bundesrat beschlossen diese jetzt. Sie sieht vor, dass ab Mai 2016 nur noch Tabakerzeugnisse mit Schockbildern produziert werden. Alte Restbestände dürfen noch ein Jahr lang weiter verkauft werden.

Gänzlich verboten werden Waren, die mit einem künstlichen Aroma versuchen, den Tabakgeschmack oder auch nur den Geruch zu überdecken. Grund: Der Einstieg in den Konsum soll so verhindert werden. Viele Stoffe stehen im Verdacht, genau diesen durch die Übertünchung des Tabakgeschmacks zu erleichtern. Die Ausnahme: Menthol-Zigaretten. Für diese gilt eine Übergangsfrist bis 2020.

Für E-Zigaretten soll ein Werbe-Verbot gelten – wie auch schon bei herkömmlichen Zigaretten. Zudem sieht die Richtlinie ein Kaufverbot an Jugendliche vor.

Doch was machen Tabakhändler, um ihre Kunden mit den Gruselfotos nicht zu verschrecken? Es geht immerhin um Profit und das Überleben des Einzelhändlers. Tobias Lauktien habe gerüchteweise gehört, dass ein Regalumbau in der Ausstellungsfläche möglich sei. „Dann würden die Schachteln auf dem Bauch liegen und die Schockbilder wären nicht mehr zu sehen.“ Schon eifrig produziert werden Module aus Blei, quasi als Überzieher für die reguläre Packung. Auch hier verschwindet das Schockbild in Nullkommanichts. Johannes Lindenmeyer sieht eine andere Alternative: „Noch wirksamer wäre es allerdings nachweislich, man würde alle Zigarettenschachteln einheitlich in Grau ohne jede grafische Markengestaltung verkaufen.“

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrum sterben jährlich 120 000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens. Laut Robert Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland sind bei Männern neun von zehn, bei Frauen mindestens sechs von zehn Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückzuführen.

Von Marco Winkler

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