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Oberhavel Schön mal wieder hier zu sein!
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00:28 04.10.2015
Peter Drzisga überreicht dem Ministerpräsidenten eine Friedrichsthaler Wanduhr. Quelle: Ulrike Gawande
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Oranienburg

Es war eine bunte Mischung von Oranienburger Bürgern, die am Dienstagabend auf Einladung des Landtagsabgeordneten Björn Lüttmann (SPD) zur Gesprächsrunde mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in die Oranienburger Stadtbibliothek gekommen war: Neubürger neben Alteingesessenen, Zugezogene aus Berlin, Russland und anderen Nationen, Studenten, Berufstätige und Rentner, Kirchenvertreter, Sportler und Künstler. Oranienburg, mit seinen niederländischen Wurzeln, sei eben seit jeher ein Schmelztiegel verschiedenster Nationen und Glaubensrichtungen, war man sich einig. Vereint wurde die Gesprächsrunde in der Bibliothek auch durch ihre Liebe zum Wohnort Oranienburg. Sogar Woidke stimmte mit ein: „Schön mal wieder hier zu sein!“ Selten hörte man so viele Liebeserklärungen an die Stadt an der Havel. Aber auch Kritik wurde geübt. Verbesserungsvorschläge gemacht. Der Ministerpräsident hatte persönlich dazu aufgefordert. Lautete doch das Thema der Runde: „Leben und Arbeiten in einer wachstumsstarken berlinnahen Kommune.“

Zweigeteilte Entwicklung

Brandenburg sei das einzige Bundesland mit einer deutlich zweigeteilten Entwicklung: Überalterung und Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Bereichen sowie gleichzeitig massivem Bevölkerungszuwachs im berlinnahen Raum. „Beides ist nicht ganz einfach“, so Woidke. Wo Bedarf bestehe, wollte er von den Gästen wissen. Denn 2016 soll das im Koalitionsvertrag festgelegte kommunale Investitionsprogramm begonnen werden, mit dem der Ausbau von Bildungseinrichtungen, des Katastrophenschutzes und der Feuerwehr sowie die Förderung von Sportvereinen finanziert werden soll. „In manchen Gemeinden am Rand von Berlin besteht mangels Räumlichkeiten sogar ein Aufnahmestopp von Kindern in den Sportvereinen.“ Es werde aber keine Wunschlisten der Bürgermeister geben, erklärte der Landeschef.

Vergangene Zeiten

So blickte man auch zurück in vergangene Zeiten. Umso deutlicher wurde die stark positive Entwicklung der Stadt. “Oranienburg hat etwas verbindliches, ist gepflegt und hat Struktur,“ lautete das Urteil eines Bürgers. Früher sei Oranienburg jedoch höchstens wegen der Durchfahrt auf der B96, auf dem Weg zur Ostsee, den Menschen ein Begriff gewesen, bemerkte Woidke schmunzelnd. „In dieses Drecknest sollen wir ziehen?“, war 1992 der erste Gedanke von Peter Drzisga am Oranienburger Bahnhof. Heute ist er stolzer Friedrichsthaler. Auch ein anderer Gast erinnert sich an seinen Umzug nach Oranienburg 1980. „Wir haben damals drei Tage lang geweint.“ Mit jeder S-Bahnfahrt sei für alle klar gewesen, wo man herkam: „Heute ist eine gewisse Kuscheligkeit eingezogen.“ Er sei nun stolz auf seine Stadt. Die Stadt habe besonders der BUGA im Jahr 2009 viel zu verdanken, bestätigte auch Woidke.

Kitas, bezahlbarer Wohnraum und Integration

Aber die Kitas und Schulen platzen mittlerweile aus allen Nähten und es mangele an Wohnungen, bezahlbarem Wohnraum. „Wo bleibt der soziale Wohnungsbau?“ wurde immer wieder gefragt. Man könne eventuell auch dafür das Investitionsprogramm nutzen, verkündete Woidke, das sei wichtig sowohl für den sozialen Frieden, als auch für die Integration von Flüchtlingen. Die Angst der Menschen sei greifbar, so Woidke, die sich fragen: „Kann ich mir meine Heimatstadt zukünftig noch leisten.“ Froh sei er auch, bemerkte er kurz an, dass man dem Bund die Brandenburger Seen abgekauft habe. Auch wenn das ausgegebene Geld heute noch schmerze. Es dürfe aber keinesfalls zu einer, wenn auch nur vermeintlichen, Konkurrenzsituation von Brandenburgern und Flüchtlingen kommen, so der Ministerpräsident. Keiner dürfe den Gedanken hegen: „Für Flüchtlinge wird alles getan, und für uns?“ Deshalb sei Integration das oberste Gebot. „Deutschkurse sind viel zu wenig!“ Einen großen Dank sprach der Landeschef deshalb auch Willkommensinitiativen und Kirchen für ihre ehrenamtliche Arbeit aus. „Wir dürfen die Integration nicht auf die leichte Schulter nehmen und sie aufgrund organisatorischer Probleme unter die Räder kommen lassen.“ Umso wichtiger sei die Integration durch Arbeit und in Vereinen oder beim Sport. Unterstützt wurde er dabei von Dimitri Orlow (21), der als Kind aus St. Petersburg nach Oranienburg kam und durch den Sport im Karateverein Integration erlebte. Heute leistet er dort selber Vorstandsarbeit. „Es ist schwer sich ohne Sprachkenntnisse zu integrieren.“ Aber die Mitwirkung in Sportvereinen helfe, so der Student, die Sprache zu lernen und gleichzeitig Kontakte zu knüpfen.

Vorurteile abbauen

„So können auch Vorurteile abgebaut werden.“ Die Bürger könnten erkennen, dass die Masse Menschen, die man im Fernsehen sehe, aus Individuen bestehen würde, so der Landeschef. Er sprach sich deshalb deutlich gegen Massenunterkünfte und für eine Verfahrensbeschleunigung aus. Aber: „Wir dürfen unsere Leute nicht vergessen.“ Die Maßnahmen des kommunalen Investitionsprogramms werden dabei helfen. Aber nicht alles könne der Staat leisten, sondern die Menschen müssten helfen und das soziale Miteinander fördern, gab Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke zu bedenken.

Von Ulrike Gawande

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