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Oberhavel Schon früh auf die schiefe Bahn
Lokales Oberhavel Schon früh auf die schiefe Bahn
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09:52 22.10.2013
Quelle: dpa
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Neuruppin/Oranienburg

Der Angeklagte soll in Oranienburg am Abend des 4. September 2012 Thomas L., den Nachbarn seiner Großeltern, bedroht und ihm drei Euro abgenommen haben. Das war alles, was dieser in der Hosentasche bei sich trug. Damit nicht genug, soll Marlon B. angedroht haben, ihm sämtliche Knochen zu brechen, wenn er nicht bis zum nächsten Tag angebliche Schulden in Höhe 50 Euro zahlen würde. Das könne nicht sein, verteidigte sich Marlon B. gestern. Er sei den ganzen Abend bei der Geburtstagsfeier seines Großvaters gewesen und habe sich nicht vom Fleck gerührt. „Ich sitze jetzt seit acht Monaten im Gefängnis und rätsele, warum L. mich angezeigt hat.“ Eine Erklärung hatte er allerdings. Seine Großmutter und seine Mutter hätten L. in der Vergangenheit mehrfach abblitzen lassen, so Marlon B.

Auch den zweiten Vorwurf bestritt er energisch. Er soll am 13. September 2012 Mark L. unter Drohungen aufgefordert haben, sich nicht mehr mit einer gemeinsamen Bekannten zu treffen. Als Entschädigung solle Mark L. ihm 150 Euro zahlen, ansonsten „würde er ihm die Wohnung ausräumen“. Am 19. Oktober soll er bei einem Treffen anlässlich des Geburtstages seiner Ex-Freundin Mark L. wieder begegnet sein. Der hatte den Angeklagten zwischenzeitlich angezeigt. Das verärgerte Marlon B. derart, dass er ihm ankündigte, ihn umzubringen und in die Havel zu werfen. Das stimme nicht, ließ sich der Angeklagte gestern ein. Er habe Mark L. an jenem Abend überhaupt nicht gesehen.

Am 19. August vergangenen Jahres geriet der Angeklagte mit drei anderen Männern aneinander, schlug einem mit der Faust ins Gesicht, verpasste einem anderen eine Kopfnuss. Das gab Marlon B. gestern zu, redete allerdings erst um den heißen Brei herum, bis seine Verteidigerin eingriff: „Er will sagen, die Anklage stimmt.“

Wie die mutmaßlichen Opfer die Vorfälle erlebt haben, sollte gestern geklärt werden. Doch sie kamen nicht zur Verhandlung. Jetzt sollen die Zeugen am kommenden Prozesstag von der Polizei vorgeführt werden. „Da können wir ja einen Sammeltransport machen“, sagte der Vorsitzende Richter Gert Wegner.

Er wollte vom Angeklagten wissen, ob er sich Gedanken über seine Zukunft gemacht habe. „Viele, viele, viele“, war die Antwort. Es sei ihm klar, dass sich etwas ändern müsse, so Marlon B. Er sei mit sechs Jahren ins Kinderheim gekommen, weil sich seine damals erst 18-jährige Mutter vergnügen wollte und er dabei störte, so Marlon B. Er durchlief mehrere Heime, fiel durch Aufsässigkeit und Aggressivität auf. Bereits mit 15 Jahren wurde er straffällig. Mit 18 Jahren stand er das erste Mal wegen räuberischer Erpressung vor Gericht. Dreieinhalb Jahre saß er bereits im Gefängnis. Zurzeit verbüßt er eine Strafe von einem Jahr und zwei Monaten. Die Taten ähneln sich. Meist unter Alkohol oder Drogen schlug Marlon B. zu, bedrohte ihm unbekannte Leute und forderte Geld oder Handys ein.

Am 24. Oktober wird weiter verhandelt. Ein Urteil ist für den 7. November geplant.

Von Dagmar Simons

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